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Folge 48-23 vom 01. Dezember 2023 / Istanbul / Zeugnis deutsch-türkischer Freundschaft / Unweit der Hagia Sophia und der Blauen Moschee – Vor 125 Jahren stiftete Kaiser Wilhelm II. der Stadt am Bosporus einen Brunnen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 48-23 vom 01. Dezember 2023

Istanbul
Zeugnis deutsch-türkischer Freundschaft
Unweit der Hagia Sophia und der Blauen Moschee – Vor 125 Jahren stiftete Kaiser Wilhelm II. der Stadt am Bosporus einen Brunnen
Helga Schnehagen

Ausgangspunkt für die Besichtigung Istanbuls ist in der Regel das ehemalige Hippodrom. Das mag 1898, als Kaiser Wilhelm II. auf seiner Orientreise Istanbul besuchte, kaum anders gewesen sein. Zum Andenken stiftete er einen Brunnen, der am 27. Januar 1901, seinem 42. Geburtstag, eingeweiht wurde.

Das steinerne Zeugnis der Männerfreundschaft zwischen dem Hohenzollern und dem letzten Sultan Abdul Hamid II. ist ein nationales Kunstdenkmal, das von den Türken sorgsam gepflegt wird. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten fanden schon 1921 statt, später auch unter Kenan Evren, der durch den Militärputsch von 1980 an die Macht gelangt war. Zuletzt wurde der pavillonartige Brunnen 2013 komplett restauriert.

Der acht Meter hohe neoromanisch-byzantinische Kuppelbau mit acht Säulen aus grünem Porphyr war in Deutschland in Einzelteilen hergestellt, nach Istanbul verschickt und dort an prominenter Stelle aufgestellt worden. Seit 125 Jahren hat er seinen Platz im Norden des heute zur Platzanlage reduzierten antiken Hippodroms zwischen der Sultan-Ahmed-Moschee (1590–1617), besser bekannt als Blaue Moschee, und der Hagia Sophia, einst ehemalige byzantinischen Kirche, dann Museum, jetzt Moschee. Die Hinweise auf den Stifter und den Beschenkten sind im goldenen Mosaik der Kuppel verewigt. Jeweils viermal erscheint hier das Monogramm Kaiser Wilhelms II. sowie die Tuğra, der Namenszug des Herrschers über das Osmanische Reich.

In der Blickachse in südlicher Richtung ragen in der Mitte des Hippodroms zwei Obelisken in die Höhe. Den ersten altägyptischen Obelisken hatte Kaiser Theodosius I. um 390 aus Karnak nach Konstantinopel bringen lassen, der zweite, der „Konstantinische Obelisk“, fand als gemauertes spätrömisches Denkmal ebenfalls im 4. Jahrhundert hier seine Aufstellung. 

Brunnen mit Stifternamen findet man überall in der Türkei. Diese Quellen kostenlosen sauberen Wassers galten im Nahen Osten als besonders rühmliche Wohltat. Nach den Worten von Oberhofmeister Freiherr von Mirbach „beschloss Seine Majestät, sich einer allgemeinen Not der Armen, die in diesem trockenen, heißen Jahre besonders hervorgetreten war, des Mangels an gutem Trinkwasser, anzunehmen und in der Stadt einen öffentlichen, immer fließenden Brunnen … errichten zu lassen. Am 22. Oktober früh zeichnete der Kaiser selbst auf der Dampferfahrt nach Therapia den Entwurf, ließ ihn von Professor Knackfuß etwas ausführen und überreichte die Skizze vor seiner Abfahrt dem Sultan.“

Der Brunnen war ein Gegengeschenk. Schon 1880 hatte der Sultan dem deutschen Kaiserreich im noblen Vorort Tarabya, etwa 15 Kilometer nördlich vom Istanbuler Stadtzentrum, ein Grundstück zur diplomatischen Nutzung geschenkt. Die darauf erbaute Sommerresidenz mit vier Gebäuden wird bis heute als Ort des deutsch-türkischen Dialogs genutzt. Offizielle Veranstaltungen für Kultur, Politik und Wirtschaft der Botschaft und des Generalkonsulats finden darunter im Haus des Botschafters statt.