In der Automobilindustrie zeichnet sich eine Milliardenübernahme ab. Der im fränkischen Herzogenaurach beheimatete Automobilzulieferer Schaeffler hat ein Kaufangebot für den in Regensburg ansässigen Antriebsspezialisten Vitesco abgegeben. Vitesco wurde vor rund zwei Jahren vom Reifenhersteller Continentale abgespalten. Die Eigentümerfamilie Schaeffler hält seit der Abspaltung bereits knapp 50 Prozent an Vitesco.
Schaeffler teilte zwar mit, dass die Pläne noch nicht mit dem Vitesco-Vorstand abgestimmt sein, doch erwartet man offenbar keine allzu großen Widerstände. „Wir streben einen einvernehmlichen Zusammenschluss an“, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Vitesco erklärte wiederum, Vorstand und Aufsichtsrat prüften alle Informationen sorgfältig und entschieden dann über die nächsten Schritte. Mittlerweile hat es ein Treffen zwischen Rosenfeld und dem Vitesco-Vorstand Andreas Wolf gegeben. „Mit dem Unternehmenszusammenschluss wird eine führende ,Motion Technology Company‘ mit vier fokussierten Sparten und einem Umsatz von ungefähr 25 Milliarden Euro geschaffen. Dazu gehört ein erstklassiger E-Mobilitäts-Anbieter mit erheblichem Wachstumspotential“, heißt es in einer Schaeffler-Mitteilung.
Nach einem Zusammenschluss würde der neue Konzern über mehr als 120.000 Mitarbeiter verfügen. Entlassungen seien bei der geplanten Übernahme nicht geplant, erklärte Rosenfeld.
Der Kauf soll in drei Schritten erfolgen. Schaeffler hat die Abgabe eines konkreten Angebots bis Mitte Dezember angekündigt und weiter erklärt, die Vitesco-Aktien vorerst behalten zu wollen. In einem zweiten Schritt sollen die Schaeffler-Vorzugsaktien in Stammaktien getauscht werden. Derzeit hält die Familie alle Stimmrechte. Mit der Umwandlung der börsennotierten Vorzüge werden ihr die übrigen Aktionäre gleichgestellt. „Für meine Mutter und mich als Familiengesellschafter ist die Abgabe von Stimmrechten ein einschneidender Schritt“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Georg Schaeffler. In dem dritten und letzten Schritt werden alle verbliebenen Vitesco-Papiere in Aktien der fusionierten Schaeffler-Group umgetauscht werden. „Bei der Familie Schaeffler werden dann rund 70 Prozent der Anteile liegen“, sagte Rosenfeld.
Vitesco befindet sich gerade im Umbau vom Hersteller von Teilen für Verbrennungsmotoren zum Lieferanten von Antriebstechnik für Elektroautos.
„Schaeffler und Vitesco sind zusammen stärker. Das bringt deutliche Vorteile für Kunden, Beschäftigte, Aktionäre und Geschäftspartner“, erklärte Schaeffler in einer Mitteilung.
Ganz billig wird das Unterfangen allerdings nicht werden. Branchen-Experten gehen davon aus, dass die geplante Übernahme bis zu 665 Millionen Euro kosten könnte. Zweitgrößter Aktionär von Vitesco ist der österreichische Unternehmer Siegfried Wolf mit fünf Prozent. Langfristig sollen der Zusammenschluss und die damit verbundenen Synergieeffekte aber Einsparungen von rund 600 Millionen Euro bringen. Die Schaeffler-Aktie reagierte bereits mit einem kräftigen Anstieg.


