Wem gehört das Heilige Land? Ein Schlüsselbegriff, der im Alltag so selbstverständlich gebraucht wird, dass ihn kaum noch jemand hinterfragt, ist die Bezeichnung „Palästinenser“ für die im Gebiet des historischen Palästina lebenden Araber. Dies suggeriert, dass diese quasi die legitime Urbevölkerung des Gebietes sind und somit als einzige einen rechtmäßigen Anspruch darauf haben. Weshalb denn auch jene Araber, die das Existenzrecht Israels bestreiten, als Ziel die angebliche „Befreiung Palästinas“ (Englisch: „Free Palestine“) ausgeben.
Tatsächlich ist der Begriff „Palästina“ wesentlich älter als die Anwesenheit der Araber an der Südostküste des Mittelmeeres. Schon im 5. Jahrhundert vor Christus gebrauchte Herodot das griechische „Palaistinē“, aus dem wiederum die lateinische Bezeichnung „Palaestina“ hervorging. Und schon im 8. Jahrhundert vor Christus verwenden assyrische Quellen für den Streifen vom heutigen Gaza bis nach Aschkelon den Begriff „Palastu“.
Das Land in der Antike
Zur Zeit der römischen Herrschaft über den Mittelmeerraum übertrug Kaiser Hadrian nach der Niederschlagung des dritten jüdischen Aufstandes den regionalen Begriff auf die bis dahin „Judäa“ genannte römische Provinz und nannte diese fortan „Syria Palästina“. Damit sowie mit der ebenfalls erfolgten Zerstörung und Umbenennung Jerusalems wollte der Kaiser die Erinnerung an die Geschichte der Juden in der Region auslöschen.
Aufschlussreich ist auch, dass die Araber nach ihrer Eroberung des biblischen Landes ab der Mitte der 630er Jahre nach Christus den Namen Palästina nicht gebrauchten. Vielmehr teilten sie ihren Machtbereich in Militärbezirke („Dschunde“) auf. Das Gebiet der vormals römischen Provinz „Syria Palästina“ fand sich nun in den Dschunden Urdunn (Jordan) und Dimaschq (Damaskus) wieder.
Erst die christlichen Kreuzfahrer führten um das Jahr 1000 herum das Wort „Palästina“ – neben ihrem offiziösen Begriff „Heiliges Land“ – wieder ein. Auch nach der Niederschlagung der Kreuzfahrer durch die Mameluken blieb der Name Palästina bestehen. Und von 1516 bis 1918 war Palästina dann eine Provinz des Osmanischen Reiches.
Zu keinem Zeitpunkt der Antike, des Mittelalters oder der Neuzeit gab es also eine Situation, in der die Begriffe Palästina oder „palästinensisch“ deckungsgleich mit der arabischen Bevölkerung in der Region gewesen wären.
Eine verfälschende Verkürzung
Dass „Palästina“ tatsächlich ein neutraler Gebietsname ist, zeigt nicht zuletzt die Entstehung des jüdischen Zionismus. So schrieb dessen Begründer Theodor Herzl in seinem Werk „Der Judenstaat“ wie selbstverständlich: „Palästina ist unsere unvergessliche historische Heimat.“
Erst in der Mitte der 1960er Jahre setzte sich der Begriff „palästinensisch“, beziehungsweise „Palästinenser“ für die auf dem Gebiet des historischen Palästina lebenden Araber durch. Möglich war dies, weil die Juden den von ihnen gegründeten Staat „Israel“ nannten.
Ein Alleinvertretungsanspruch auf das Gebiet des historischen Palästina und erst recht ein Bestreiten des Existenzrechts eines jüdischen Staates auf diesem Gebiet lässt sich daraus jedoch nicht konstruieren.PM


