Zum Beginn des Schuljahres 2023/24 können laut einer Schätzung von Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) an Berlins Schulen etwa 1460 Vollzeitstellen für Lehrer nicht besetzt werden. Gegenüber dem Vorjahr, damals hatte das Defizit bei 973 Vollzeitstellen gelegen, hat sich der Lehrermangel also nochmals drastisch verschärft. Berlins Problem, genug Lehrer zu finden, kann als ein Vorzeichen für generelle Entwicklung in den kommenden Jahren gesehen werden.
Dem Land und auch den Bezirken fällt es immer schwerer, genug Personal für den öffentlichen Dienst zu finden. Derzeit arbeiten rund 130.000 Menschen für das Land Berlin oder die Bezirke. Rund 7000 Stellen sind aktuell nicht besetzt. Bis 2030 werden in Berlin allein aus Altersgründen 40.000 Mitarbeiter aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden. Wie der Senat in seinem „Personalentwicklungsprogramm 2030“ selbst einräumt, wird schon heute „eine wachsende Zahl offener Stellen nicht mehr zeitnah adäquat besetzt“. Weiter heißt es in dem Senatspapier: „Pensionierungen und steigende Aufgabenlast bringen die Verwaltung an die Grenzen der Leistungsfähigkeit.“
Um künftig genug Personal für die Verwaltung zu finden, will Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) das Land zu einem der attraktivsten Arbeitgeber der Region machen. „Die Umstände zwingen uns zum Handeln“, so der Senator bei der Vorstellung des „Personalentwicklungsprogramm 2030“.
Mit seinem Programm will der Senat unter anderem die Besetzungsverfahren in der Verwaltung verkürzen und auch die Bezahlung verbessern. Laut Evers geht es darum, „Wettbewerbsnachteile“ gegenüber privaten Unternehmen und dem Bund zu beseitigten. Dazu will der Senat das Besoldungsniveau im Land stufenweise an das des Bundes angleichen. Zudem will sich Berlin in der Tarifgemeinschaft der Länder auch dafür einsetzen, dass Zulagen für Beschäftigte leichter gewährt werden können.
Auch Brandenburg in der Klemme
Als zusätzlichen Anreiz für eine Arbeit im öffentlichen Dienst denkt der Senat der Hauptstadt sogar über die „Revitalisierung der Beschäftigtenwohnungen“ nach. Dazu kündigte Evers ein Konzept an, dass der Senat in den kommenden Wochen vorlegen will. Generell wird der öffentliche Dienst in der deutschen Hauptstadt in den kommenden Jahrzehnten mit weniger Personal auskommen müssen. Diese Entwicklung hatte der Finanzsenator bereits vor einigen Monaten, kurz nach seinem Amtsantritt, angedeutet. Um trotz einer wachsenden Bevölkerungszahl die Aufgaben zu bewältigen, soll der öffentliche Dienst nach den Vorstellungen des Senats verstärkt die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz nutzen.
Auch das benachbarte Brandenburg wird in den kommenden Jahren sehr drastisch die Folgen des demographischen Wandels zu spüren bekommen. Wie kürzlich bekannt wurde, werden Brandenburgs Kitas in den nächsten Jahren durch Verrentungen und Kündigungen in extremem Maß Personal verlieren. Prognostiziert wird, dass in den kommenden fünf Jahren jede zweite Kita-Erzieherin gehen wird. Damit fehlten rund 10.000 Erzieherinnen. H.M.


