Die Barockmusik füllt wieder das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth, während des vierten Festivals Bayreuth Baroque, das noch bis zu diesem Wochenende läuft. Zur Eröffnung sah das Publikum das Dramma per musica „Flavio, Re de’ Longobardi“ von Georg Friedrich Händel aus dem Jahr 1722, als der aus Halle an der Saale stammende Komponist die britische Royal Academy of Music leitete.
Das Stück spielt zu einer mythischen Zeit, als Flavio, der König der Langobarden, gelangweilt von seiner Frau und den Mätressen, sich in Teodata, die Tochter seines Ratgebers Ugone, verliebt. Das Streben des Herrschers nach dem Mädchen verursacht eine Reihe von Unglücken: Die Eifersucht trennt zwei alte Freunde, ihre Kinder lösen die Verlobung auf, es kommt zu einem Verbrechen. Die Oper endet jedoch glücklich mit der Hochzeit der zwei verliebten Paare.
Die Regie führt der künstlerische Leiter des Festivals Max Emanuel Cenčić, der ebenfalls eine der Hauptrollen darstellt. Neben den Sängern erscheinen auf der Bühne insgesamt 15 Schauspieler und Statisten. Der Zuschauer hat jedoch keinen Eindruck, dass die Bühne überladen ist, und er langweilt sich keinen Moment lang. Selbst die Erotik dosiert man hier unaufdringlich und witzig, vor allem durch das vorhangverhangene, aber eindeutig wackelnde königliche Himmelbett.
Wenn es um Gesang geht, treten die Countertenöre in den Vordergrund. Der technisch hervorragende und emotional ausdrucksstarke Cenčić unterhält und bewegt, vor allem in der Arie „Amor, il mio penar“. In der Rolle des launischen Königs Flavio ist der Franzose Rémy Brès-Feuillet zu erleben, der mit einer gewissen Lässigkeit singt.
Bei den Damen glänzt die russische Sopranistin Julija Leschnewa (Emilia). Ihre ausgedehnten Kadenzen, die sie je nach Stimmung mit Lachen oder Weinen schmückt, dienen nicht der Angeberei, sondern entsprechen dem Bühnengeschehen. Die Altistin Monika Jägerová (Teodata) schuf eine amüsante Figur in der Art von Molières Dienstmädchen. Am Dirigentenpult steht Benjamin Bayl, der das Orchester Concerto Köln leitet.
Besonders begeistert war das Publikum von Valer Sabadus, der sein eigenes Konzert am 8. September gab. Der Countertenor-Virtuose, begleitet vom polnischen {Oh!} Orkiestra Historyczna, präsentierte Stücke aus Opern von Carl Heinrich Graun (1704–1759), dem Hofkomponist des preußischen Königs Friedrich der Große. Sabadus sang alle Koloraturen technisch perfekt und mit Hingabe. Die Arie „Misero Pargoletto“ aus der Oper „Demofoonte“ erklang sehr emotional, und der Sänger führte sie wieder als die dritte Zugabe auf. Ähnlichen Beifall wie Sabadus erhielten Pastuszka und ihr Ensemble, die Grauns Werke mit Präzision und Wucht zugleich spielten.
Am Sonntag beschließt die letzte Aufführung des „Flavio“ das diesjährige Barockfestival.
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