Heinrich Wilhelm von Pabst stammte aus dem Großherzogtum Hessen, machte als Agrarwissenschaftler an verschiedenen Hauptwirkungsstätten wie Hohenheim, Darmstadt, Eldena bei Greifswald, Berlin oder Wien Karriere und galt zu Lebzeiten als einer der vielseitigsten und erfolgreichsten Agronomen im deutschsprachigen Raum. Er prägte über Jahrzehnte die Forschung und Lehre des wissenschaftlichen Landbaus in Mitteleuropa maßgeblich mit. Seine Fachschriften erlebten zahlreiche Nachauflagen. Dazu hat bis heute eine vielgestaltige Literatur sein Leben und Wirken zum Thema. In mehreren aktuellen deutschsprachigen Lexika sind ihm Beiträge gewidmet.
Geboren wurde Pabst am 26. September 1798 in Maar, heute hinter der Kernstadt der der Einwohnerzahl nach größte Stadtteil von Lauterbach, der Kreisstadt des mittelhessischen Vogelsbergkreises. Der Hesse war der Sohn eines Försters, der ihn nach dem Besuch der Volksschule in Maar zunächst auf die Lateinschule in Laubach und dann zur landwirtschaftlichen Ausbildung in die Obhut des Freiherrn Karl Georg von Riedesel nach Thüringen gab. Pabst fungierte anschließend als Wirtschaftsinspektor auf den Gütern seines Arbeitgebers, zog aber bereits 1821 zur weiteren Vervollkommnung nach Hohenheim, wo er an der 1818 gegründeten landwirtschaftlichen Lehranstalt unter Johann Nepomuk Hubert von Schwerz sein Fachwissen erweiterte, eine Anstellung erhielt und wegen seiner Sachkenntnis 1824 zum Ökonomierat ernannt wurde. Er war verantwortlich für die Waisenanstalt, bildete die Oberknechte aus, hielt Vorlesungen und verfasste Schriften zur Tierzucht, darunter die erste wissenschaftliche Darstellung über Rinderzucht überhaupt. Zwischendurch heiratete der Aufsteiger Sophie Kappel vom Eichhof bei Hersfeld.
Zwischen 1831 und 1839 folgte seine Darmstädter Arbeitsphase. In der damaligen Haupt- und Residenzstadt leitete er als Sekretär die Ackerbau-Gesellschaften im Großherzogtum, gab eine Fachzeitschrift und ein umfangreiches Lehrbuch zur modernen Landwirtschaft heraus und initiierte eine „Ständige Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe“, die 1837 erstmals in Dresden tagte. Außerdem war der Landwirtschaftspionier ab 1835 Mitglied der „Zweiten Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen“.
Berufung nach Preußen
Seine Sachkenntnis und seine deutschlandweite Bekanntheit trugen ihm 1839 eine Berufung durch die preußische Regierung zu verbesserten Konditionen ein. Pabst wurde neuer Direktor der Landwirtschaftsakademie in Eldena bei Greifswald, die mit der dortigen Universität eine enge Zusammenarbeit pflegte. Er reformierte die Akademiestruktur, modernisierte die Lehrangebote, verdoppelte die Schülerzahl in kurzer Zeit und wurde wegen seiner Erfolge auch noch zum Chef des Vereins zur Förderung der Landwirtschaft in Pommern gewählt. Das Berliner Ministerium war begeistert von Pabst, holte ihn 1843 nach Beförderung zum Geheimen Finanzrath und vortragenden Rath ins Ministerium, übertrug ihm die Leitung der preußischen Domänenverwaltung und berief ihn in das Landesökonomiekollegium. Der Aufsteiger stellte einige Weichen für die weitere Modernisierung der Landwirtschaft in ganz Preußen und festigte damit seinen Ruf als Landwirtschaftspionier.
Andere Länder machten ihm Angebote. Vor allem Württemberg wollte Pabst zurück. Er pokerte lange, konnte seine Bedingungen fast alle durchsetzen und kehrte 1845 als Direktor der Lehranstalt Hohenheim nach Württemberg zurück. Er erhielt den Rang eines Kollegialdirektors, wurde mit der Verleihung des Ritterkreuzes in den persönlichen Adelsstand erhoben und erhielt seinen privilegierten Platz in der Hofrangliste. Hohenheim nahm unter ihm einen Aufschwung, wurde Akademie und erregte nach vielgestaltigen methodischen und Geräteexperimenten mit vielen Publikationen deutschlandweit Aufsehen. Doch nach der Revolution von 1848/49 regierten die Sparfüchse, die den Hohenheimer Etat zusammenstrichen und den enttäuschten Pabst zum Wechsel bewogen.
Letzte Station Wien
Er nahm ein Angebot aus Wien an, entwickelte die landwirtschaftliche Lehranstalt in Ungarisch-Altenburg zur führenden Fachlehranstalt im Habsburgerreich, gründete dazu eine Fabrik für Landwirtschaftliche Maschinen und wurde nach seinen Erfolgen 1861 als Ministerialrat und Departementchef in die Haupt- und Residenzstadt Wien berufen. Er fungierte fortan im Ministerium für Handel und Volkswirtschaft mit großen Kompetenzen als Verantwortlicher für die Landwirtschaft in der riesigen Donaumonarchie. Unter Pabst ging es nach Jahren der Stagnation vorwärts. Er glänzte mit eigenen Beiträgen auf der Weltausstellung 1867 in Paris, bereitete die Versammlung der deutschen Land- und Forstleute unter seiner Regie für 1868 in Wien vor und starb am 10. Juli 1868 in Wien, kurz vor dem großen Auftritt vor dem Fachpublikum aus allen deutschen Landen. Pabst hinterließ in Württemberg, Preußen und Österreich mit vielen Fachschriften und mehreren Generationen an Jüngern ein umfangreiches Lebenswerk, erhielt in Württemberg, Preußen, Österreich und Russland hohe Ehrungen und wurde in insgesamt 49 landwirtschaftliche und Wissenschaftsgesellschaften als Mitglied berufen.