30.04.2026

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Folge 01-24 vom 05. Januar 2024 / Wichard von Möllendorff / Preußischer General dreier Könige / Der vor 300 Jahren geborene Generalfeldmarschall bestand vom Schlesischen Krieg bis Jena und Auerstedt zahlreiche Schlachten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-24 vom 05. Januar 2024

Wichard von Möllendorff
Preußischer General dreier Könige
Der vor 300 Jahren geborene Generalfeldmarschall bestand vom Schlesischen Krieg bis Jena und Auerstedt zahlreiche Schlachten
Bernhard Knapstein

Einer der kultiviertesten und in der preußischen Armee angesehensten Generäle war der am 7. Januar 1724 in Lindenberg in der Prignitz geborene Wichard von Möllendorff. Mit 16 Jahren kam er an den Hof Friedrich des Großen, dem er als Page diente. Dass Möllendorff dem Französischen zugeneigt war, dürfte bei Hofe nicht schädlich gewesen sein.

Wie im Adel üblich erhielten die jungen Zöglinge im Berliner Kadettenkorps ihre militärische Ausbildung für das Offizierskorps. Seine Feuertaufe erlebte Möllendorff als Fähnrich im Zweiten Schlesischen Krieg. Kurz darauf wurde er zum Hauptmann befördert. Die nächste Bewährungsprobe bestand der inzwischen 33-jährige Offizier im Siebenjährigen Krieg. Möllendorff wendete am 5. Dezember 1757 in der Schlacht bei Leuthen mit einem Durchbruch seines III. Garde-Bataillons, das den Friedhof einnahm, den für Preußen zunächst ungünstigen Schlachtverlauf. Nach dem Sieg Preußens verlieh Friedrich II. Möllendorff den Pour le Mérite und beförderte ihn zweieinhalb Wochen darauf nach der Belagerung Breslaus zum Major.

Dienst unter Friedrich dem Großen

Möllendorff zeichnete sich erneut aus in der Niederlage bei Hochkirch im Oktober 1758. 1760 erstürmte der Offizier, inzwischen Oberstleutnant und Garde-Regimentskommandeur, in der blutigen Schlacht bei Torgau beherzt die Siptitzer Höhen, wo er allerdings in Gefangenschaft geriet. Das Vertrauen des Königs hatte er dadurch keineswegs verloren, denn nach dem Austausch der Gefangenen Anfang 1761 ernannte dieser ihn zum Oberst und kein halbes Jahr darauf zum Generalmajor. In der Schlacht bei Burkersdorf im Juli 1762 bewehrte sich Möllendorff erneut.

In einem Brief General Ernst von Rüchels an Friedrich II. würdigte er Möllendorff, der im Bayerischen Erbfolgekrieg ein Korps des Prinzen Heinrich führte, als leutselig und bescheiden. Friedrich der Große beförderte ihn zum Generalleutnant und ernannte ihn zum Chef der wichtigen Berliner Inspektion. Damit unterstanden ihm sämtliche Regimenter und militärischen Einrichtungen der Stadt.

Möllendorff beeindruckte die einfachen Soldaten sowie Offiziere gleichermaßen, indem er ungeachtet der harten Zeit der Kriege und des Drills in Friedenszeiten die Offiziere zu einer milden Behandlung der Soldaten anmahnte. Nicht Tyrannei, sondern Ambition sei das Maß soldatischer Führung. Drakonische Strafen lehnte er weitgehend ab. „Ihro Majestät der König haben keine Schlingel, Canailles, Racailles, Hunde und Kroppzeug im Dienste, sondern rechtschaffene Soldaten“, argumentierte Möllendorff seiner Zeit deutlich voraus.

Dienst unter Friedrich Wilhelm II.

Mit dem Tode Friedrichs II. hatte auch Preußen mit neuen Herausforderungen zu tun. König Friedrich Wilhelm II. musste sich im Osten mit Polen und im Westen mit der französischen Revolution befassen. 1793 entsandte er Generalfeldmarschall Möllendorff mit der Armee nach Polen, um Danzig, Thorn, Großpolen und Masowien im Rahmen der sogenannten zweiten polnischen Teilung abzusichern, doch bereits im Januar 1794 übernahm der Generalfeldmarschall das Kommando über die Truppen in der Pfalz. Möllendorff war zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Karriere, hatte große Siege mit errungen und war vom König entsprechend belohnt worden. 1754 schon hatte Friedrich II. ihm eine Domherrenstelle zu Havelberg, eine jährliche Pension von 1000 Talern und eine Amtshauptmannschaft verliehen. 1782 wurde er Dompropst zu Cammin und Gouverneur von Berlin, ein Amt, das er bis zum Zusammenbruch Preußens 1806 bekleidete. 

Friedrich Wilhelm II. drohte angesichts der Herausforderungen der polnischen Teilung, des Zweifrontenkrieges, der Reichspflichten, des Dauerzwists mit Österreich sowie der finanziellen und militärischen Erschöpfung den Überblick zu verlieren. Zum Jahreswechsel 1794/95 hatten sich die Preußen fast ungeschlagen auf die Rheingrenze zurückgezogen. „Aus Müdigkeit und Mattigkeit unterliegen unsere Truppen siegend“, so Möllendorff. Man müsse den Krieg beenden, da sonst der Geist der Revolution noch weiter um sich greife. In dieser Situation überließ der König dem Generalfeldmarschall die Initiative.

Der das Französische fließend beherrschende Generalfeldmarschall hatte bereits im August 1794 die Möglichkeiten eines Friedens zu sondieren begonnen. Selbst verwegene Offiziere wie Rüchel, Hohenlohe und Blücher waren am Ende dieses Krieges abgekämpft und betrachteten das Bündnis mit Österreich als Verrat an der friderizianischen Politik. Preußen beendete das Ringen am Rhein mit dem Sonderfrieden von Basel im April 1795 und zog sich auf die Linie Ostfriesland, Münster, Kleve, Limburg bis zum Main zurück. 

Dienst unter Friedrich Wilhelm III.

Als Napoleon 1806 Europa mit Krieg überzog, machte der greise General, der inzwischen dem dritten König diente, keine gute Figur – doch damit war er nicht allein. Der 82-Jährige war an der Seite Friedrich Wilhelms III., als Napoleon in Jena und Auerstedt die Preußen vernichtete und gab den fliehenden Truppen den Weg ins ungünstige Erfurt frei, wo nur noch die schmachvolle Kapitulation blieb. Noch zwei Jahre zuvor hatte Möllendorff eine Manöverdisposition verfasst, welche die fehlende Weiterentwicklung des Militärs geradezu dokumentierte. 

Möllendorff und auch Rüchel hatten unter Friedrich II. das Kriegshandwerk gelernt, sich und ihre Truppen aber nicht weiterentwickelt. Dass Möllendorff in Berlin auch noch von Napoleon das Großkreuz der Ehrenlegion annahm, verübelten ihm vor allem Patrioten. Der hochbetagte General erlebte noch die Reorganisation der Truppen mit, war aber an den Befreiungskriegen nicht mehr beteiligt. 

Der Kinderlose adoptierte 1813 seine Urgroßneffen Hugo, Ottocar und Arnold von Wilamowitz. Dadurch kam es – mit königlichem Einverständnis – zum Doppelnamen Wilamowitz-Möllendorff. Am 28. Januar 1816 starb Wichard von Möllendorff 92-jährig in Havelberg und wurde in einem Mausoleum im Park von Schloss Gadow bestattet. Nach ihm hatte Friedrich der Große das hinterpommersche Dorf Möllendorf [Młyny] benannt.