30.04.2026

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Folge 01-24 vom 05. Januar 2024 / Ausstellung / Ein Maler der Besinnlichkeit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-24 vom 05. Januar 2024

Ausstellung
Ein Maler der Besinnlichkeit
Veit-Mario Thiede

Dieric Bouts (um 1415–1475) war einer der führenden Meister der altniederländischen Malerei. Für die Peterskirche der belgischen Stadt Löwen schuf er zwei farbenprächtige Triptychen. Sie sind für die Sonderausstellung „Dieric Bouts – Bildermacher“ in das Museum „M Leuven“ umgezogen, in dem sie als erstes beziehungsweise letztes Werk zu sehen sind.

Nie zuvor waren so viele Werke von Bouts und seinen Mitarbeitern in einer Schau zu sehen. Zu diesen 30 Gemälden aus internationalen Sammlungen treten Werke seiner beiden Söhne, von Zeitgenossen und Nachfolgern. Hinzu treten Fotografien und Filmausschnitte. Aber das Unterfangen ist wenig erhellend. Da hängt zum Beispiel das von Bouts und seiner Werkstatt geschaffene Andachtsbild „Christus mit Dornenkrone“ (um 1470). Aus den geröteten Augen rollen die Tränen. Nebenan wird ein Foto des nach einem siegreichen Radrennen von den Anstrengungen gezeichneten Eddy Merckx präsentiert. Auf den ersten Blick sehen sich die Gesichter ähnlich. Aber schnell wird einem der himmelweite Unterschied bewusst. Christus steht der Opfertod zur Erlösung der Menschheit bevor. Merckx hat beim Radfahren gewonnen.

Wegen der zurückhaltenden Mimik vieler Figuren wird Bouts als „Maler der Stille“ bezeichnet. „Maler der Besinnlichkeit“ wäre treffender. Denn oft stellen die Figuren frommes Nachsinnen zur Schau. Aber Bouts konnte auch anders, wie „Die Verdammten“ (1469/70) demonstrieren. In der Hölle wimmern, klagen und brüllen die von fürchterlichen Ungeheuern gepeinigten Verdammten. Einige scheinen vor Angst, Verzweiflung und Schmerz bereits dem Wahnsinn verfallen zu sein.

Den Schlusspunkt setzt das berühmte „Triptychon des Heiligen Sakraments“ (1464–1468), das Bouts im Auftrag und gemäß den Motivvorgaben der Bruderschaft des Allerheiligsten Sakraments schuf. Auf den beiden Seitenflügeln sind je zwei Szenen aus dem Alten Testament zu sehen, die auf das letzte Abendmahl vorausweisen. In der Mitteltafel ist Christus mit seinen Jüngern in einer guten Stube Löwens zu Gast. Magisch wird unser Blick von der Hostie angezogen, die Christus mit Daumen und Zeigefinger der Linken über dem Abendmahlskelch balanciert und mit der Rechten segnet.

Nur noch bis 14. Januar im M Leuven, Katalog, 59 Euro. www.mleuven.be