25.01.2026

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Folge 01-24 vom 05. Januar 2024 / Weihnachten / Die Sternsinger / Eine Erzählung von Erhard Riemann aus dem LO-Arbeitsbrief „Zeit der Hoffnung – Zeit der Freude“

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-24 vom 05. Januar 2024

Weihnachten
Die Sternsinger
Eine Erzählung von Erhard Riemann aus dem LO-Arbeitsbrief „Zeit der Hoffnung – Zeit der Freude“

Im Südteil Ostpreußens, aber auch in anderen Gegenden, gingen bis zum letzten Kriege in den Weihnachtstagen die „Sternsinger“ um. Man nannte sie auch „Sternjungens“ oder die „Weisen aus dem Morgenland“. 

Einer von ihnen trug auf einer Stange einen drehbaren Papierstern, in dem ein Licht brannte. Die Begleiter des Sternträgers waren die Heiligen Drei Könige. Sie hatten weiße Hemden an und goldene Papierkronen oder hohe, spitze Papiermützen auf. Einer von ihnen hatte sein Gesicht schwarz gemacht. Er trug vielfach ein an der Spitze blutigrot gefärbtes Schwert, was an den Kindermord des Herodes erinnern sollte, und eine kleine Puppenwiege mit einer Puppe darin. Ein anderer spielte auf dem „Brummbass“, einem Lärminstrument, bei dem auf ein Brett Draht- und Bindfadensaiten über eine zugleich als Steg und Resonanzboden dienende Zigarrenkiste gespannt waren. In manchen Gegenden haben die Sternsinger an Stelle des Brummbasses einen „Brummtopf“ mitgeführt, ein gleichfalls als Geräuschinstrument dienendes Fässchen, bei dem ein Boden mit Schweinsblase oder Leder überzogen und ein Schweif von Pferdehaaren aus der Mitte dieses Überzuges herausgeführt wurde. Zu den Brummtönen ihres Instrumentes trugen sie in eintönigem Sprechgesang ihre altertümlichen Lieder vor, die meistens mit der Strophe begannen: „Wir treten herein ohn‘ allen Spott! Einen schönen, guten Abend, den geb‘ uns Gott, einen schönen, guten Abend, eine fröhliche Zeit, die unser Herr Christus hat bereit‘t!“

Die Umzüge der Sternsinger gehen wohl auf alte szenische Spiele zurück. Von ursprünglicher Handlung waren aber nur noch kümmerliche Reste vorhanden. In manchen Dörfern des Oberlandes wurde dabei auch der Kindermord zu Bethlehem drastisch vorgeführt. Aber auch Reste des mittelalterlichen Kindelwiegens lebten in den ostpreußischen Sternsingerspielen. Im Osten der Provinz, in der Gegend um Treuburg, schaltete man nach der Begrüßung das schöne, wohl aus dem 17. Jahrhundert stammende Lied von der Himmelstür ein. Auch Spuren alter Hanswurstszenen ließen sich bisweilen in den Sternsingerspielen beobachten. Die Sternsinger- oder Dreikönigsspiele, die sich mit erstaunlicher Zähigkeit in mündlicher Überlieferung von Generation zu Generation erhalten hatten, gehen auf kirchliche Spiele des späteren Mittelalters zurück.

In Masuren wurden neben den volkstümlichen Szenen der Sternsinger auch alte Krippenspiele in den Kirchen aufgeführt.

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