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Folge 38-23 vom 22. September 2023 / Armenien / Unerwünschte Relativierung / Rabbinerkonferenz verurteilt Armenier wegen Holocaust-Rhetorik – Dabei droht ein neuer Völkermord

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-23 vom 22. September 2023

Armenien
Unerwünschte Relativierung
Rabbinerkonferenz verurteilt Armenier wegen Holocaust-Rhetorik – Dabei droht ein neuer Völkermord
Bodo Bost

Die armenische Führung wurde von prominenten Rabbinern kritisiert, weil sie in Interviews und Erklärungen das Aushungern der armenischen Exklave Berg-Karabach durch Aserbaidschan mit dem Holocaust verglichen hatte. Der Staat Israel pflegt gute Beziehungen zu Aserbaidschan, das seit neun Monaten die Armenier in Berg-Karabach aushungert.

In einem Schreiben vom 6. September, das 50 hochrangige Rabbiner aus 20 europäischen Ländern unterzeichnet haben, wurde die Verwendung von Holocaust-Rhetorik durch Armenien gegenüber dem Nachbarland Aserbaidschan scharf verurteilt. In dem Brief erklären die jüdischen Geistlichen, dass „Ausdrücke wie Ghetto, Völkermord, Holocaust und andere (...) unangemessen sind, um bei politischer Auseinandersetzung verwendet zu werden“.

Das Schreiben richtete sich insbesondere an den armenischen Premierminister Nikol Paschinjan und Präsidenten Wahagn Chatschaturjan. Die armenische Führung ist zunehmend besorgt um die humanitäre Lage in der armenisch besiedelten Exklave Berg-Karabach, die seit neun Monaten von Aserbaidschan aus komplett von jeglicher Versorgung abgeschnitten wird. Paschinjan verglich die von den Nazis errichteten Ghettos für Juden mit dem, was die Aserbaidschaner in der umstrittenen Region getan haben: „Die Aserbaidschaner haben wie im Holocaust in Berg-Karabach ein Ghetto geschaffen, im wahrsten Sinne des Wortes“, sagte Paschinjan. 

Der Brief der Rabbiner befasste sich jedoch nicht nur mit diesem einen Thema, denn die anwesenden Rabbiner brachten auch ihre Besorgnis über die armenisch-iranischen Beziehungen zum Ausdruck. In dem Brief heißt es, dass der Iran „ein Land ist, das unaufhörlich und öffentlich zur Zerstörung des einzigen jüdischen Landes der Welt aufruft“.

Die Rabbiner bitten darum, dass „das schreckliche menschliche Leid, das das jüdische Volk erlitten hat“, vom armenischen Volk anerkannt und geehrt wird. Sie baten Armenien auch darum, „das Ausmaß des Leidens des jüdischen Volkes nicht länger zu verharmlosen, um politische Interessen zu fördern, indem sie unaufhörlich Phrasen verwenden, die mit dem vom jüdischen Volk erlittenen Holocaust in Verbindung stehen“.

Dass sowohl der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew als auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan mehrmals die Vollendung des Völkermords von 1915 angedeutet haben, verschweigen die Rabbiner. Auch verschweigen sie, dass auch Nicht-Armenier, wie der ehemalige Chefankläger des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, Luis Moreno Ocampo, die Lage in Karabach mit einem Völkermord vergleicht.

Was die Rabbiner ebenso verschweigen, ist die Tatsache, dass Armenien seit seiner Unabhängigkeit 1991 den Holocaust anerkannt hat. Im Gegensatz dazu hat Israel den armenischen Völkermord zwischen 1915 und 1921, bei dem vermutlich 1,5 Millionen Armenier im Osmanischen Reich zu Tode gehungert wurden oder in der Wüste verdursteten, bisher anerkannt. Dieser in Armenien als „Aghet“ bezeichnete Völkermord wurde von Dutzenden von Staaten als solcher anerkannt, nur nicht von der Täternation, der Türkei, und auch nicht von Israel, obwohl Israel selbst Opfer eines Völkermords, dem Holocaust, wurde.

Armenien hat Israel mehrmals aufgefordert diesen Schritt zu tun, was es aber mit Rücksicht auf seine guten Beziehungen zu Aserbaidschan nicht tut.

Israel ist einer der Hauptwaffenlieferanten von Aserbaidschan, mit denen dieses Land mithilfe der Türkei 2020 Armenien angegriffen hat und es so erst zur heutigen Situation einer von Aserbaidschan eingeschlossenen Exklave in Berg-Karabach, die mehrheitlich von Armeniern bewohnt wird, gekommen ist. 

In Armenien wird die Lage in Berg-Karabach, wo 120.000 Menschen, darunter 30.000 Kinder, dem Hungertod nahe sind, mit der Lage der Armenier in Musa Dagh verglichen. 1915 hatten sich auf dem Berg Musa Dagh im Süden der heutigen Türkei 5000 Armenier monatelang 10.000 türkischen Soldaten widersetzt, die sie in die mesopotamische Wüste treiben wollten, bis ein französisches Kriegsschiff vom Meer aus die Türken vertrieb und die Armenier rettete. Bekannt gemacht hatte diese Geschichte in den 1930er Jahren der heute als Held in Armenien verehrte deutsch-jüdische Schriftsteller Franz Werfel mit seinem Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“.

Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat Dutzende Armenier und armenisch-stämmige Personen, darunter auch die Familie des französischen Sängers und Schauspielers Charles Aznavour, die während des Holocaust in Frankreich Juden versteckt und gerettet haben, mit dem Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Türken oder Azeris, die Einwohner Aserbaidschans, finden sich nicht auf der Liste von Yad Vashem.