04.02.2026

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Folge 48-23 vom 01. Dezember 2023 / Hanns Hopp / Bauten, die Königsberg bis heute prägen / Der deutsche Architekt gestaltete ab den 1920er Jahren zahlreiche öffentliche Gebäude der aufstrebenden Handelsmetropole

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-23 vom 01. Dezember 2023

Hanns Hopp
Bauten, die Königsberg bis heute prägen
Der deutsche Architekt gestaltete ab den 1920er Jahren zahlreiche öffentliche Gebäude der aufstrebenden Handelsmetropole
Wolfgang Kaufmann

In den 1920er Jahren entstanden in Königsberg etliche neue Gebäude, welche das Bild der einstigen ostpreußischen Provinzhauptstadt teilweise bis heute prägen. Viele davon wurden von dem Architekten Hanns Hopp entworfen.

Der am 9. Februar 1890 in Lübeck geborene Sohn eines erfolgreichen Bauunternehmers entwickelte schon frühzeitig künstlerisches Talent und studierte von 1909 bis 1913 an den Technischen Hochschulen von Karlsruhe und München Architektur. Dabei kam er unter anderem mit der Formensprache der Moderne beziehungsweise der Neuen Sachlichkeit in Berührung, die aus der Abkehr vom Jugendstil wie auch der unkreativen Nachahmung historischer Stilformen re-sultierte. 

Anschließend arbeitete Hopp im Hochbauamt von Memel, wechselte jedoch schon im Sommer 1914 ins Stadterweiterungsamt von Königsberg. Dort war er vorrangig für den Brücken- und Straßenbau zuständig, was ihn ebenfalls nicht ausfüllte. Deshalb ließ Hopp sich 1919 in das Baubüro der Deutschen Ostmesse versetzen. Anschließend avancierte er zu dessen Leiter und zum bevorzugten Architekten in Königsberg, wobei er davon profitierte, dass die Stadt am Pregel zur führenden Handelsmetropole im östlichen Baltikum heranwuchs. Deshalb konnte Hopp selbst in Zeiten der Inflation große Bauprojekte realisieren und sich aufgrund seiner ebenso expressionistischen wie eleganten und funktionellen Schöpfungen einen Namen weit über die Grenzen Ostpreußens hinaus 

machen.

Zunächst entstanden 1922/23 das Abfertigungsgebäude und die Flugzeughallen auf dem ersten zivilen Flughafen Deutschlands in Königsberg-Devau. Diesen folgten der Handelshof, also jenes Büro- und Ausstellungsgebäude für die Deutsche Ostmesse, das heute als Rathaus von Königsberg [Kaliningrad] dient, das ebenfalls für die Ostmesse gebaute Haus der Technik, die beiden großen Lichtspielhäuser Capitol und Prisma, das Rentnerinnenheim in Königsberg-Maraunenhof, der Neubau der Ostpreußischen Mädchengewerbeschule, genannt „Mädchenaquarium“, das Parkhotel im Börsengarten sowie das Neue Funkhaus der Ostmarken Rundfunk AG am Hansaring, dem nunmehrigen Prospekt Mira.

Dabei agierte Hopp ab 1926 als selbstständiger Architekt, weil nach der Fertigstellung der Ostmesse größere Aufträge für das Baubüro ausblieben. Als sein Partner fungierte damals Georg Lukas, der für die finanziellen und organisatorischen Belange verantwortlich zeichnete, während Hopp alle Entwürfe lieferte.

Der Architekt galt als politisch unzuverlässig

Während der Zeit des Dritten Reiches bekam Hopp dann gar keine öffentlichen Aufträge mehr, da er als politisch unzuverlässig galt, und konzipierte deshalb nur noch Privatwohnhäuser.

1939 wurde der Architekt zum Militär eingezogen, aber bald für den Dienst in der Landesplanungsstelle Königsberg unabkömmlich gestellt. Dann arbeitete er ab 1943 für eine Betonbaufirma, die Bunkeranlagen errichtete, und nutzte deren Dresdner Niederlassung, um sich Ende 1944 aus Königsberg abzusetzen.

1946 erhielt Hopp, der mittlerweile in die Kommunistische Partei Deutschlands eingetreten war, in Dresden einen Lehrauftrag an der wiedereröffneten Hochschule für Werkkunst. Dies resultierte nicht zuletzt aus seinem ebenso bombastischen wie rigorosen Plan für den Wiederaufbau des im Februar 1945 zerstörten „Elbflorenz“. Ohne Rücksicht auf die jahrhundertealte gewachsene Struktur und den historischen Restbestand der Barockstadt wollte Hopp hier große Verkehrsachsen schaffen und riesige Hochhäuser errichten.

Zweite Karriere in der DDR

Zum Glück für Dresden wurde er aber alsbald zum Direktor der Werkkunstschule Burg Giebichenstein in Halle ernannt. Dieser versuchte Hopp ein Profil zu verleihen, das sich an den Idealen des Bauhauses orientierte. Damit begann seine zweite Karriere und der Aufstieg zu einem der einflussreichsten Architekten der späteren DDR. Meilensteine auf diesem Wege waren die Berufung an das Institut für Bauwesen der Berliner Akademie der Wissenschaften (1949), die Ernennung zum Direktor der Abteilung Hochbau am Institut für Hoch- und Städtebau in Ostberlin (1950), die Übernahme einer Meisterklasse an der Bauakademie der DDR (1951) sowie die Wahl zum Präsidenten des Bundes Deutscher Architekten 

in der DDR (1952), wobei Hopp diese Funktion bis 1966 bekleidete.

Aufgrund seiner Stellung erhielt er unablässig Aufträge für repräsentative öffentliche und andere Gebäude in dem „ersten Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden“. Dazu zählten unter anderem der Komplex der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig, das pompöse Kulturhaus „Johannes R. Becher“ des volkseigenen Betriebes Maxhütte Unterwellenborn, die Wohnblöcke E und G der Stalinallee in Berlin-Friedrichshain, die Zentralklinik für Lungenkrankheiten und Tuberkulose in Bad Berka sowie das Krankenhaus „Georgius Agricola“ im thüringischen Saalfeld. Dabei wechselte der Architekt vom Bauhausstil in einen neoklassi-zistischen Stil nach dem Vorbild des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel. 

1957 ging der inzwischen mit dem Nationalpreis ausgezeichnete Hopp in den Ruhestand.  Er starb am 21. Februar 1971 in der DDR-Hauptstadt.