Umgeben von Kraftwerksblöcken und vielen Windparks in der Region mussten die Einwohner von Cottbus vor Kurzem die Erfahrung machen, wie schnell unglückliche Umstände zu einem Ausfall der Stromversorgung führen können. Große Teile der zweitgrößten Stadt Brandenburgs waren am 19. September von einem mehrstündigen und großflächigen Stromausfall betroffen. Gleich in mehreren Stadtteilen der Lausitzmetropole waren insgesamt bis zu 29.000 Haushalte zeitweise ohne Strom. Auch Ampeln und der Straßenbahnverkehr fielen aus. Cottbusser berichteten zudem auch, dass der Mobilfunk entweder gar nicht oder nur noch extrem eingeschränkt verfügbar war.
Nach Angaben der Stadtwerke Cottbus war an dem Dienstag kurz nach 12 Uhr der Strom ausgefallen. Erst bis 15 Uhr konnte der Energieversorger schrittweise die Versorgung der Stromkunden wieder aufbauen.
Die Ursache für den Ausfall war zunächst unklar. Dies führte dazu, dass in den Sozialen Medien alsbald spekuliert wurde, der Stromausfall sei auf eine neuerliche Aktion von „Klimaschützern“ im Kraftwerk Jänschwalde, einen Cyberangriff oder sogar auf einen Terroranschlag zurückzuführen.
Gestörtes Schaltgerät als Ursache
Nach einer Überprüfung von Trafostationen und rund 900 Kilometern Stromleitungen nannten die Stadtwerke Cottbus schließlich ein gestörtes Schaltgerät in einem Umspannwerk als Ursache des Stromausfalls. Der Geschäftsführer der Elektroenergieversorgung Cottbus (EVC), Sven Wenske, erklärte gegenüber dem Sender rbb, dass bei dem Stromausfall mehrere Umstände eine Rolle gespielt hätten: „Es war in diesem Fall so, dass einer von zwei Trafos in einem Umspannwerk in Wartung war. In dem Moment des Umschaltens, also Zurückschaltens in den Normalzustand, gab es einen Fehler, der auf dieses Schaltgerät zurückzuführen ist.“ Laut dem EVC-Geschäftsführer existieren insgesamt etwa 250 Trafos in den verschiedenen Teilnetzen im Stadtgebiet. Zudem ist das Cottbusser Stromnetz nach Angaben des Versorgungsunternehmens „nicht vollständig digital abgebildet“. Dementsprechend lang hat die Fehlersuche gedauert, so der EVC-Chef.
Obwohl der Stromausfall nur einige Stunden dauerte, hatte er für die Stadt zum Teil gravierende Folgen. Beim Cottbusser Freizeitbad „Lagune“ fielen mehrere Steuerelemente für die Gebäudeleittechnik aus. Bis in dem Sport- und Freizeitbad wieder der reguläre Betrieb anlaufen konnte, vergingen Tage. Das Freizeitbad blieb zunächst komplett geschlossen. Teilbereiche des Bades, etwa den Whirlpool im Außenbereich, konnten Besucher auch am Wochenende nach dem Stromausfall nicht nutzen. „Hier müssen defekt gegangene Frequenzumrichter ersetzt werden, da diese nicht repariert werden konnten“, so der Lagune-Chef.
Das Cottbusser Carl-Thiem-Klinikum mit seinen 1200 Betten war am 19. September nicht vom Stromausfall betroffen. Nach Angaben der Stadt mussten allerdings zwei Patienten, die auf eine häusliche Stromversorgung angewiesen waren, unterstützt werden. Zudem war die Cottbusser Feuerwehr in fünf Fällen im Einsatz, um Menschen aus Aufzügen zu befreien, die durch den Stromausfall steckengeblieben waren. H.M.


