Die Zahl der Verkehrstoten in Berlin sank 2023 gegenüber dem Vorjahr von 34 auf 33. 2021 waren es 40, ein Jahr zuvor 50. Zu den Toten des Jahres 2023 zählten zwölf Fahrradfahrer. Liegt das daran, dass die Radfahrer die „Schwächeren“ sind? Bereits vor zwölf Jahren lokalisierte der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) das Problem woanders: „Unverkennbar gibt es eine deutlich wahrnehmbare Gruppe von Radfahrern, die nicht der Meinung sind, dass rote Ampeln, Vorfahrtregelungen und sogar Geschwindigkeitsbegrenzungen in Ortschaften auch für sie gelten.“
Seit rot-grüne Politiker die Radfahrer gewissermaßen zu besseren Menschen erhoben haben, hat sich das Problem ausgeweitet. Gereon Asmuth von der „taz“ gab dazu schon vor gut zehn Jahren die Parole aus: „Radfahrer bräuchten keine Ampeln. In einer utopischen Stadt ohne motorisierten Verkehr würde ,Rechts vor Links‘ reichen. Denn Radler sind wendig, stets im Fluss, wie Fische im Schwarm. Dynamisch und selbstverantwortlich nutzen sie jede Gelegenheit für den Fortschritt und schaffen so gleichzeitig Platz für den Hintermann.“
Soweit die grüne Utopie, doch die wahre Welt präsentiert sich anders: Nicht nur die Missachtung der roten Ampel durch Radfahrer ist eine Verkehrsgefährdung. Die Radler nutzen auch dann den Fahrdamm, wenn für sie ein eigener Radweg eingerichtet wurde. Mütter mit ihren mit Kleinkindern beladenen Lastenrädern machen sich dort auch breit. Manche glauben ernsthaft, mit ihrem Tun ein Beitrag zur Rettung der Welt zu leisten.
Die Geduld und Langmut der Autofahrer ist wohl dafür verantwortlich, dass es in Berlin 2023 nur zwölf tote Radfahrer zu beklagen gab. Die Polizei ignoriert Verkehrsübertretungen von Radfahrern meist konsequent. Asmuth nennt das „Regelverstöße, die Leben retten“ und meint lapidar: „Diese Kampfradler fahren ständig über Rot.“ Ist hier die Grenze zur Aufforderung zu einer Straftat überschritten?


