In der saarländischen Landeshauptstadt war das Entsetzen Anfang Juni groß. Zwei Jugendliche verunglückten mit einem Elektroroller tödlich. Illegalerweise nutzten ein 16-Jähriger und eine 17-Jährige den Roller gemeinsam und wurden beim Überqueren einer Hauptverkehrsstraße von einem Pkw erfasst. Ob dieser nun zu schnell gefahren ist oder ob die Jugendlichen eine rote Ampel überfahren haben, klären derzeit noch Gutachter. Die Politik hatte jedoch schnell eine Lösung parat. Saarlands Innenminister Reinhold Jost (SPD) forderte umgehend eine Helmpflicht für Roller-Nutzer. In anderen Bundesländern mehren sich ähnliche Stimmen.
Die Zahl der Toten und Verletzten infolge von E-Scooter-Unfällen steigt bundesweit deutlich an. In allen deutschen Großstädten häufen sich die Beschwerden, dass vor allem Jugendliche mit den Rollern durch die Fußgängerzonen rasen. Die Polizei hat keine ausreichenden Kapazitäten, um Kontrollen durchzuführen. Experten fordern jetzt strengere Regulierungen für die Nutzung. Dazu gehören neben der Helmpflicht eine Altersgrenze von mindestens 18 Jahren und ein Alkoholverbot für Fahrer.
E-Scooter galten lange als Motor für neue, klimafreundliche Mobilität. Vor allem die Grünen und ihnen nahestehende Umweltverbände sahen in ihnen eine umweltschonende Alternative zum Auto. Als der Boom vor vier, fünf Jahren ausbrach, forderten Grünen-Fraktionen in Berlin und anderswo, die Elektroroller auch für Bürgersteige und Fußgängerzonen freizugeben. Mittlerweile hat sich die Begeisterung merklich abgekühlt. Denn die Meldungen über die Zusammenstöße mit Fußgängern häufen sich. 2022 nutzten fast zehn Millionen Deutsche geliehene E-Roller, etwa 8000 private Geräte wurden zugelassen. Drei der großen Anbieter haben sich mittlerweile wieder aus dem deutschen Markt zurückgezogen, denn lukrativ ist das Geschäft bisher nicht. Die Verwaltungen fast aller Großstädte berichten von massenhaft achtlos weggeworfenen Rollern, die in Gewässern landen. Denn wer ein Gerät zuletzt genutzt hat, können die Anbieter nicht feststellen.
Letztlich werden wohl die Gerichte das letzte Wort haben, wie mit den Rollern in Zukunft umzugehen ist. Mehrere Städte haben zuletzt über Sondernutzungsgebühren versucht, das Geschäft unlukrativ zu machen. Branchenführer „Tier“ will dagegen klagen.
In Paris müssen Anfang September die Leih-Geräte aus dem Straßenbild verschwinden. Im Frühjahr hatte sich eine deutliche Mehrheit bei einer Bürgerbefragung für ein Verbot der E-Roller ausgesprochen. Allerdings nahmen nur etwa acht Prozent der Stimmberechtigten daran teil. Und der Besitz und die Nutzung von privaten Geräten ist nach wie vor erlaubt. Es dürfte kein Zufall sein, dass Internet-Riesen wie Amazon derzeit mit massiven Rabatten für Neugeräte werben. Ob das Pariser Modell Schule macht, ist bislang nicht sicher. Die sechs größten Anbieter prüfen derzeit rechtliche Schritte gegen das Verbot.


