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Folge 42-23 vom 20. Oktober 2023 / Gesundheit / Das stille Leid der deutschen Bauern / Landwirte machen dreimal so oft eine Depression durch wie der Durchschnitt des Volkes – Zu viel lastet auf dieser Berufsgruppe

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-23 vom 20. Oktober 2023

Gesundheit
Das stille Leid der deutschen Bauern
Landwirte machen dreimal so oft eine Depression durch wie der Durchschnitt des Volkes – Zu viel lastet auf dieser Berufsgruppe

Der Fall sorgte im Mai dieses Jahres für Schlagzeilen: Ein Landwirt aus dem oberbayerischen Rimsting hatte seine Rinder derart vernachlässigt, dass Dutzende der Tiere qualvoll starben. Bekannte des Bauern erklärten dessen Handeln mit psychischen Problemen, welche zweifelsfrei auf eine Depression hindeuteten. 

Dabei war die Tragödie kein Einzelfall, denn Landwirte sind nicht nur viereinhalb Mal so oft Opfer von Burnout wie die Angehörigen der Allgemeinbevölkerung, sondern leiden auch dreimal öfter an Depressionen. Im Durchschnitt bekommen in Deutschland acht Prozent aller Menschen irgendwann im Laufe ihres Lebens eine Depression, also jeder Zwölfte bis Dreizehnte, wohingegen bei den Bauern jeder Vierte betroffen ist. Das zeigt eine detaillierte Studie der Psychologin Maria Roth.

Verantwortlich für das hohe Depressionsrisiko unter Landwirten sind nicht zuletzt die vielfältigen Belastungen. Bauern haben aufgrund ihrer Arbeitsumstände zu wenig Zeit, sich zu regenerieren. Dies gilt umso mehr, wenn auf dem Hof noch pflegebedürftige Angehörige zu versorgen sind. Dazu kommen finanzielle Probleme und fehlende Planungssicherheit: Die Preise für Düngemittel, Treibstoffe und Futter steigen und steigen. Außerdem spielt in etlichen Jahren auch noch das Wetter verrückt. 

Ein Übriges tun die immer neuen gesetzlichen Vorschriften und die ausufernde Bürokratie, welche inzwischen oftmals schon die Schwelle zur Schikane überschreitet. Die Folge sind verbreitete und sehr massive Sorgen um die Zukunft des Betriebes. Roth spricht hier schonungslos von einer „brutalen Angst“ unter den Bauern, „weil alle Auflagen und Bedingungen schlechter und strenger werden, weil es nur eine Frage der Zeit ist, wann es wieder schlechter wird“.

Darüber hinaus leiden die Landwirte an mangelnder gesellschaftlicher Wertschätzung. Viele realitätsfremde Städter – vorzugsweise mit einer Affinität zu den Grünen – sehen sie als Tierquäler und Umweltzerstörer, welche für die angebliche Klimakrise sowie die Boden- oder Luftverschmutzung und allerlei sonstige Übel rund um die Welt Verantwortung trügen. Diese verquere Sicht auf die Bauern von Seiten der Konsumenten ihrer Erzeugnisse nimmt in dem Maße zu, wie immer weniger Menschen in der Landwirtschaft arbeiten. In Deutschland sind dies gerade einmal noch rund 2,5 Prozent der Beschäftigten.

Allerdings verweist der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl, darauf, dass Bauer sein alleine noch keine Depressionen verursache, obwohl es zweifellos viele seelische Belastungen gebe. Und tatsächlich spielen auch genetische und neurophysiologische Faktoren eine wichtige Rolle. Das Problem auf dem Lande ist jedoch, dass die Betroffenen weniger Möglichkeiten haben, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus werden psychische Erkrankungen auf dem Dorf eher stigmatisiert als in der Stadt. Also reißt man sich zusammen, bis es nicht mehr geht und dann solche Folgen eintreten wie im eingangs geschilderten Falle des Landwirtes aus Rimsting. W.K.