Vor 100 Jahren wurde eine Stimme geboren, die nicht nur die Bühnen der größten Opernhäuser eroberte, sondern auch die Herzen von Millionen Menschen weltweit berührte. Maria Callas, die unbestrittene Diva des Gesangs, würde am 2. Dezember ihren 100. Geburtstag feiern.
Callas prägte mit ihrer außergewöhnlichen Stimme die Opernwelt wie kaum eine andere Sopranistin. Ob Bellinis „Norma“, Puccinis „Tosca“, Verdis „La Traviata“ oder Cherubinis „Medea“ – die in New York geborene Tochter griechischer Einwanderer setzte auf den großen Bühnen der Welt neue Maßstäbe. Ihre Interpretationen, zum Teil unter den weltbesten Dirigenten wie Leonard Bernstein und Herbert von Karajan, gingen als Meilensteine in die Operngeschichte ein.
Die Stimme der Diva war auf der einen Seite technisch herausragend. Präzise in der Stimmführung, glasklar in hohen und tiefen Tönen, umspannte sie fast drei Oktaven. Die Callas, wie sie oft genannt wurde, traf das fis in Verdis „Sizilianischer Vesper“ ebenso wie sie das f³ in Rossinis „Armida“ intonieren konnte. Bei ihrer Interpretation der Aida im Jahr 1951 in Mexiko-Stadt sorgte sie für Begeisterungsstürme, als sie abweichend von der Partitur am Ende der Siegerszene ein es³ intonierte.
Neben der technischen Brillanz beeindruckte Maria Callas mit einer breiten Palette von Emotionen in der Klangfarbe. Von intensiver Dramatik bis zu zarten, lyrischen Passagen verlieh die Opernsängerin der Druidenpriesterin Norma eine ebenso bemerkenswerte Intensität wie der Rolle der Violetta Valéry. Mit Klangfarbe und Dynamik gelang es ihr, die psychologischen Facetten ihrer Rollen mit Leidenschaft und Eindringlichkeit darzustellen und auf diese Weise das Publikum tief zu berühren. Die große emotionale Intensität lebte Callas jedoch nicht nur auf der Bühne. Auch in ihrem bewegten Privatleben meisterte die Operndiva enorme Höhen und Tiefen, geprägt von Liebe, Verlust, Triumph und Tragödie.
Ihre erste Ehe mit dem italienischen Unternehmer Giovanni Battista Meneghini, der zehn Jahre lang auch ihr Manager war, wurde 1959 geschieden. Maria Callas war zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, wurde „La Divina“ genannt, „Die Göttliche“. Grund für das Ehe-Aus war der griechische Unternehmer Aristoteles Onassis, mit dem Callas über viele Jahre eine sehr leidenschaftliche Affäre unterhielt.
Statt über Bühnen-Erfolge wurde in der Boulevardpresse nun über das Privatleben der Operndiva berichtet. Das von dramatischen Turbulenzen und Skandalen geprägte Verhältnis forderte seinen Tribut. Die Sängerin litt zunehmend unter der Angst, einige herausragende Töne nicht mehr mit der gewohnten Sicherheit treffen zu können, gesundheitlich war sie immer öfter angeschlagen. Im Jahr 1965 gab sie ihren letzten Auftritt. Erneut feierte sie einen Triumph. Mit nur 53 Jahren verstarb die Sängerin wenige Jahre später im September 1977 in Paris an einem Herzinfarkt.
Die Callas war mehr als nur eine Sängerin. Sie war noch zu Lebzeiten eine Legende. Von den prächtigen Bühnen der Mailänder Scala bis zur beeindruckenden Präsenz in der Metropolitan Opera in New York hat sie die Welt mit ihrer Ausstrahlung, mit unverwechselbarer Stimmgewalt und emotionaler Tiefe verzaubert.