Der Kaiser- und der Donauwalzer sowie der Radetzkymarsch gehören zu den berühmtesten Musikstücken der Strauss-Dynastie, ja ganz Österreichs. Und sie alle spiegeln ein Stück weit nicht nur österreichische Geschichte.
In der Regierungszeit seiner ersten beiden Kaiser versuchte das Deutsche Reich unter dem Einfluss Reichskanzler Otto von Bismarcks sowohl mit Russland als auch mit Österreich-Ungarn befreundet zu sein. 1888 übernahm dann der dritte und letzte Kaiser das Ruder. Er entließ Bismarck, stieß Russland mit der Nichtverlängerung des Rückversicherungsvertrages vor den Kopf und konzentrierte sich auf die Freundschaft mit der Donaumonarchie, die sogenannte Nibelungentreue.
Dieses Bündnis des Deutschen Kaisers Wilhelm II. und des Kaisers von Österreich Franz Joseph I. thematisiert der Kaiserwalzer. Johann Strauss (Sohn) komponierte ihn für die Eröffnung des Berliner Konzertsaales Königsbau am 19. Oktober 1889. Ursprünglich hieß der Walzer „Hand in Hand“. Vor dem Hintergrund, dass der Habsburger den Hohenzollern in jenen Tagen in Berlin besuchte, wurde „Hand in Hand“ noch vor der Uraufführung und wohl auf Betreiben von Strauss’ neuem Berliner Verleger Fritz Simrock in „Kaiserwalzer“ umbenannt.
Unter ganz anderen Zeitumständen entstand 1866/67 der Donauwalzer. So gut die Beziehungen zwischen Berlin und Wien 1889 waren, so schlecht waren sie 1866/67. 1889 waren beide verbündet, 1866 führten sie gegeneinander Krieg. Wenn Bismarck auch bemüht war, Österreich weit entgegenzukommen, um zum einen Revanchegelüsten im geschlagenen Österreich keine Nahrung zu geben und zum anderen einen schnellen Frieden zu erreichen, der es Frankreich erschwerte, sich in die Friedensverhandlungen einzumischen, so traf Österreichs Kriegsniederlage von 1866 die staatstragenden Deutschösterreicher doch schwer. Sie verloren sowohl mit der Auflösung des Deutschen Bundes die Führung in Deutschland als auch mit dem sogenannten Ausgleich von 1867 die alleinige Führung in der Donaumonarchie. In dieser Situation war es Balsam für die geschundene Seele, das Strauss (Sohn) seinen Landsleuten zur Kompensation mit „An der schönen blauen Donau“ einen musikalischen Stimmungsaufheller schenkte.
Im Gegensatz zu den beiden vorgenannten Walzern stammt der Radetzky-Marsch von Johann Strauss (Vater) und ist denn auch knapp zwei Jahrzehnte älter. Im sogenannten Ersten Italienischen Unabhängigkeitskrieg brachte Österreich Sardinien-Piemont am 25. Juli 1848 in der Schlacht bei Custozza eine kriegsentscheidende Niederlage bei. Wien konnte seine Herrschaft in Lombardo-Venetien noch einmal verteidigen. Österreichs neuer Kriegsheld war der Generalkommandant der österreichischen Armee im lombardo-venezianischen Königreich, Feldmarschall Josef Wenzel Radetzky von Radetz.
Zu „Ehren der tapferen Armee in Italien und zur Unterstützung der verwundeten Krieger“ lud Strauss (Vater) für den nächsten Donnerstag vor 175 Jahren, den 31. August 1848, in die Parkanlagen des Wasserglacis zu einem Siegesfest. Wie von ihm vorher angekündigt, trug er bei der Gelegenheit eine Neukomposition vor: den Radetzky-Marsch.


