Robert Eduard Prutz stammte aus Stettin, erlangte einst als liberaler Herausgeber, Übersetzer, Schriftsteller und Literaturhistoriker deutsche Bekanntheit und erlebte wegen seiner gesellschaftskritischen Haltung viele Einschränkungen. Aus seinem produktiven Schaffen ragen vor allem seine politische Lyrik, Bühnenstücke wie die Komödie „Die politische Wochenstube“, die zu den herausragenden politischen Satiren des Vormärz zählt, und seine literaturwissenschaftlichen Arbeiten heraus. Er wurde durch Alexander von Humboldt gefördert, orientierte sich in seiner historischen Betrachtungsweise an Starautoren wie Charles Dickens und verarbeitete geschichtliche Ereignisse wie den schlesischen Weberaufstand.
Doch Prutz erlebte erst im Alter durch die Deutsche Schillerstiftung als „Pensionär auf Lebenszeit“ eine größere gesellschaftliche Anerkennung. Später befassten sich sogar Literaturwissenschaftler mit seinem Schaffen.
Prutz wurde am 30. Mai 1816 in Stettin geboren. Er entstammte einer Kaufmannsfamilie. Als Mutter ist Karoline Spielberger überliefert. Sein Vater arbeitete sich vom einfachen Fischersohn aus Messenthin in Pommern zum Holz- und Weinhändler in Stettin empor, schied aber 1826 per Freitod aus dem Leben. Das sorgte bei den Hinterbliebenen für starke finanzielle Einschränkungen.
Sein Sohn absolvierte zunächst das Marienstift-Gymnasium in seiner Vaterstadt, beschäftigte sich schon als Schüler mit der Philosophie von Georg Wilhelm Friedrich Hegel und verfasste nebenbei erste Gedichte. Nach dem Tod seiner Mutter schickte ihn sein Vormund zum Studium der Klassischen Philologie nacheinander nach Berlin, Breslau und Halle.
In Halle schloss er sich nach seiner Promotion dem Kreis der Junghegelianer um Arnold Ruge an, an dessen „Hallischen Jahrbüchern“ er mitwirkte. Parallel veröffentlichte der Stettiner eigene Gedichte im „Musenalmanach“ von Adelbert von Chamisso, dessen humoristische Ader ihn zu eigenen Satiren anregte. So schrieb er über manche Liberale in seinem Umfeld 1845: „Die bei schwelgerischen Mahlen / Bei gefüllten Festpokalen / Turm der Freiheit sich genannt / Und die doch um einen Titel / Zensor werden oder Büttel / Oder gar ein Denunziant.“ Doch nachdem er ganz offen mehr Freiheit und die Konstitution gefordert sowie mit Georg Herwegh, dem revolutionären Dichter des Vormärz, Freundschaft geschlossen hatte, wurde Prutz von der Obrigkeit als „Aufwiegler“ betrachtet.
Friedlicher Wandel statt Gewalt
Das hatte Folgen. Seine zwei Habilitationsversuche wurden nacheinander in Halle und Jena abgelehnt. Doch Prutz, der inzwischen mit Ida Blöde, einer Finanzratstochter aus Dresden verheiratet war, machte aus der Not eine Tugend. Er arbeitete fortan als freier Schriftsteller, brachte ein literaturhistorisches Taschenbuch in sechs Bänden heraus, das 1975 eine Neuauflage erlebte, und schrieb vier historische Dramen sowie seine satirische Komödie „Die politische Wochenstube“, die die Zensurbehörde zu echter Verfolgung des Autors veranlasste. Angesichts der Veröffentlichungs- und Aufführungsverbote wich Prutz 1847 ins liberalere Hamburg aus, wo er zwei Monate als Dramaturg wirkte. Die Revolution 1848 erlebte er jedoch als Beobachter.
Der Autor verabscheute Gewalt und trat für einen friedlichen Wandel ein. Das trug ihm die Mitarbeit im „Konstitutionellen Klub“ in Berlin ein und die Unterstützung durch Gesinnungsfreunde wie Alexander von Humboldt, der ihm 1849 eine Berufung zum Professor für Literaturgeschichte in Halle vermittelte. Das war für ihn ein Neuanfang.
Prutz hielt neuartige Vorlesungen zur Literaturgeschichte, galt bald als „Fahnenträger der Hallenser liberalen Jugend“ und hielt sich in der politischen Dichtung zurück. Stattdessen glänzte er mit literaturhistorischen Arbeiten, die durch ihre historische Betrachtungsweise methodologisch richtungweisend wurden, gründete mit Wilhelm Wolfsohn „Das Deutsche Museum“, Zeitschrift für Literatur, Kunst und öffentliches Leben, und versuchte sich zudem an historischen Romanen sowie Dramen. Größere Bedeutung erlangte davon lediglich „Das Engelchen“ mit einer sozialen Note. Prutz blieb wegen der Zensur vorsichtig. Zum Misstrauen der Königstreuen gesellten sich Krankheiten, die ihn 1859 zum Rücktritt in Halle und zur Rückkehr in seine Vaterstadt Stettin bewogen, wo er fortan, so es die Kräfte noch zuließen, als freier Autor wirkte.
Es waren nun unpolitische Schöpfungen, wie „Aus Goldenen Tagen“, „Herbstrosen“, „Stimmen der Liebe“ und „Buch der Liebe“. Nachdem Prutz am 21. Juni 1872 an den Folgen des zweiten Schlaganfalls in Stettin gestorben war, widmete ihm seine Vaterstadt auf dem Friedhof ein überlebensgroßes Denkmal.
Neben seinem Lebenswerk und seiner Witwe hinterließ er zwei Söhne und zwei Töchter. Sohn Hans war später Geschichtsprofessor in Königsberg. Nach 1961 gab es Neuausgaben seiner Arbeiten inklusive einer verstärkten literaturwissenschaftliche Beschäftigung seines literarischen Werks.