04.02.2026

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Folge 34-23 vom 25. August 2023 / Humanismus / Luthers rebellischer Kampfgenosse / Verfasser der „Dunkelmännerbriefe“ – Vor 500 Jahren starb der berüchtigte Ritter Ulrich von Hutten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-23 vom 25. August 2023

Humanismus
Luthers rebellischer Kampfgenosse
Verfasser der „Dunkelmännerbriefe“ – Vor 500 Jahren starb der berüchtigte Ritter Ulrich von Hutten
Martin Stolzenau/tws

Zu den bedeutendsten deutschen Humanisten zählt zweifellos Ulrich von Hutten. Als Dichter, Kirchenkritiker und Anhänger Martin Luthers hatte er einen maßgeblichen Einfluss auf das kirchenpolitische Geschehen vor und während der Reformationszeit. Sein kurzes Wanderleben von seinem Geburtsort auf Burg Steckelberg bei Schlüchtern in der Westrhön über Pommerns Ostseeküste bis nach Norditalien und in die Schweiz war durch zahlreiche Turbulenzen gekennzeichnet. 

Inzwischen weicht die jüngere Forschung allerdings vom Weg der bisherigen reinen Lobpreisung ab. Sie gelangt zu recht differenzierten Erkenntnissen zur Stellung und Bedeutung Huttens in der Reformationsgeschichte. Denn nach seiner Heimkehr aus Italien begann Hutten als Publizist einen literarischen Feldzug gegen die Papstkirche sowie die Deutschlandpolitik Roms und erklärte sich mit der Reformation Martin Luthers solidarisch. Als Mitverfasser der sogenannten Dunkelmännerbriefe attackierte er die Anhänger der deutschen Scholastik.

Hutten nahm nun unter den Humanisten eine Sonderstellung ein, indem er dem kontemplativen Leben als Gelehrter, ein kämpferisches für gesellschaftliche Veränderungen vorzog. Der streitbare Ritter, der zuvor vom Kaiser die Dichterkrone, den Titel eines Doktors der Rechte und den eines Ritters vom güldenen Sporn verliehen bekommen hatte, verschwor sich 1521 mit Franz von Sickingen zur „reichsritterlich bewaffneten Rebellion“. Er verband den bürgerlichen Renaissancegedanken mit der Reformation zum Zwecke einer nationalen Einigung und rückwärtsgewandten Erneuerung des staufischen Reiches.

Doch seine Pläne scheiterten. Luther lehnte seine kämpferischen Aktivitäten ab. Hutten wurde schließlich gebannt und floh nach der Niederlage des Aufstandsversuches in die Schweiz. Als die deutsche Reformation ihn im Stich ließ, gaben ihm die Reformatoren der Schweiz auf der Insel Ufenau im Zürichsee Asyl. Dort waren seine Tage allerdings gezählt. Der an Syphilis erkrankte Hutten starb an deren Folgen am 29. August 1523 im Alter von 

35 Jahren. Seine letzte Ruhe fand er an der Kirche St. Peter und Paul auf der Insel Ufenau. Der Grabstein blieb erhalten.

Angeregt davon schuf Caspar David Friedrich vor 200 Jahren das allerdings in freier Phantasie entstandene Ölgemälde „Huttens Grab“, das dem Humanisten ein bis dahin fehlendes Denkmal und mit seinen gotischen Ruinen ein nationales Zeichen setzen sollte. In ähnliche Richtung ging die Ehrenrettung durch den Junghegelianer David Friedrich Strauß mit seiner dreibändigen Hutten-Biographie (1858). Auch das Denkmal für Hutten und Sickingen auf der Ebernburg ehrt beide – so ist zu lesen – als „Vorkämpfer der deutschen Einheit und Größe“.


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