Bei einer Lesung an der Universität Jena wurde der Journalist und „Tagesschau“-Sprecher Konstantin Schreiber mit einer Torte beworfen. Sein letztes Werk „Die Kandidatin“ über eine fiktive muslimische Bundeskanzlerin war im Vorfeld von Linksextremisten mit dem NS-Propagandafilm „Jud Süß“ in Verbindung gebracht worden. Als er mit einem Taxi nach Hause fuhr, berichtete Schreiber, sprach der Fahrer die ganze Fahrt über kein Wort, erst vor der Haustür sagte er: „Jetzt weiß ich, wo du wohnst.“
Das war für Schreiber, der zwei kleine Kinder hat, eine Mahnung, um in Zukunft auf öffentliche Auftritte zum Islam zu verzichten, nur noch als Nachrichtensprecher aufzutreten und seine Erkenntnisse über den Islam in Zukunft für sich zu behalten. Schreiber, der in der arabischen Welt als Journalist unterwegs war und perfekt Arabisch spricht, hatte vielleicht vor dem Auftritt in Jena geglaubt, er habe als Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an prominentester Stelle einen gewissen Schutz gegen islamische und linksradikale Gewalttäter. Jetzt wurde er eines Besseren belehrt.
Dass man Menschen, die man nicht mag, mit Massenmördern gleichsetzt, ist eine Strategie, die auch Jan Böhmermann verfolgt, wenn er Unliebsame als Nazis bezeichnet. Die Tiraden gegen Schreiber sollen die Radikalen ermuntern, eine kritische Stimme in der Islamdiskussion mundtot zu machen.
Schreiber hat mit seinem Auftrittsverzicht in Deutschland aus verständlichen Motiven einen Rückzieher gemacht. Er wolle sich nach den ganzen Vorfällen zu nichts mehr, was mit dem Islam zu tun habe, äußern. Da er aber sein Schweigen begründete, löste er damit wenigstens noch eine Debatte und einen Aufschrei aus.
Wenn sogar Mitarbeiter von öffentlich-rechtlichen Sendern als islamkritisch oder rechtsextrem verunglimpft werden, zum Teil von eigenen Kollegen, dann hat Deutschland ein Umgangs- und Debattenproblem. Dann ist auch die Meinungsfreiheit endgültig in Gefahr, der Gewalt der Straße zu weichen.