04.02.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 42-23 vom 20. Oktober 2023 / Sternenkunde / Mit seinem Modell I leistete Zeiss Pionierarbeit / Vor 100 Jahren fand im damals noch im Bau befindlichen Deutschen Museum die erste öffentliche Vorführung eines Projektionsplanetariums statt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-23 vom 20. Oktober 2023

Sternenkunde
Mit seinem Modell I leistete Zeiss Pionierarbeit
Vor 100 Jahren fand im damals noch im Bau befindlichen Deutschen Museum die erste öffentliche Vorführung eines Projektionsplanetariums statt
Veit-Mario Thiede

Am 21. Oktober 1923 führte der deutsche Maschinenbauingenieur und Physiker Walther Bauersfeld im noch nicht fertiggestellten Deutschen Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik in München den von ihm entwickelten Planetariumsprojektor „Zeiss Modell I“ vor. Die Mitglieder des Museumsausschusses waren begeistert. Die feierliche reguläre Inbetriebnahme des Modells I erfolgte am 7. Mai 1925 anlässlich der Einweihung des Sammlungsneubaus des Deutschen Museums. 

Genau 100 Jahre nach der Premierenvorführung beginnt die Gesellschaft deutschsprachiger Planetarien ihr bis 2025 währendes Jubiläumsprogramm mit einer Eröffnungsveranstaltung. Diese steigt am 21. Oktober parallel im Deutschen Museum und im Zeiss Planetarium Jena. Mittels digitaler Technik sind die beiden Schauplätze miteinander und ebenso mit der weltweiten Internetgemeinde verbunden. Programmhöhepunkt ist die Premiere der Planetariumsshow „100 Jahre Ewigkeit“.

Großes Jubiläumsprogramm

Noch bis zum 28. Januar läuft im Deutschen Museum die Sonderausstellung „100 Jahre Planetarium – Der Himmel auf Erden“. Sie beginnt mit der Vorgeschichte des Projektionsplanetariums. Von der ältesten uns bekannten Darstellung des Sternenhimmels, der Himmelsscheibe von Nebra, ist eine Nachbildung ihres um 1600 vor Christus geschaffenen ursprünglichen Zustands ausgestellt. Auf sie folgen eine astronomische Uhr, Himmelsgloben sowie ein 1815 hergestelltes Tischplanetarium mit Kurbelantrieb, der die Planeten um die Sonne kreisen lässt. 

Dann steht Oskar von Miller im Blickpunkt. Der Begründer des Deutschen Museums hatte die Idee, den Besuchern den Blick auf unser Sonnensystem sowohl aus der Sicht von der Erde aus als auch aus kosmischer Perspektive zu ermöglichen. Für Letztere stand ein mechanisch angetriebener Wagen bereit, über dem ein Modell der Erde angebracht war. Die Passagiere umkreisten mit dem Wagen die unter der Decke hängende Sonne, um die sich die motorisierten Planeten bewegten. Dieses sogenannte Kopernikanische Planetarium ging im Zweiten Weltkrieg bis auf wenige nun ausgestellte Überreste unter.

Nach Millers Plan sollte auch das von Ausstellungskurator Christian Sicka so genannte Ptolemäische Planetarium einen mechanischen Antrieb erhalten, wobei die Bezeichnung „Ptolemäisches Planetarium“ missverständlich ist, denn es will keineswegs die vom antiken Astronomen Claudius Ptolemäus vertretene Auffassung veranschaulichen, nach der die Sonne und die Planeten um die Erde kreisen, sondern zeigt vielmehr realistisch den Sternenhimmel, wie er sich von der Erde aus betrachtet darstellt. 

Den Auftrag für die beiden Planetarien erhielten die Carl-Zeiss-Werke Jena. Aber Walter Bauersfeld, seit 1908 einer der vier gleichberechtigten Geschäftsleiter im Unternehmen, war die mechanische Tüftelei für das Ptolemäische Planetarium zu kompliziert: „Ich denke, es müsste besser gehen, wenn man die Bilder von Sonne, Mond und Planeten auf die Innenfläche einer Blechkugel projiziert.“ Sein Kollege Rudolf Straubel rief aus: „Dann sollte man aber auch die Fixsterne selbst auf die Kugel projizieren.“ Das war am 24. Februar 1914, der Geburtstag des Projektionsplanetariums, für das Bauersfeld statt der Blechkugel die freitragende halbkugelförmige Kuppel in Stahlbetonbauweise erfand.

Das Zeiss Modell I führt in der Sonderschau die fünfköpfige Parade der Projektoren an. Es weist eine Kugel auf, aus der wie Stacheln 31 Sternfeldprojektoren ragen. Diese projizierten 4500 Fixsterne an die Kuppel. Separate Projektoren, die sich in einem zylinderförmigen Gerüst unter der Sternprojektorkugel befinden, waren für die Darstellung der fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten, der Sonne und des Mondes sowie der Milchstraße und der Sternbildnamen zuständig. Die Himmelsprojektion des Modells I war auf die geographische Breite Münchens von 48 Grad beschränkt und zeigte im Zeitraffer die Bewegungen der Himmelskörper. Doch längst ist die erdgebundene Perspektive der Sternenprojektoren überwunden. Drei Shows lassen uns in der einen Durchmesser von zehn Metern aufweisenden Planetariumskuppel der Sonderschau erleben, was heutige Projektionstechniken möglich machen.

Das jüngste Planetarium Deutschlands steht in Halle an der Saale. Es wurde diesen März in einem alten Gasometer eröffnet. Leiter Dirk Schlesier berichtet: „Mit seiner technischen Ausstattung ist es eines der modernsten Planetarien Europas.“ Zu dem in der Mitte des Saals stehenden Sternprojektor gesellen sich sechs weitere Projektoren, welche die zwölf Meter Durchmesser aufweisende Kuppel vom Rand aus bespielen. Für die dreidimensionale Klangkulisse sorgen 42 Lautsprecher. 

Planetarien in Halle und in Jena

Schon Millers Wunsch war es, das Publikum nicht nur mit Wissen zu versorgen, sondern es auch in Staunen zu versetzen. Dieses Konzept der Kombination von Wissensvermittlung und Unterhaltung kultivieren die Planetarien bis heute. Stefan Harnisch charakterisiert das von ihm geleitete Zeiss Planetarium Jena als „Sternentheater“. Das mit einer Kuppel von 25 Metern Durchmesser ausgestattete Bauwerk wurde am 18. Juli 1926 eröffnet und ist das dienstälteste Planetarium der Welt. Die Technik aber ist auf dem neuesten Stand. Das von der Sternevent GmbH betriebene Planetarium tut sich durch die Produktion weltweit gefragter Planetariumsshows hervor. Neben den Programmen mit Schwerpunkt Bildung gibt es auch welche für Kinder und kosmische Musikshows. Die jüngste feiert die Rockband „Queen“, deren Sänger sich passenderweise „Freddie Mercury“ nannte. Aber was auch immer auf dem Programmzettel steht: Nirgendwo kommt eine Planetariumsshow ohne Sonne, Mond und Sterne aus.