04.02.2026

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Folge 42-23 vom 20. Oktober 2023 / Architektur / Meister der runden Ecken / Führender Barockbaumeister Westfalens – Vor 250 Jahren starb Johann Conrad Schlaun

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-23 vom 20. Oktober 2023

Architektur
Meister der runden Ecken
Führender Barockbaumeister Westfalens – Vor 250 Jahren starb Johann Conrad Schlaun
Veit-Mario Thiede

Ob Schloss Augustusburg in Brühl oder der Erbdrostenhof in Münster: die Bauwerke des am 21. Oktober 1773 gestorbenen Barockarchitekten Johann Conrad Schlaun sind attraktive Besuchermagneten. Der 1695 geborene Westfale war in fürstbischöflichen Diensten ein als Architekt tätiger Offizier.

Den Aufstieg zum führenden Barockbaumeister Westfalens verdankte Schlaun dem Fürstbischof und Kurfürsten Clemens August von Bayern (1700–1761) und dessen Premierminister Ferdinand von Plettenberg. Sie schickten ihn von 1720 bis 1723 auf Studienreise nach Würzburg, Wien, Rom und Paris. Nach der Rückkehr übernahm Schlaun die Bauleitung des von einem doppelten Wassergraben umgebenen Schlosses Nordkirchen, das als „westfälisches Versailles“ gerühmt wird.

Das durch flach hervortretende Wandpfeiler und horizontale Bänder gegliederte Sichtziegelmauerwerk und der für die Rahmungen von Portalen, Fenstern sowie den Bauschmuck verwendete Sandstein bestimmen das Erscheinungsbild von Schlauns Bauwerken. Die für das Münsterland typischen Materialien und Bauweisen kombiniert er mit internationalen Anregungen. Ein schönes Beispiel ist sein von einem Wassergraben umgebener Sommersitz Haus Rüschhaus in Nienberge. Die Hofseite weist zwei Wirtschaftsgebäude auf, die das mit einem großen Scheunentor ausgestattete Haupthaus flankieren. Die repräsentative Gartenseite des später von der Dichterin Annette Droste-Hülshoff bewohnten Rüschhauses erweist hingegen ländlichen französischen Adelssitzen seine Referenz.

Schlauns sakrales Hauptwerk steht in Münsters Innenstadt: die nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaute Clemenskirche. Stifter des Zen­tralbaus mit Kuppel und aufgesetzter Laterne war Clemens August von Bayern, Kurfürst und Erzbischof von Köln, Fürstbischof von Münster, Paderborn, Osnabrück und Hildesheim sowie Hochmeister des Deutschen Ordens. 

Den Auftrag zu seinem letzten Meisterwerk verdankte Schlaun dem Nachfolger Clemens Augusts als Fürstbischof von Münster und Kurfürsten von Köln: Maximilian Friedrich von Königsegg-Rothenfels. Wie so viele Bauwerke Schlauns zeichnet sich auch die ab 1767 errichtete, drei Flügel aufweisende Fürstbischöfliche Residenz, durch strenge Symmetrie und viertelkreisförmige Gebäudeecken aus. Als Schlaun 1773 starb, war der Außenbau vollendet. Die ersten regelmäßigen Nutzer des heutigen Hauptsitzes der Universität Münster, die bis zur Umbenennung Anfang Oktober nach dem Kaiser „Westfälische Wilhelms-Universität“ hieß, aber waren 1803 der preußische Zivilgouverneur Freiherr vom Stein und Generalfeldmarschall von Blücher.