Der frühere deutsche Fußballnationalspieler Lukas Podolski wird in Februar oder März in Kreuzberg am Kottbusser Tor eine Dönerbude eröffnen. Bereits seit 2018 betreibt Podolski zusammen mit Metin und Salih Dag die Dönerkette „Mangal“, deren Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen liegt. Allein in Köln betreibt „Mangal“ zehn Buden, in Düsseldorf drei und in Bonn zwei. Dabei verdient der inzwischen 38-Jährige zurzeit sein Geld (immer) noch als Profi-Fußballer bei Górnik Hindenburg [Zabrze] in der ersten polnischen Liga. In dem Verein spielen drei weitere Deutsche.
Viele Fußballspieler versuchen sich nach ihrem Karriereende als Trainer, andere wie Oliver Kahn als Fußballkommentatoren und -funktionäre oder eröffnen wie Christoph Metzelder und Arne Friedrich eine Werbeagentur.
Podolski zieht es in die türkische Schnellgericht-Branche: „Ich bin kein Anzugträger, deswegen würde ein Fünf-Sterne-Restaurant gar nicht zu mir passen. Als Kind der Straße habe ich schon immer gerne Döner gegessen. Andere Leute spielen lieber Golf oder haben ihre Hobbys, ich habe eben Spaß an meinen Projekten ... Schon als Kind habe ich Döner geliebt. Ich will den Döner nicht neu erfinden, aber die Zutaten müssen immer frisch und von hoher Qualität sein. Auch das gewisse Flair des Ladens ist mir wichtig“, so der Sportler.
Currywurst kaum noch zu finden
Der Ex-Nationalspieler ist auch sonst recht umtriebig. Er unterhält ein Eiscafé und ein Bekleidungsgeschäft, das Modelabel „Straßenkicker“ und eine Speiseeismarke. Der in Nord-Neukölln lebende Comedian Felix Lobrecht glaubt indes, dass der von Podolski gewählte Standort für die Berliner Dönerbude Probleme bringen wird: „Wer auch immer ihm die Idee vorgeschlagen hat – den würde ich einfach mal unbefristet beurlauben ... Und außerdem ist die Filiale direkt an dem Crack-Hotspot – genau an dem U-Bahn-Ausgang Richtung Reichenberger Straße. Da sind wirklich nur Junkies, Dealer und Alkoholiker. Du kommst aus dem U-Bahnhof raus und siehst Heroin, Spritzen – und den Dönerladen.“ Podolski wischt solche Einwände weg: „In Berlin kannst Du nichts falsch machen.“
Seine Läden kassieren in Köln für einen Döner stolze 8,50 Euro. Diesen Preis wird er in Berlin kaum durchsetzen können. An der Spree kostet das mit Fleisch und Salat gefüllte Fladenbrot zurzeit etwa sieben Euro. In der Hauptstadt konkurrieren bereits mehr als 1000 Kebabbuden miteinander, und auch am „Kotti“ werben bereits zahlreiche Dönerstände um Kundschaft.
1972 soll Kadir Nurman am Bahnhof Zoo als Erster sein Fladenbrot mit Kalbfleisch gefüllt und verkauft haben. Erst später kamen Salat und Soße dazu. Inzwischen sind zusätzlich Lachs-Döner, vegane Döner mit Saitan oder auch Trüffel-Döner auf dem Markt. Die zahllosen Dönerbuden haben in Berlin die früher reichlich vorhandenen Currywurststände verdrängt. Der Betreiber einer nun auf privatem Gelände stehenden Wurstbude, der anonym bleiben möchte, beklagt sich darüber, dass die Genehmigungsbehörden bei der Verdrängung nachgeholfen hätten. Aber wenn man sie sucht, findet man sie noch: die gute alte Currywurst.


