04.02.2026

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Folge 38-23 vom 22. September 2023 / Reformation / Erste evangelische Predigt im Königsberger Dom / Der Theologe Johann Briesmann – Vor einem halben Jahrtausend führte er die lutherische Lehre im Ordensstaat mit ein

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-23 vom 22. September 2023

Reformation
Erste evangelische Predigt im Königsberger Dom
Der Theologe Johann Briesmann – Vor einem halben Jahrtausend führte er die lutherische Lehre im Ordensstaat mit ein
Martin Stolzenau

Albrecht von Brandenburg-Ansbach aus dem Hause Hohenzollern fungierte seit 1511 als Hochmeister des Deutschen Ordens und litt unter den drückenden Bedingungen der 1521 ausgehandelten neuen Waffenstillstandsvereinbarungen mit dem übermächtigen Nachbarn Polen. Deshalb suchte er auf einer Reise Unterstützung bei verschiedenen deutschen Reichsfürsten – erfolglos. 

Parallel erschloss er sich die Schriften Martin Luthers, mit dem er sich heimlich traf, um dessen Rat einzuholen. Der Reformator riet ihm, „er möge die thörichte und verkehrte Ordensregel bei Seite werfen, in den Ehestand treten und den Ordensstaat in einen weltlichen Staat verwandeln“. Albrecht folgte diesem Rat. Luther schickte dem neuen Verbündeten evangelische Prediger, „evangelische Tractate“ und weitere Ratschläge. 

Einer der ersten Luther-Vertrauten, die im Ordensland für die Verbreitung des Luthertums sorgten, wurde vor einem halben Jahrtausend Johannes Briesmann. Der vormalige Franziskaner aus Cottbus genoss das besondere Vertrauen des Reformators aus Wittenberg und spielte in der Folge als Luthers rechte Hand in Preußen bei der Konsolidierung des neuen Herzogtums im lutherischen Glauben eine Schlüsselrolle.

Anfänge als Franziskaner

Briesmann wurde am 31. Dezember 1488 in Cottbus geboren. Er entstammte einer angesehenen Bürgerfamilie der Stadt. Sein Großvater ist als Zweiter Bürgermeister überliefert. Auch der Vater hatte städtische Ämter inne. Sohn Johannes war für die kirchliche Laufbahn vorgesehen. Doch der kirchliche Prunk und die Pfründewirtschaft der Kirchenoberen stießen ihn schon in der Jugend ab. Deshalb verwundert es nicht, dass Briesmann 1510 dem Orden der Franziskaner beitrat. Der Orden, der von Franz von Assisi gegründet worden war, der das Armutsideal verkörperte und als erster Bettelorden gilt, hatte in Cottbus einen wichtigen Stützpunkt für die Lausitz. 

Briesmann wurde im Orden religiös ausgebildet, studierte ab 1518 in Frankfurt an der Oder unter Konrad Wimpina hauptsächlich Theologie und erlebte 1519 als Zuhörer die berühmte Leipziger Disputation, in der Martin Luther seine Ansichten verteidigte. Der Mann aus Cottbus wurde Lutheraner, setzte sein Studium nun in Wittenberg unter Luther fort und promovierte in der Lutherstadt zum Doktor der Theologie. Er wurde anschließend von der Theologischen Fakultät als Lehrkraft übernommen. 

Schon während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg kam es zur sogenannten Wittenberger Bewegung, die Veränderungen einleitete, die teilweise über die Absichten des Reformators hinausgingen. Das reichte von der „Bilderstürmerei“ bis zur Ausweisung Briesmanns wegen dessen Zugehörigkeit zu den Franziskanern. Der Ausgewiesene kehrte nach Cottbus zurück, wo er mit seiner lutherischen Agitation und der lutherischen Schrift „Unterricht und Ermahnung“ für beträchtliches Aufsehen sorgte. Doch lange blieb Briesmann nicht in seiner Vaterstadt. Luther sorgte noch Ende 1522 für die Rückkehr nach Wittenberg.

Luthers Mann für Albrecht

 Der Reformator hatte inzwischen die Wogen in seiner Hochburg geglättet und wählte Briesmann unter seinen Anhängern als Hilfe für den Hochmeister Al­brecht aus. Nach kurzem Briefwechsel mit Königsberg wechselte der Lutherjünger im Juni 1523 nach Preußen, wo er vom Hochmeister und dessen Bischof Georg von Polenz, der ebenfalls mit der Neuen Lehre sympathisierte, schon erwartet wurde. Man stimmte sich ab und handelte. Albrecht nahm die politische Umwandlung des Ordensstaates in ein Herzogtum in Angriff. Briesmann und Polenz betrieben dafür die Einführung der lutherischen Lehre. 

Vor einem halben Jahrtausend, am 27. September des Jahres 1523, hielt der Luther-Vertraute seine erste öffentliche Predigt. Weitere folgten. Sie waren nach Berichten von Zeitgenossen überaus geistvoll und überzeugend, sorgten für einen Massenansturm und begleiteten die Säkularisation des Ordensstaates. Briesmann leitete Mitstreiter an, entwickelte in Anlehnung an sein Wittenberger Vorbild ein 110-Thesen-Papier, das sich mit der Freiheit des Christenmenschen befasste, und erhielt aus Wittenberg Prediger-Verstärkung. Sie reichte von Paul Speratus bis zu Johann Poliander.

Nun ging es Schlag auf Schlag. Al­brecht erklärte den Ordensstaat zum weltlichen Herzogtum und führte noch 1525 die neue Lehre offiziell ein. Briesmann erarbeitete mit Polenz eine neue Kirchenordnung, wurde Mitglied des Regierungskollegiums und heiratete als erster evangelischer Prediger des Herzogtums. Seine Ehefrau wurde die vorherige Äbtissin des Marienklosters Löbenicht bei Königsberg. Ab 1527 sorgte er von Riga aus als Domprediger für die Durchsetzung der Reformation in Livland. Nach seiner Rückkehr nach Königsberg war er in vielen Führungsämtern tätig. Er überarbeitete seine erste Kirchenordnung für Preußen, gehörte zu den Vätern der neuen Königsberger Universität und lehnte lukrative Angebote aus dem Reich ab. Er wollte sein Werk in Preußen vollenden. 

Doch die Dauerbeanspruchung forderte ihren Tribut. Briesmann erkrankte über die auch in Preußen aufkommenden Richtungsstreitigkeiten und wurde dann ein Opfer der Pest. Er starb am 1. Oktober 1549 in der Pregelmetropole und erhielt im Chor des Königsberger Doms seine letzte Ruhestätte.