Das bekannteste Produkt von Friedrich Arnold Brockhaus ist nach ihm benannt: das „Conversationslexikon oder kurzgefasstes Handbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und Künsten vorkommenden Gegenstände mit beständiger Rücksicht auf die Ereignisse der älteren und neueren Zeit“, wie es 1809 hieß, aber bis heute kurz und bündig als „der Brockhaus“ bekannt ist. Doch der 1772 in Dortmund geborene Kaufmannssohn hat seinerzeit auch viel beachtete Journale und bis heute gelesene Bücher herausgegeben. Mit nur 51 Jahren starb er am 20. August 1823 in der Verlags- und Buchhandelsstadt Leipzig.
Bevor er in den Buchhandel einstieg, führte Brockhaus zunächst in Dortmund, dann in Amsterdam ein Kontor für Wollstoffe und andere englische Manufakturprodukte. Ab 1805 widmete er sich dem Sortiments- und Verlagsbuchhandel. Nach dem Tod seiner ersten Gattin verließ er Amsterdam und lebte seit 1811 im thüringischen Altenburg, wo er erneut heiratete. Aus erster und zweiter Ehe gingen insgesamt elf Kinder hervor.
In Altenburg schlug Karl Philipp Fürst von Schwarzenberg vom 10. bis 15. Oktober 1813 sein Hauptquartier auf. Er hatte den Oberbefehl über die gegen Napoleon verbündeten Armeen. Zur selben Zeit hielt sich auch Russlands Zar Alexander I. in Altenburg auf. Der Zar und der Fürst gewährten Brockhaus eine Audienz. Deren Ergebnis war der „Befehl“ Schwarzenbergs an Brockhaus, die Nachrichten und offiziellen Schriften der „Hohen Alliierten“ zu verbreiten.
Zu diesem Zweck gründete Brockhaus die „Deutschen Blätter“ – und betätigte sich sogleich als Kriegsberichterstatter. Er war der erste Augenzeuge, der Berichte über die sich bis zum 19. Oktober 1813 hinziehende Völkerschlacht bei Leipzig veröffentlichte.
Bereits fünf Jahre vor diesem Coup hatte Brockhaus eine geschäftliche Entscheidung getroffen, die sich als goldrichtig erweisen sollte. Auf der Leipziger Buchhändlermesse kaufte er im Herbst 1808 die Rechte an dem 1796 von Renatus Gotthelf Löbel begonnenen „Conversationslexikon“. Brockhaus selbst und seine wissenschaftlichen Mitarbeiter stellten es vorläufig fertig. Zu seinen Lebzeiten erschienen fünf stets aufs Neue überarbeitete und erweiterte Auflagen, zunächst in sechs, später in zehn Bänden. Bis zur Einstellung der gedruckten Fassung im Jahre 2014 erlebte „der Brockhaus“ 21 Auflagen.
Friedrich Arnold Brockhaus war Perfektionist: „Kein Blatt geht in und aus der Druckerei ohne meine Durchsicht.“ Seine eigene Druckerei hatte er in Leipzig gegründet, wo er sich 1817 niedergelassen hatte. Das Temperament von Brockhaus war aufbrausend und vertrug divergierende Meinungen oder gar Widerworte von seinen Autoren nur schlecht. Einer der Zurechtgewiesenen war der damals noch völlig unbekannte Philosoph Artur Schopenhauer, dessen Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ Brockhaus verlegte. Einen guten Riecher bewies er ebenso mit der Erstveröffentlichung der Memoiren Casanovas.
Der liberal und patriotisch gesonnene Brockhaus setzte sich in seinen Publikationen wie dem Journal „Hermes“ für Pressefreiheit, die deutsche Nationalbewegung, Verfassungen und Volksvertretungen in den deutschen Ländern ein. Doch das bekam ihm schlecht. Zensur, Verbote und Beschlagnahmungen seiner Publikationen machten ihm das Leben schwer. Erst recht nach den Karlsbader Beschlüssen von 1819, die in den Ländern des Deutschen Bundes zur Einschränkung der Meinungsfreiheit die allgemeine Pressezensur einführten.
Heute ist „der Brockhaus“ ein Opfer des Internets geworden. Gäbe es kein Wikipedia würden wir alle noch im Brockhaus nachschlagen.


