04.02.2026

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Folge 39-23 vom 29. September 2023 / Extremsport / Bergsteiger ohne jede Moral / Massenbetrieb in den Alpen und im Himalaya zeitigt erschreckende Blüten – Verletzte wurden ohne Hilfe zurückgelassen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-23 vom 29. September 2023

Extremsport
Bergsteiger ohne jede Moral
Massenbetrieb in den Alpen und im Himalaya zeitigt erschreckende Blüten – Verletzte wurden ohne Hilfe zurückgelassen

Früher gab es unter Alpinisten einen strengen Moralkodex, gegen den nur selten verstoßen wurde, weil dies gravierende Folgen für den Ruf des Betreffenden hatte. Im Zeitalter des Massenbetriebs in den Bergen ist das nun aber anders. Hierzu drei Beispiele aus jüngster Zeit.

Durch die Südostwand des Daubenhorns im Kanton Wallis führt ein 900 Meter hoher Klettersteig, der zu den längsten und schwierigsten der Schweiz gehört. Die exponierte Route können ausschließlich echte Könner bewältigen. Auf einer nur mit Spezialausrüstung zu erreichenden kleinen Wiese fast 300 Meter über dem Einstieg hat der Verein IG Klettersteig Leukerbad-Gemmi-Daubenhorn eine Box für Spenden zum Erhalt der Route installiert. Der in die Steinwand eingemauerte, sehr massive Kasten wurde Anfang August von unbekannten „Bergsportlern“ aufgebrochen, welche dabei ein paar hundert Euro erbeuteten. Seitdem herrscht Fassungslosigkeit in Leukerbad, und der Verein schrieb auf seiner Facebook-Seite: „Wir wünschen der Täterschaft …, dass sie bei jedem Ausflug in den Bergen ein schlechtes Gewissen bis in alle Ewigkeit plagen wird.“

Genauso schockiert wie die Mitglieder der Schweizer IG Klettersteig reagierten österreichische Bergretter, als sie bei Einbruch der Dunkelheit Alarmrufen nachgingen, wonach ein stark geschwächter 64-Jähriger rund 170 Meter unterhalb des Ingolstädter Hauses im Steinernen Meer am Wegrand liege. Der erschöpfte Bergsteiger erzählte, dass er von seinem Begleiter verlassen worden sei. Diesen traf die Bergwacht später friedlich schlafend in der Schutzhütte an. Als Begründung für das Im-Stich-Lassen des Kameraden gab der Niederbayer an, der andere „müsse auch alleine zurechtkommen“.

Noch krasser war der Vorfall, welcher sich am 27. Juli am K2 im Karakorum-Himalaya ereignete. Der 8611 Meter hohe Berg ist der zweithöchste Gipfel der Welt und gilt als deutlich schwieriger als der Mount Everest. Zu den gefährlichsten Stellen auf der Normalroute zählt dabei der „Flaschenhals“, eine von Stein- und Eisschlag bedrohte Engstelle auf rund 8300 Metern. 

Sicherungsexperte kam ums Leben

Hier stürzte der pakistanische Hochträger Muhammad Hassan gegen zwei Uhr morgens bei Sicherungsarbeiten zugunsten der zahlenden Kundschaft der Firma Lela Peak Expeditions ins Seil, wonach er bei unter minus 30 Grad hilflos kopfüber in der Wand hing und dann im Laufe des Vormittags starb. Während des Todeskampfes von Hassan passierten mehr als 50 Bergsteiger die Unfallstelle, wobei der 27-Jährige wiederholt hilfesuchend nach den Beinen der Vorbeikletternden griff.

Besonders bemerkenswert an dem Vorfall ist dabei der Umstand, dass zu den „Gipfelsiegern“ des 27. Juli auch die gefeierte norwegische Extrembergsteigerin Kristin Harila gehörte, die alle 14 Achttausender der Welt innerhalb von nur 92 Tagen bezwang. Der österreichische Sportjournalist Stefan Nestler kommentierte das Ganze mit den Worten: „Für Menschlichkeit scheint immer weniger Platz zu sein, je höher es geht und je mehr Leute unterwegs sind.“ W.K.