Am 8. Januar 1973 strahlte der NDR erstmals eine Sendung aus, die sich seitdem zum Dauerbrenner entwickelt hat: Die aus den USA eingekaufte „Sesamstraße“ wird seither in Lizenz für das deutsche Kinderpublikum produziert. Millionen von Kindern haben mit Ernie und Bert, dem Krümelmonster oder dem tapsigen Samson und seiner altklugen Begleiterin Tiffy das ABC und Zählen gelernt.
Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe nimmt das Jubiläum aktuell zum Anlass, um Puppen, Kulissen und Requisiten der – deutschen – „Sesamstraße“ vorzustellen. Gleich zu Beginn grüßt die zottelige Samson-Figur die Besucher. Nachdem zuvor alle Figuren aus der US-Originalserie übernommen wurden, gehörte Samson zu den ersten rein deutschen Kreationen. Gespielt wurde die Bärenfigur von dem Puppenbauer Peter Röders, der sich in das 20 Kilogramm schwere Kostum zwängte, sich mit einem im Fell integrierten Bildschirm orientierte und bei bis zu 40 Grad Hitze so stark ins Schwitzen geriet, dass er in Pausen trockengeföhnt werden musste.
Schon im Original war die von New York inspirierte „Sesamstraße“ multikulturell und divers angelegt. In Oscar aus der Mülltonne kann man einen schwarzen Obdachlosen und in Ernie und Bert ein schwules Paar erkennen. Pädagogisch ging die vom Geist der 68er-Bewegung geprägte deutsche Version sogar noch darüber hinaus, indem sie auf antiautoritäre Erziehung setzte. Sie führte Erwachsene in die Sendung ein, mit denen die Puppen auf Du und Du standen. Die Ausstellung präsentiert die prominente Ahnengalerie, die an (Dauer-)Gäste der Sendung wie Liselotte Pulver, Uwe Friedrichsen, Dirk Bach, Manfred Krug, Anke Engelke oder Henning Venske erinnert. Auf alle Fälle ist diese Schau ein Erlebnis vor allem für Kinder, die an einer Puppenbaustation selbst kreativ werden können.
„Sesamstraße. 50 Jahre Wer, Wie, Was!“, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, Hamburg, geöffnet bis 7. Januar 2024 täglich außer montags, Eintritt: 14 Euro, unter 18 Jahren frei.
www.mkg-hamburg.de