„Hamburg 1923“ lautet der Haupt- und „Die bedrohte Stadt“ der Untertitel einer Ausstellung, die noch bis zum 7. Januar im Museum für Hamburgische Geschichte (MHG) zu sehen ist. 1923 war ein bedrohliches Krisenjahr für die Weimarer Republik, und da wäre es legitim, dass ein deutsches stadtgeschichtliches Museum eine Ausstellung dazu macht, wie die betreffende Stadt das nationale Krisenjahr erlebt hat. Das würde indes noch nicht die Thematisierung in einer Zeitung von überregionaler Bedeutung rechtfertigen.
In „Hamburg 1923“ geht es allerdings um ein spezifisch Hamburger Thema mit überregionaler Bedeutung, nämlich den sogenannten Hamburger Aufstand von Teilen der KPD im Rahmen des Deutschen Oktobers. Schon der Begriff „Aufstand“ ist problematisch, ließe sich angesichts der fehlenden Massenbasis doch eher von einem Putschversuch sprechen. Vieles ist bis heute unklar, wie die Antwort auf die Frage, was die Akteure motiviert hat, einen räumlich weitgehend auf eine Metropole beschränkten Umsturz zu versuchen, oder wie sich die führenden Genossen in diesen Tagen verhielten.
Es geht ja in der Tat höchstens um Tage, denn bereits in der Nacht zum 24. Oktober 1923 scheiterte der am Vortag begonnene Umsturzversuch. Insofern verwundert auch etwas der Untertitel „Die bedrohte Stadt“, denn im Grunde handelte es sich eher um einen Sturm im Wasserglas – wenn auch einen blutigen. Über 100 Todesopfer und mehr als 300 Verwundete waren zu beklagen. 17 der Toten waren Polizisten, 24 Aufständische und 61 unbeteiligte Zivilisten.
Erschwert wird die Wahrheitsfindung auch dadurch, dass während der NS-Zeit viel die Kommunisten aus antimarxistischer Sicht belastendes Material von diesen vernichtet wurde und der „Hamburger Aufstand“ wie auch der Hamburger Kommunist Ernst Thälmann für die Selbstdarstellung und das Selbstverständnis von KPD, DKP, SED und DDR eine wichtige Rolle spielten beziehungsweise spielen. Die Auseinandersetzung von ausländischen Schriftstellern, Künstlern sowie Theater- und Filmemachern mit den Ereignissen um den 23. Oktober bildet denn auch einen Schwerpunkt der Ausstellung, in der auch den „Hamburger Aufstand“ betreffende Auszüge aus dem 1954 produzierten Propagandafilm „Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse“ zu sehen sind, bei dem es sich nicht ohne Grund um die bis dahin teuerste DEFA-Produktion handelt.
Nähere Informationen über die Ausstellung „Hamburg 1923. Die bedrohte Stadt“ erteilt das Museum für Hamburgische Geschichte (MHG), Holstenwall 24, 20365 Hamburg, Telefon (040) 428132100, E-Mail: info@mhg.shmh.de


