Friedrich Melchior Reichsfreiherr von Grimm stammte aus Regensburg, hatte eine bürgerliche Herkunft und machte nach erster Tätigkeit in Deutschland als Hofmeister sowie Reisemarschall in Frankreich eine steile Karriere.
In vierzigjähriger Pariser Tätigkeit als höfischer Sekretär, Diplomat und Essayist entwickelte sich Grimm zum gefragten Briefpartner kulturinteressierter europäischer Herrscher. Dabei entstanden seine berühmten „Correspondance litteraire“ (CL), ein „spezifisches Medium intellektueller Kommunikation im enzyklopädistischen Sinne“, die durch ihre Beschränkung auf einen ausgewählten privaten Empfängerkreis die Zwänge der Zensur umgingen und sehr realitätsnah die vorrevolutionäre Zeit in Frankreich beleuchten.
Geheime Lageberichte eines glanzvollen Stilisten
Grimms „Geheim-Publizistik“ weist ihn als glanzvollen Stilisten, als zuverlässigen Essayisten und als scharfsinnigen Kritiker aus. Das erhebt seine Kommentare zu inzwischen unverzichtbaren historischen Quellen zur Geistes-, Kultur- und Sozialgeschichte Frankreichs. Die „CL“ gelten international als ein Eckpfeiler der Aufklärungsforschung.
Grimms Briefe wurden von ihren Empfängern – die von der Zarin Katharina der Großen über Friedrich den Großen bis zum Herzog von Sachsen-Gotha reichten – regelrecht verschlungen. So informierten sich die gekrönten Häupter Europas aus erster Hand über das Geschehen in Paris und ganz Frankreich. Über den Gothaer Hof hatte auch Johann Wolfgang von Goethe in Weimar Zugang zu den Vertraulichkeiten und war so immer bestens informiert. Ganz besonders enge Beziehungen entwickelte der herausragende Essayist Grimm zu den Höfen in St. Petersburg und Gotha. Seine Verdienste als Diplomat und vor allem als vertrauenswürdiger Informant trugen ihm viel Geld, den Reichsadel und 1777 den Titel eines Reichsfreiherrn ein.
Die Wiege des späteren Aufsteigers stand jedoch nicht in Paris und auch nicht in Gotha, sondern in Regensburg. Hier wurde Grimm ganz bürgerlich als Sohn eines Pfarrers 1723 geboren. Seine Mutter war ebenfalls eine Regensburger Pfarrerstochter. Auch sein älterer Bruder Ulrich Wilhelm schlug die Theologenlaufbahn ein und fungierte dann in Regensburg als Superintendent.
Kindheit in einem Pfarrhaus
Doch Friedrich Melchior entwickelte schon früh ein großes Interesse für die Literatur. Er las viel, griff bereits als Gymnasiast selbst zur Feder, verfasste erste Gedichte und trat in Kontakt zu Johann Christoph Gottsched, dem „Literaturpapst“ seiner Zeit. Nach Abschluss des Regensburger Gymnasiums studierte Grimm ab 1742 als Stipendiat seiner Vaterstadt in Leipzig, der Wirkungsstätte Gottscheds, Recht, Geschichte und vor allem Literatur. Neben Gottsched gehörte auch Johann August Ernesti zu seinen Lehrern.
Nach der Promotion fungierte Grimm zunächst in Regensburg als Hauslehrer und dann als Reisebegleiter für adelige Schüler. So kam er 1748 mit Gottlob Ludwig von Schönberg nach Paris, wo er seine Sprachkenntnisse vervollkommnete und sich als Vorleser sowie Sekretär schnell wichtige Kontakte zu Geistes- wie Adelsgrößen erschloss. Die diesbezügliche Palette reichte von Rousseau über Diderot, Voltaire, d`Alembert sowie Holbach bis zu Helvétius. Hinzu kamen die Liaison mit Louise d`Epinay sowie die Sekretärstätigkeit für den mächtigen Herzog von Orléans. Damit saß er gewissermaßen an der Quelle für wichtige Informationen.
Da die literarischen Schöpfungen aus seiner Feder in Deutschland nicht die erhoffte Resonanz fanden, verlegte sich der einfallsreiche Wahl-Pariser auf die Berichterstattung über Kunst und Literatur aus der französischen Hauptstadt. Mit seiner Streitschrift im Pariser Opernstreit und der Parteinahme für die italienische Oper sorgte er 1753 für beachtliches Aufsehen. Parallel schrieb er seine ersten Briefe. Diese stießen bei Paris-süchtigen deutschen und europäischen Landesherrn auf großes Interesse.
Dabei hielt Grimm den Empfängerkreis stets klein und damit elitär. Es wurde ihm fürstlich gelohnt. Er weilte auf Einladung der Zarin in St. Petersburg, kaufte in der Folge für sie in Paris Kunst auf, erfüllte für verschiedene Auftraggeber diplomatische Missionen, begleitete die Darmstädter Prinzessin Wilhelmina Luise zur Heirat mit dem späteren Zaren Paul und gehörte spätestens nach der Verleihung des Baronats 1771 zu den einflussreichsten Pariser Persönlichkeiten. Dazu fungierte er an der Seine als persönlicher Gesandter von Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, der über Jahrzehnte ein Hauptempfänger seiner „CL“ war.
Flucht vor der neuen Zeit
Dann kam 1789 die Revolution. Grimm verließ als einer der letzten Ausländer 1792 Paris. Er ging zunächst nach Gotha, wirkte dann als russischer Gesandter beim niedersächsischen Kreis in Hamburg und verbrachte seine letzten Jahre fast erblindet als Privatier im Gothaer Haus der Gräfin de Bueil, einer aus Frankreich ebenfalls geflohenen Enkelin von Madame d`Epinay, seiner früheren Geliebten.
Friedrich Melchior von Grimm starb am 23. Dezember 1807 ledig in Gotha. Die letzte Ruhe fand der herausragende Essayist aus Regensburg auf dem Kirchhof in Siebleben bei Gotha. Allein seine Geheimpublizistik überlebte ihn als literarisches und geschichtliches Denkmal.
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