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Folge 39-23 vom 29. September 2023 / Dora Rappard / „Die Mutter von St. Chrischona“ / Die Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin starb vor 100 Jahren

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-23 vom 29. September 2023

Dora Rappard
„Die Mutter von St. Chrischona“
Die Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin starb vor 100 Jahren

Die „Mutter von St. Chrischona“ wurde am 1. September 1842 als Dora Gobat auf Malta geboren. Ihr Vater, der Missionar und spätere evangelisch-anglikanische Bischof von Jerusalem Samuel Gobat, war damals auf der Insel im kirchlichen Auftrag tätig. Er stammte aus dem Berner Hochland und hatte nach Missionsreisen im Auftrag der Basler Mission und der Londoner Missionsgesellschaft nach Kairo und Abessinien in Europa Marie Zeller geheiratet, mit der er dann auf Malta weilte, wo er im kirchlichen Auftrag eine Bibelübersetzung ins Arabische begann und Tochter Dora geboren wurde. 

Nach den Jahren auf Malta wurde Doras Vater als Nachfolger von Michael Salomo Alexander zum zweiten evangelischen Bischof von Jerusalem erhoben. Er gründete auf der Grundlage des lutherisch-anglikanischen Bündnisses in der Folge evangelische Gemeinden, Schulen, sowie Kranken- und Waisenhäuser. Mit seiner Ehefrau sorgte er für eine streng religiöse Unterrichtung der Tochter. Dora überstand eine Hirnhautentzündung und wurde nach ihrer Genesung zur weiteren Ausbildung auf das Töchterpensionat der Brüdergemeine in Montmirail geschickt. 

Der Ort im Schweizer Kanton Neuenburg, der auf den Schlossbau eines französischen Offiziers zurückgeht, ging durch Schenkung in den Besitz der Herrnhuter Brüdergemeine über, die dort 1766 ein Mädchenpensionat eröffnete. Dort vervollkommnete Gobat ihre Bildung umfassend, trat zu der Engländerin Florence Barker in eine enge freundschaftliche Beziehung und fungierte anschließend unter der Regie ihres Vaters in Jerusalem als Lehrerin an dessen Mädchenschule.

1867 lernte Gobat den Missionar und damaligen Leiter der Missionsstation der Pilgermission St. Chrischona in Alexandrien, Carl Heinrich Rappard, kennen, der ebenfalls Schweizer Herkunft war, im Gegensatz zu ihr mit Giez sogar in der Eidgenossenschaft geboren war. Gobat und Rappard heirateten noch im Jahr ihres Kennenlernens. Ebenfalls im Jahre 1867 starb im fernen Basel Christian Friedrich Spittler, der 1840 unweit der Stadt in der auf seine Veranlassung wiederaufgebauten ehemaligen Wallfahrtskirche St. Chrischona die gleichnamige Pilgermission St. Chrischona gegründet hatte. Als Inspektor der Pilgermission trat Rappard dessen Erbe an.

Rappards Ehefrau wurde an seiner Seite zur „Mutter von St. Chrischona“. Nebenbei brachte sie zehn Kinder zur Welt und betätigte sich als Dichterin. Zu den frühen „Gemeinschaftsliedern“ und „Glaubensliedern“ kamen mit wachsender Reife ihre „Erinnerungen aus meinem Leben“. Besonders nachhaltige Bekanntheit erlangten ihre Lieder „Ich blicke voll Beugung und Staunen“, „Dass Jesus siegt“, „Auf dein Wort will ich trauen“ und „O du Lamm Gottes“. 

Dora Rappard erfüllte über Jahrzehnte ihre Pflichten als Mutter und Ehefrau an der Seite des Inspektors der Pilgermission St. Chrischona. Über die Region hinaus genoss sie große Anerkennung. Vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1923, starb sie in ihrer Hauptwirkungsstätte, 14 Jahre nach ihrem Mann, der am Ende ein maßgeblicher Führer der internationalen Heiligungsbewegung geworden war.M.S.

An Monographien erschienen über Dora Rappard 2005 in Gießen Lothar von Seltmanns „Dora, die Tochter des Bischofs. Das spannende Leben der Dora Rappard“, 1956 ebenfalls in Gießen Friedhelm Rudersdorfs „Dora Rappard – Die Mutter von St. Chrischona“, Band 103/104 aus der Sammlung „Zeugen des gegenwärtigen Gottes“ sowie 1929 in Gießen und Basel Emmy Veiel-Rappards „Mutter – Bilder aus dem Leben von Dora Rappard-Gobat“. In den Nachschlagewerken „Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon“ (BBKL) und „Historisches Lexikon der Schweiz“ (HLS) sind ihr Artikel des evangelischen Pfarrers und Theologen Burkard Krug beziehungsweise des Theologie- und Philosophiehistorikers Werner Raupp gewidmet.