04.02.2026

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Folge 38-23 vom 22. September 2023 / Weltmeere II / Es droht eine fatale Kettenreaktion / Tiefseebergbau im Namen des „Klimaschutzes“ könnte eine ökologische Katastrophe am Meeresboden auslösen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-23 vom 22. September 2023

Weltmeere II
Es droht eine fatale Kettenreaktion
Tiefseebergbau im Namen des „Klimaschutzes“ könnte eine ökologische Katastrophe am Meeresboden auslösen

Die sogenannte Energie- und Mobilitätswende führt zu einem enormen Mehrbedarf an Rohstoffen wie Lithium, Nickel, Kobalt, Mangan, Molybdän und Neodym. Deshalb herrscht starkes Interesse an der Förderung der polymetallischen Knollen, welche in den Sedimenten auf dem Grund der Tiefsee liegen und genau diese Elemente enthalten. Besonders reichhaltige Vorkommen finden sich in der Clarion-Clipperton-Zone zwischen Mexiko und Hawaii. 

Hier haben mittlerweile 14 Staaten Abbaurechte erworben – darunter auch Deutschland. Mit beteiligt ist der pazifische Zwergstaat Nauru, der dem kanadischen Konzern The Metals Company bereits eine formelle Lizenz zum Heraufholen der Metallknollen aus mehreren tausend Metern Tiefe erteilt hat. Allerdings warten die 35 Tonnen schweren Saugroboter noch auf ihren Einsatz, denn die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) mit Sitz auf Jamaika hat den Abbau bislang nicht freigegeben. Die diesbezügliche Entscheidung wurde vor einigen Wochen vertagt, als die 36 Mitgliedstaaten der ISA zum Abschluss zweiwöchiger Beratungen in Kingston vereinbarten, das erforderliche Regelwerk erst 2025 zu verabschieden. Ob dies dann aber tatsächlich geschieht, ist durchaus fraglich, denn die Gründe, welche gegen die Förderung der Metallknollen sprechen, sind gewichtig.

Die Tiefsee gehört zweifellos zu den sensibelsten Lebensräumen unseres Planeten, weil die Natur hier extrem lange benötigt, um sich von menschlichen Eingriffen zu erholen. Das zeigte nicht zuletzt das DISCOL-Experiment vor der Küste von Peru. Hier simulierten deutsche Forscher 1989 die Tätigkeit eines Förderroboters auf dem Meeresgrund. Die dabei verursachten Verwüstungen waren 2015 noch deutlich zu sehen – und es hatten sich auch keine Pflanzen und Tiere neu angesiedelt. Experten gehen davon aus, dass ein Fünftel aller Arten in den vom Tiefseebergbau betroffenen Gebieten komplett verschwinden würde und beim Rest eine Reduktion um mehr als 50 Prozent erfolgen könnte. 

Denn jegliches Umpflügen des Meeresbodens sorgt für das Aufwirbeln von jahrtausendealten Sedimenten, die dann auf unabsehbar lange Zeit im Wasser schweben und die Kiemen der Meeresbewohner verstopfen, während sie zugleich auch noch toxische Metallverbindungen freisetzen. Dazu käme der plötzliche Lichteinfall in der pechschwarzen Tiefsee in Kombination mit starken akustischen Emissionen, welche insbesondere für Wale fatale Folgen hätten.

Letztlich droht durch die Förderung der Metallknollen eine Beeinträchtigung der gesamten ozeanischen Nahrungskette von den allerkleinsten Mikroorganismen bis hin zu den Giganten des Meeres. Das wiederum dürfte zu geringeren Erträgen beim Fischfang führen.

Doch damit nicht genug: In den Sedimenten am Boden der Tiefsee wandeln Myriaden von Bakterien Kohlendioxid in Biomasse um – sofern sie ihre Arbeit ungestört verrichten können. Insofern wäre der Tiefseebergbau zur Gewinnung von Materialien für „klimafreundliche“ Technologien auch äußerst „klimaschädlich“. 

W.K.