04.02.2026

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Folge 42-23 vom 20. Oktober 2023 / Sologamie / Liebe dich selbst – und heirate solo / Wenn Frauen sich das Ja-Wort geben – Wer den passenden Partner nicht findet, flüchtet in die Selbstehe

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-23 vom 20. Oktober 2023

Sologamie
Liebe dich selbst – und heirate solo
Wenn Frauen sich das Ja-Wort geben – Wer den passenden Partner nicht findet, flüchtet in die Selbstehe
Stephanie Sieckmann

In einem weißen Kleid mit kunstvoll drapierter Frisur, sündhaft teurer Schminke und Hochzeitstorte eine große Party feiern – so stellen sich viele Frauen ihren Hochzeitstag vor. Romantisch wird das gerne als „der schönste Tag des Lebens“ bezeichnet. Immer öfter wollen aber Frauen Braut sein und groß feiern, ohne im Anschluss Eheroutine erleben zu müssen, die Socken des Partners zusammenzusuchen oder die lästige Frage zu stellen: „Bringst du bitte den Müll raus?“

„Sologamie“ heißt dabei die einfache Lösung. Die erste Solo-Heirat soll aus dem Jahr 1993 dokumentiert sein. Linda Baker hieß damals die Braut, die sich selbst heiratete im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in den USA. Sieben Brautjungfern und 75 geladene Gäste wohnten dem Spektakel bei. Bis auf den fehlenden Partner beziehungsweise die Partnerin war die Hochzeit von Baker ein ganz normales Fest.

Jahre später, genauer gesagt im Jahr 2003, wurde die Selbstheirat in „Sex and the City“ aufgegriffen. Die US-Fernsehserie belegte über Jahre hinweg auch in Deutschland vordere Plätze auf der Beliebtheitsskala und hatte eine entsprechend große Fangemeinde. Hauptdarstellerin Carrie Bradshaw ehelichte sich selbst und brachte damit einen Stein ins Rollen. Inzwischen geben sich immer häufiger mehr oder weniger bekannte Stars und Sternchen wie Model Adriana Lima und Sängerin Lucy Gallant selbst das Jawort.

Laura Mesi soll die erste Europäerin gewesen sein, die Ja zu sich selbst sagte. Sie wurde in Italien mit sich selbst getraut. Auch in Deutschland gab es bereits eine Solo-Hochzeit. Im Jahr 2018 traute sich eine Hamburgerin, den Schritt zu wagen, und ließ sich vom Pastor auf St. Pauli den begehrten Segen geben. Es gab eine Zeremonie, jedoch ohne Dokumente und ohne staatliche Legitimation. Rechtlich anerkannt ist der einsame Schritt vor den Traualtar in Deutschland nicht. Der offizielle Status der Sologamistin lautet ledig. 

Über die Antriebsfeder hinter der Selbstehe wird viel spekuliert. Meist sind es Frauen im Alter zwischen 30 und 

40 Jahren, die das Bekenntnis zu sich selbst feiern. Hohe Kosten für das Gefühl, Prinzessin für einen Tag sein, befeuern Unterstellungen, dass übermäßige Selbstliebe und Egoismus der Grund für die Solo-Hochzeit seien. Eine andere Ansicht lautet: Dem richtigen Partner für eine Ehe zu zweit sind die Frauen (noch) nicht begegnet. Auf die Party ihres Lebens wollen sie trotzdem nicht verzichten. Oft ersetzen Freunde den Standesbeamten, den Redner und den Pastor. 

Dagegen stehen Argumente mit philosophischem Ansatz. Über eine tiefe Hinwendung zum Ich mit allen Konsequenzen wird hier gefachsimpelt. Schließlich muss der Mensch sich erst einmal selbst lieben und annehmen können, damit er seinen Nächsten lieben kann. Die Sologamie sei eine Art Selbstbekenntnis. In guten wie in schlechten Tagen. Ja, sicher! Bis das der Tod uns scheidet – auf jeden Fall.

Sollte nach einer vollzogenen Selbstheirat-Zeremonie doch noch eine normale monogame Ehe eingegangen werden, stellt sich jedoch die Frage, ob das Ich mit dem Du betrogen wird. Oder besteht sogar die Gefahr der Bigamie? Das letzte Wort ist im Fall der Sologamie sicher noch nicht gesprochen. 



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