24.03.2026

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Folge 36-23 vom 08. September 2023 / Kampfpanzer / Mit oder ohne die Grande Nation? / Berlin hat die Wahl zwischen dem deutschen Prototypen KF51 und dem binationalen Projekt MGCS

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-23 vom 08. September 2023

Kampfpanzer
Mit oder ohne die Grande Nation?
Berlin hat die Wahl zwischen dem deutschen Prototypen KF51 und dem binationalen Projekt MGCS
Frank Bücker

Im Juni erklärte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erneut, an dem umstrittenen Projekt Main Ground Combat System (MGCS) festhalten zu wollen. Das auf Anordnung der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Entwicklung stehende französisch-deutsche Kampfpanzer-Gemeinschaftsprojekt des Leopard-Herstellers Krauss-Maffei Wegmann (KMW), des staatlichen französischen Rüstungsunternehmens Nexter Systems sowie Rheinmetalls soll erst ab etwa 2035 fertig sein. Die Zeitverzögerung ist auch auf Kompetenzstreitereien zurückzuführen. 

Bei einer deutsch-französische Kooperation auf diesem Gebiet würde sich eine deutsche Federführung insoweit anbieten, als Frankreich im Gegensatz zu Deutschland noch nie Kampfpanzer gebaut hat, die international auf dem Exportmarkt sonderlich erfolgreich gewesen wären. Andererseits tut sich die Grande Nation traditionell schwer damit, bei einer Gemeinschaftsentwicklung anderen die Federführung zu überlassen. 

Im Juni 2022 stellte Rheinmetall seine Kampfpanzerentwicklung KF51 „Panther“ auf der Rüstungsmesse Eurosatory vor. Der Prototyp könnte jederzeit in die Serienfertigung gehen. Das wäre zehn Jahre früher als das MGCS. Der KF51 „Panther“ ist neben dem russischen T-14 „Armata“ die weltweit einzige Panzerneuentwicklung. Der T-14 „Armata“ scheint aber technische Probleme zu haben, denn eine Serienfertigung ist offenbar bisher genauso unterblieben wie ein Einsatz im Ukrainekrieg. Der neue deutsche Panzer verfügt über das Rheinmetall Future Gun System, eine 130-Millimeter-Glattrohrkanone, die über eine um die Hälfte stärkere Durchschlagskraft als die 120-Millimeter-Glattrohrkanone des Leopard 2 verfügt. Der russische T-14 „Armata“ besitzt eine 125-Millimeter-Glattrohrkanone.

Der KF51 „Panther“ kommt mit nur drei Mann Besatzung – Kommandant, Fahrer und Richtschütze – aus. Ein vierter Platz kann von einem Waffen- oder Systemspezialisten eingenommen werden. Die Steuerung des Turms und der Waffen kann auch von den Plätzen in der Wanne aus erfolgen. Mit 59 Tonnen ist er leichter und damit beweglicher als der Leopard 2 mit seinen 62 bis 64 Tonnen, ganz zu schweigen von dem britischen Chalanger 3 mit 66 Tonnen. Der russische T-14 „Armata“ wiegt nur 48 Tonnen. Der KF51 „Panther“ hat zusätzlich noch vier in den Turm integrierte Starter für vier Kamikazedrohnen vom Typ Hero 120. 

Das von der Entwicklung überraschte deutsche Unternehmen KMW versucht sich derweil im Schlechtreden. Laut Ralf Ketzel, dem Chef von KMW, fußt der KF51 „Panther“ lediglich auf einem konventionellen Panzerkonzept und sei ein „Drei-D-Powerpoint-Projekt“. Zwar wünscht sich Rheinmetall die Bundeswehr als Kunden für ihren neuen Panzer, aber die deutsche Politik orientiert sich oftmals nicht an deutschen Interessen. 

Diverse NATO-Partner aus Ostmitteleuropa sollen sich aber für das Rheinmetall-Modell interessieren. Wenn Frankreich und Deutschland bis 2035 – oder länger – auf neue Kampfpanzer warten, haben vielleicht andere längst modernere Panzer angeschafft.