24.03.2026

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Folge 36-23 vom 08. September 2023 / Umwelt und Gesundheit / Die drei Mythen um die Bio-Nahrung / Warum „Öko-Kühe“ mehr CO₂ freisetzen als konventionell gehaltene und warum Fleischkonsum zu Unrecht verdammt wird

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-23 vom 08. September 2023

Umwelt und Gesundheit
Die drei Mythen um die Bio-Nahrung
Warum „Öko-Kühe“ mehr CO₂ freisetzen als konventionell gehaltene und warum Fleischkonsum zu Unrecht verdammt wird
Wolfgang Kaufmann

Fleisch ist ungesund und schlecht für das Klima beziehungsweise die Umwelt. Dieser Satz wird derzeit gebetsmühlenartig wiederholt, um unser aller Essverhalten umzuprogrammieren. Dabei bringen die Verfechter einer vegetarischen oder gar veganen Lebensweise immer wieder drei moderne Mythen ins Spiel, die ihrer Argumentation Nachdruck verleihen sollen.

Mythos Nummer Eins ist die angeblich besondere Umweltschädlichkeit von konventionell produziertem Fleisch. Denn wie aus einer Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg hervorgeht, fällt der „ökologische Fußabdruck“ von Bio-Fleisch deutlich größer aus als der von herkömmlichem Fleisch: So stehen 21,7 Kilogramm sogenannter CO₂-Äquivalente pro Kilogramm Bio-Rindfleisch 13,6 Kilogramm freigesetzter Treibhausgase pro gleicher Menge an normalem Fleisch gegenüber. Das liegt daran, dass die Tiere der Bio-Bauern länger leben, wodurch natürlich der Bedarf an Stallflächen, Energie und so weiter steigt. Andererseits wird dem Tierwohl tatsächlich mehr Rechnung getragen.

Mythos Nummer Zwei lautet, die Fleischherstellung „verschlinge“ Unmengen kostbaren Wassers. Dabei berufen sich die Fleischgegner in aller Regel auf eine Studie von Mesfin Mergia Mekonnen von der Universität von Nebraska und Arjen Hoekstra von der Universität Twente in den Niederlanden aus dem Jahre 2010. Darin heißt es, die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch erfordere insgesamt 15.415 Liter Wasser. Das ist jedoch nur „virtuelles Wasser“, welches nicht auf Nimmerwiedersehen aus dem Kreislauf der Natur verschwindet. 

Beispielsweise ging in die Berechnungen von Mekonnen und Hoekstra auch das viele Nass ein, das die Wiesen zum Wachsen bringt, auf denen Rinder weiden. Daher könnte man dem Gras ebenso wie der Kuh vorwerfen, es würde Wasser „verbrauchen“. Denn Gras wächst bekanntlich auch dort, wo keine Nutztiere stehen. Oder anders ausgedrückt: Selbst Wälder und Naturschutzgebiete benötigen Wasser – nur dass bislang noch niemand auf die absurde Idee gekommen ist, diese abzuschaffen, um den Planeten zu retten. Realistisch gerechnet erfordert die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch lediglich rund 450 Liter Wasser, beispielsweise für Reinigungszwecke.

Und dann wäre da noch der Mythos Nummer Drei, dem zufolge der Fleischverzehr der Gesundheit schade. Eine im „International Journal of General Medicine“ veröffentlichte aktuelle Studie von fünf Wissenschaftlern aus Australien, Polen, Italien und der Schweiz um Wenpeng You und Renata Henneberg auf der Grundlage von Daten aus 172 Ländern zeigt sehr eindeutige statistische Zusammenhänge zwischen hohem Fleischkonsum und hoher Lebenserwartung, während die bevorzugte Aufnahme von Kohlehydraten das Leben offenbar geringfügig verkürzt. So liegt etwa Hongkong bei der durchschnittlichen Lebenserwartung mit 85,5 Jahren global an erster Stelle. Gleichzeitig vertilgen die Einwohner der Stadt bemerkenswerte 356 Gramm Fleisch pro Kopf und Tag, was ebenfalls Weltspitze ist.