24.03.2026

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Folge 48-23 vom 01. Dezember 2023 / Amalia Pachelbel / Meisterwerke der Miniatur-Malerei

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-23 vom 01. Dezember 2023

Amalia Pachelbel
Meisterwerke der Miniatur-Malerei
Martin Stolzenau

Sie entstammte einer berühmten Musikerfamilie. Ihr Vater gehörte zu den Hauptrepräsentanten des deutschen Musikbarock, prägte viele Schüler und wirkt mit seiner Musik über die Jahrhunderte bis in die Gegenwart nach. Doch Amalia Pachelbel selbst erlangte als Aquarellistin und Kupferstecherin Bekanntheit. Sie schuf in der Nachfolge von Maria Sibylla Merian Meisterwerke der Miniaturmalerei und ein Musterbuch mit 50 Tafeln. 

Geboren wurde Amalia Pachelbel am 29. Oktober 1688 in Erfurt. Als ihr Vater ist Johann Pachelbel überliefert, der eigentlich aus Nürnberg stammte und nach Musikertätigkeit in verschiedenen Städten ab 1678 als Organist an der Predigerkirche in Erfurt wirkte, wo Tochter Amalia getauft wurde. Als Mutter ist Julia Trummert nachgewiesen. Sie war die zweite Frau des Musikers und sorgte im Haushalt Pachelbel offenbar für die bildkünstlerische Ausprägung. Die Eltern unterhielten engen Kontakt zur Familie Bach bis hin zur Übernahme einer Taufpatenschaft und gehörten über 12 Jahre in Erfurt zu den  maßgeblichen Künstlerfamilien. Der Vater unterrichtete viele Schüler, erlangte mit seinen Kompositionen überregionale Bekanntheit und wechselte nach Tätigkeiten in Stuttgart, Gotha und wieder in Erfurt schließlich nach Nürnberg, wo er ab 1695 in der Nachfolge seines vormaligen Lehrers Georg Caspar Wecker das Organistenamt an St. Sebald übernahm und zum Hauptmusikus der Stadt aufstieg.

Tochter Amalia offenbarte früh eine besondere zeichnerische Begabung, die von den Eltern gefördert wurde. Zeitgenossen vermerkten, sie sei eine „sonderbar kunstreiche Jungfer“. Sie erhielt zusätzlich zur musikalischen Unterweisung durch den Vater eine Ausbildung bei Nürnberger Künstlern. Das war für ein junges Mädchen jener Zeit ungewöhnlich und zeugt von der aufgeklärten Haltung der Eltern. Zudem erzielte Amalia Pachelbel mit ihren Bildern von Blumen, Wappen sowie Emblemen eigenständige Einkünfte und schuf dann auch noch Zeichenvorlagen für ein damals ungewöhnliches Stickmusterbuch. Dieses machte die junge Frau in ganz Deutschland bekannt und ließ sie aus dem Schatten ihres berühmten Vaters treten, der 1706 verstorben war. Zwischendurch heiratete die Künstlerin am 4. Juni 1715 Johann Gabriel Beer, der in Nürnberg als Notar wirkte und die ungewöhnlichen künstlerischen Aktivitäten seiner Frau wohlwollend begleitete. Die Kanzlei des Notars befand sich in der Alten Ledergasse, der heutigen Tucherstraße.

Die junge Frau brachte drei Kinder zur Welt und fand auch in der Folge immer wieder Zeit für neue Blumenbilder, eine Stichfolge „Blumensträuße“ und auch für die Herausgabe eines „Blumen- und Zeichenbuches für Frauenzimmer und Handwerker“. Dabei widmete sie sich im zunehmenden Maße auch religiösen Motiven. 

Doch ihre erstaunliche Künstlerkarriere endete schon früh. Die „Beerin“, wie sie in Nürnberg genannt wurde, starb vor 300 Jahren am 6. Dezember 1723. Sechs Tage später fand sie auf dem Nürnberger Johannisfriedhof im Familiengrab Nr. 2050 ihre letzte Ruhe, zwei Jahre vor ihrem Mann und 25 Jahre vor ihrer Mutter, die 82 Jahre alt wurde.