„Der Wald ist friedvoll. Doch es gibt etwas, wovor ich mich fürchte“, raunt die Stimme der Protagonistin im Vorspann. Sind es die Wölfe, die sich in immer größerer Zahl hechelnd durchs brandenburgische Unterholz durchschlagen? „Seit vielen hundert Jahren ist in Deutschland kein Mensch mehr von einem Wolf getötet worden,“ versichert Wildhüterin Sara Jahnke (Maria Simon). Aber wie lange können sich die Menschen in der mitteldeutschen Einöde noch sicher sein?
Der Fernsehfilm „Wolfsjagd“ (30. September, 20.15 Uhr, Das Erste) greift ein brisantes Thema auf, um dann zügig bei den Versatzstücken der üblichen Krimihandlungen zu landen. Die Problematik wildernder Wölfe dient nur als Aufhänger für die Angst der Menschen in einem Dorf in Brandenburg: Die geschützten Raubtiere verlieren zusehends die Scheu und nähern sich einem Kindergarten. Sara, anlässlich der Beerdigung ihrer Mutter aus Kanada eingeflogen, soll ein auffälliges Tier „entnehmen“, wie es ebenso sachlich wie beschönigend heißt.
Ein Auftrag, der der Tierschützerin sichtlich zuwider ist. Da steht sie nun im stillen Wald, die Haare nachlässig zurückgebunden, das Gewehr im Anschlag, und dann sichtet sie tatsächlich einen Wolf, der sich an einem blau gekleideten Bündel zu schaffen macht – offensichtlich ein toter Mensch. Was Sara entdeckt, könnte die These, dass Wölfe dem Menschen nicht gefährlich werden, ein für allemal aushebeln. Denn die Leiche einer jungen rumänischen Saisonarbeiterin weist tatsächlich Wolfsbisse auf.
Aber waren die Raubtiere schuld an ihrem Tod? Was folgt, ist Krimiroutine: Im Mittelpunkt agiert eine Frau, die vor einem traumatischen Erlebnis in ihrer Jugend bis nach Kanada floh und ihre Tochter beim Vater und Ortspolizisten (Jörg Schüttauf) zurückließ. Ein junger Ermittler (Jacob Matschenz) konfrontiert sie bei der gemeinsamen Fährtensuche mit ihrer verdrängten Vergangenheit. Beide setzen sich auf die Spur des Verbrechens, und nur wenig unterstützt vom Vater, der sich von seiner Tochter entfremdet hat.
Bald stoßen Sara und Falk auf dunkle Umtriebe in der nahe gelegenen Fleischfabrik, wo die Arbeiter unter erbärmlichen Umständen hausen und junge Mädchen offensichtlich zur Prostitution gezwungen werden. Die Jagd beginnt, und ins Visier geraten zusehends menschliche Bestien – Wölfe dienen nur noch als Zwischenschnitte.
„Der Mensch ist des Menschen Wolf“, lernt der Zuschauer einmal mehr und kann sich immerhin an spektakulären Tieraufnahmen sowie der früheren „Polizeiruf“-Kommissarin Maria Simon erfreuen, deren sensibles Spiel die arg bemühte Story sehenswert macht.