26.03.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 36-23 vom 08. September 2023 / Leserforum

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-23 vom 08. September 2023

Leserforum

Couragierte Publizisten

Zu: „Dieses Land hat sich von der Realität verabschiedet“ (Nr. 34)

Schon die Überschrift sagt zutreffenderweise alles aus, was hierzulande momentan schiefläuft. Couragierte Publizisten wie Henryk M. Broder und Reinhard Mohr, welche heute politische und gesellschaftliche Absurditäten aufs Korn nehmen, werden von den Mainstream-Medien zunehmend nach „rechts“ geschoben und gescholten. 

Galt Kritik am Herrschaftsgeist noch vor 30 Jahren als „links“, so sind es heute die „Revoluzzer“ von gestern, die jede Kritik an ihrem Politikstil ablehnen und sogar fürchten. Die Satire im „Staatsfunk“ ist (leider) zu einem Sprachrohr des „grünen“ Zeitgeists geworden, um oppositionelle und konservative Standpunkte als lächerlich darzustellen. Broder und Mohr aber sind immun gegenüber dem Konformismus der Neuzeit. Sie prangern die Zustände und Verantwortlichen an, und nehmen kein Blatt vor den Mund. 

Schon lange hat sich die jeweilige Regierung mit kreativen Umdeutungen (Sondervermögen = Schulden) eine gute PR verschafft, wobei auch die Hofberichterstattung der meisten Medien dem beitrug. Anhand einfacher Beispiele wie dieser erreichen Broders und Mohrs Kritik am Zeitgeist auch den einfachen Bürger, ohne dabei jedoch auf das Niveau der Boulevard-Presse sinken zu müssen. 

Selbst wenn heute eine „rechte“ Regierung im Amt wäre, so würden diese beiden anecken. Denn diese vertreten keine Partei oder Ideologie, sondern sie sprechen das aus, was der gesellschaftliche und politische Widerspruch ist.

Marcel Jacobs, Berlin






unwürdiges Theater

Zum Wochenrückblick: In der Suhle (Nr. 35)

Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung. Das wird sich vielleicht jetzt Hubert Aiwanger, oft auch Hubsi genannt, denken. Aber das hat er sich selbst zuzuschreiben. Wer auf der braunen Fäkalienspur so ekelhaft ausrutscht wie Hubsi, hat in der Politik nichts mehr zu suchen. Zu dieser Erkenntnis sollte Aiwanger schnellstmöglich kommen und die Bühne der bayerischen Landespolitik verlassen. Es würde der Demokratie nur guttun.

Enttäuscht hat aber auch wieder einmal sein Kabinettschef Markus Söder. Der Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende war ja erst vor kurzer Zeit selbst durch die Hoffotografenaffäre mit seinen Bildern für rund 180.000 Euro pro Jahr in den Negativschlagzeilen. 

Und was passiert jetzt? Söder windet sich fast noch mehr als Hubsi. Er versucht wortreich und mit viel Aktionismus über die nahenden Landtagswahlen zu kommen, um seine Wahlchancen nicht zu schmälern. Das ist zwar typisch für wandlungsfähige Politiker mit einer großen schauspielerischen Fähigkeit zur Selbstdarstellung, dient aber nur dem eigenen Machterhalt und nicht der Sache. So war auch der Fragenkatalog an Aiwanger nur eine Lachnummer. Die konnte Hubsi in Ruhe mit den besten Juristen beantworten und so sicherstellen, dass dabei garantiert nichts herauskam.

Fazit: Stoppt diese weiß-blaue Flugblattshow, die nur einen bösen Schatten auf Bayern wirft! Dieses unwürdige Aiwanger-Theater haben die Menschen nicht verdient.

Claus Reis, Schwabach






Schädliche Sprachreform

Zu: „Ein Vierteljahrhundert Rechtschreibung gegen das Volk“ (Nr. 30)

Ergänzend zu Thomas Paulwitz’ hervorragendem Artikel ist zu erwähnen: Bereits 1997, ein Jahr nach der Einführung der Reform in Rheinland-Pfalz, veröffentlichte Werner H. Veith von der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz eine detaillierte Untersuchung der neuen Regeln unter der Überschrift „Das wahre Gesicht der Reform“.

Sehr früh war also schon abzusehen, dass die Rechtschreibreform den Sprachbenutzern, wenn keine Rücknahme der Reform erfolgte, großen Schaden zufügen würde. Nicht nur das: Die Rechtschreibreform bereitete der knapp ein Jahrhundert (1901 bis 1996) geltenden leserfreundlichen Einheitlichkeit der Orthographie des deutschen Sprachraums ein jähes Ende.

Am faszinierendsten an der Rechtschreibreform ist aber womöglich folgendes: Wer das erste Jahrzehnt der Rechtschreibreform (1996 bis 2006) in die Zukunft extrapoliert und auf andere Felder der Politik übertragen hat, findet sich in der Bundesrepublik des Jahres 2023 wieder. Das ist das Land der fortgesetzten „Euro-Rettung“, der „Klima-Rettung“, der „Flüchtenden“-Rettung und – nunmehr – der Gender-Sprachpolitik. 

Ideologie, Ignoranz, Inkompetenz, persönliche Vorteilnahme, all das war bereits für die Schreibreform kennzeichnend, heute ist all das allgegenwärtig. Der Hauptunterschied zu dem Jahrzehnt von 1996 bis 2006 besteht darin, dass heute die Politik Züge eines säkularen Messianismus aufweist, bei dem die Hohen Priester des heutigen Religionsersatzes zu manichäisch aufgeladenen Dogmen und Tabus greifen, um ihre Ziele durchzusetzen. Das war beim Durchdrücken der Rechtschreibreform eher nur in Ansätzen der Fall. 

Otto Frhr. Hiller v. Gaertringen, Bitburg






Ein Experimentierfeld

Zu: „Ein Vierteljahrhundert Rechtschreibung gegen das Volk“ (Nr. 30)

Im März 1998 waren für Beratung und Beschlussfassung über die künftige Rechtschreibung im Bundestag 30 Minuten vorgesehen. Von 672 Abgeordneten waren nur etwa an die 50 anwesend. Man darf daraus schließen, dass den allermeisten Volksvertretern das Kulturgut „Deutsche Sprache“ im Grunde „wurscht“ war, wie wir in Bayern sagen.

Von der gleichen Wurschtigkeit zeugt eine Begebenheit, die der Dichter Reiner Kunze in seiner Denkschrift „Die Aura der Wörter“ berichtet: „Ein Ministerpräsident, den ich nach seiner Meinung über die Rechtschreibreform fragte, sagte mit sympathischer Offenheit: ,Herr Kunze, ich habe keine Ahnung, worum es da geht‘ ... Wenige Tage später ließ unser Gesprächspartner vor den Mikrofonen der Ministerpräsidentenkonferenz keinen Zweifel daran, dass die von den Kultus-ministern beschlossene Rechtschreibreform allen Einwänden standhalte.“ 

Weiter zitiert Kunze aus einer Rede vor dem Bundestag: „Nicht um die Neuregelung der Rechtschreibung geht es in Wahrheit. Es geht um die Frage, ob diese Gesellschaft veränderungsfähig und veränderungswillig ist ... Was soll erst geschehen, wenn es wirklich ernst wird mit Veränderungen in Deutschland?“

Auf den ersten Blick könnte man glauben, diese Sätze stammten von der grünen Veränderungspostulantin Katrin Göring-Eckardt. Irrtum! Sie stammen von Hans Joachim Meyer, seinerzeit CDU-Kultusminister in Sachsen. Er ließ damit die schwarze Katze aus dem Sack und erweckt so den Verdacht, dass die Rechtschreibreform auch als Experimentierfeld für spätere Ziele und Maßnahmen gedacht war.

Edelbert Breu, Sulzbach-Rosenberg 






Was Bismarck getan hätte

Zu: Wie hältst Du’s mit den Bündnissen? (PAZ-Online 27.7.)

Wenn der AFD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland gesagt hat, Bismarck hätte sich für die NATO ausgesprochen, so kennt er anscheinend Bismarck nicht genügend: Bismarck hat ausdrücklich vor einem Krieg gegen Russland gewarnt und die Nähe zu Russland gesucht.

Gegenwärtig kann ich mir nicht vorstellen, dass die Machtelite der USA einem Austritt der Bundesrepublik aus der NATO oder der Umgestaltung der EU zustimmt.

Paul Emsheimer, Hamburg