Wer die Vereinigten Gebiete der Souveränen Nation der Volksrepublik Slowjamastan besuchen will, muss sich auf einiges gefasst machen. Denn hier sind unter anderem das falsche Aufhängen von Toilettenpapier, Kunststoffschuhe der Marke Crocs, das Platzieren der Füße auf dem Armaturenbrett eines Autos, das Essen von Streichkäse durch direktes Beißen und das Fahren auf der linken Spur ohne Überholabsicht verboten.
Verantwortlich für diese „drakonischen“ Gesetze ist der selbsternannte Sultan von Slowjamastan, Randy Williams, welcher die „Gelegenheitsdemokratie“ seit ihrer Gründung im Dezember 2021 regiert. Der Radiomoderator hatte zuvor alle von den Vereinten Nationen anerkannten 193 Staaten der Welt bereist und danach zudem auch die Republik Molossia besucht, die im US-Bundesstaat Nevada liegt und seit 1998 um ihre Unabhängigkeit von Washington kämpft.
Hier erfuhr er von „Präsident“ Kevin Baugh, dass Molossia nach wie vor gegen die inzwischen untergegangene DDR Krieg führe und eine Währung besitze, die nicht mit Gold, sondern mit Schokoladenkeksteig gedeckt sei. Das inspirierte Williams, für umgerechnet 17.600 Euro ein elf Hektar großes Stück Wüstenland an der California State Route 78 nordwestlich von San Diego zu erwerben und dann dort genau wie Baugh einen eigenen Staat zu proklamieren.
Der zählt momentan bereits 500 Bürger, wobei weitere 4500 unbearbeitete Anträge auf Einbürgerung vorliegen. Williams’ „Untertanen“ können allerdings noch keine nennenswerte Infrastruktur nutzen. Diese besteht lediglich aus einem Grenzschild an der Autobahn, einer Telefonzelle, einem Schlagbaum mit Wächterhäuschen sowie einem Schreibtisch unter freiem Himmel, der als Herzstück der imaginären Hauptstadt Dublandia gilt, weil der „Sultan“ hier gelegentlich Audienzen in seiner grünen Phantasieuniform abhält. Dafür besitzt Slowjamastan aber eine Nationalhymne, ein Nationaltier, eine Nationalfrucht und eine Flagge samt Nationalwappen sowie eine eigene Währung, genannt Duble.
Wie Molossia strebt auch das „Reich“ von Williams die Loslösung von den USA an, wobei es sich auf die 1933 verabschiedete Konvention von Montevideo über Rechte und Pflichten der Staaten beruft. Der zufolge muss ein „Staat als Subjekt des internationalen Rechts … folgende Eigenschaften besitzen: (a) eine ständige Bevölkerung; (b) ein definiertes Staatsgebiet; (c) eine Regierung; und (d) die Fähigkeit, in Beziehung mit anderen Staaten zu treten“. Dies wäre im Falle von Slowjamastan gegeben – der Haken ist nur, dass die „Volksrepublik“ auf US-amerikanischem Territorium liegt.
Dennoch wurde Williams’ slowjamastanischer Pass bereits in 16 verschiedenen Ländern bei der Einreise abgestempelt, darunter auch in Südafrika und Neuseeland. Das resultierte wohl daraus, dass die Grenzbeamten überfordert waren, denn mittlerweile gibt es schon mehr als 50 solcher sogenannten Mikronationen wie Slowjamastan von Akhzivland an der libanesisch-israelischen Grenze bis zur Republik Whangamomona in Neuseeland. W.K.


