04.02.2026

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Folge 39-23 vom 29. September 2023 / Wirtschaftsklima II / Gastronomie fürchtet Mehrwertsteuer-Erhöhung / Rückkehr zu 19 Prozent könnte das Gaststättensterben anheizen – Dehoga fordert Maßnahmen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-23 vom 29. September 2023

Wirtschaftsklima II
Gastronomie fürchtet Mehrwertsteuer-Erhöhung
Rückkehr zu 19 Prozent könnte das Gaststättensterben anheizen – Dehoga fordert Maßnahmen

Die Gastronomie galt während der Corona-Krise als eines der Sorgenkinder der deutschen Wirtschaft. Der verregnete Sommer hat die Aussichten noch einmal verschlechtert. Zudem wächst die Angst vor einer Erhöhung der Mehrwertsteuer. Ab kommendem Jahr soll die Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants wieder auf 19 Prozent steigen. Diese war während der Pandemie auf sieben Prozent gesenkt worden. Vor Corona zählte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) 220.000 Mitgliedsbetriebe. 

Heute sind es noch 186.000, so die Dehoga-Geschäftsführerin Ingrid Hartges. „Gerade die Gastronomie erfüllt ja noch andere Zwecke, als einfach nur Essen zu servieren. Unsere Betriebe sind so etwas wie das Wohnzimmer der Gesellschaft. Hier treffen sich Menschen. Während Corona hat uns das so sehr gefehlt. Die Gäste waren glücklich, als wir wieder öffnen konnten. Wo Gaststätten sterben, stirbt ein Teil der Seele des Ortes.“ Und genau dieses Gaststätten-Sterben könnte in den kommenden Monaten noch zunehmen. Der Umsatz im deutschen Gastgewerbe hat sich im Sommer 2023 erneut schwächer entwickelt als im Vorjahr.

Schlechter Umsatz in diesem Jahr

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sanken im Juli die Zahlen real im Vergleich zum Vorjahresmonat um 4,1 Prozent. Im Vergleich zum Juli 2019, dem Vergleichsmonat vor Ausbruch der Corona-Pandemie, ging der Gastgewerbeumsatz real sogar um 9,8 Prozent zurück. Zwar sind die Preise für Übernachtungen, Essen und Getränke leicht gestiegen, aber das könne die gestiegenen Energiekosten nicht ausgleichen. Zudem stöhnt die Branche ob der Tatsache, dass es immer schwieriger wird, geeignetes Personal zu finden. Während des Corona-Lockdowns sind viele Mitarbeiter in andere Bereiche abgewandert. Und nun kommt auch noch die Angst vor einer Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar hinzu.

Nach einer NDR-Umfrage planen rund zwei Drittel aller Befragten, seltener auswärts essen zu gehen, sollten die Preise durch die Steuererhöhung weiter steigern. Die ohnehin konjunkturbedingte Konsumzurückhaltung der Bevölkerung dürfte also weiter ansteigen. Diese Steuererhöhung müssten die Betriebe aber in vollem Umfang an die Gäste weitergeben wie auch weitere Kostenbelastungen, da die Gastronomen keine Spielräume und Reserven mehr hätten, warnte Dehoga-Präsident Guido Zöllick und kündigte an: „Das führt zu einem Preisschock für die Gäste.“ Der Verband fordert daher, die reduzierte Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie dauerhaft niedrig zu halten und weist darauf hin, dass die Steuer auch für das Essen in Kindertagesstätten gelte. Bis zu 12.000 Betriebe seien dadurch in ihrer Existenz gefährdet, prophezeit die Dehoga. 

Der NDR-Umfrage zufolge gehen die Menschen im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 viel seltener in Restaurants und Gaststätten essen: 45 Prozent der Befragten gaben an, Restaurant- oder Kneipenbesuche reduziert zu haben. Am häufigsten liegt das an den gestiegenen Kosten für Speisen.P.E.