Bei einem privaten Sammler in Litauen gibt es einen Teil eines goldbestickten Kleides von Königin Luise mit dazugehörender Beschreibung auf Englisch zu sehen. Der litauische Sammler, der namentlich nicht genannt werden möchte, kaufte das Exponat in den USA. Der dortige Verkäufer verfügte über mehrere Teile eines Nachlasses, vermutlich des Ururenkels des Kaufmanns Heinrich Beerbohm als Erben, doch leider konnte er keinerlei Auskünfte zum Nachlassgeber erteilen.
Auf der Rückseite des Exponats ist Folgendes in der deutschen Übersetzung zu lesen:
„Notizen zu dem goldbestickten Kleid, das Königin Luise von Preußen von den Geschäftsleuten geschenkt wurde, aufgezeichnet von Marie Luise Stoll, geborene Ancker.
Als unglückliches Ergebnis der Schlachten von Jena und Auerstadt mussten der König und die Königin nach Memel fliehen, wo die Geschäftsleute beschlossen, der Königin ein goldbesticktes Kleid als Zeichen ihrer Treue und Ergebenheit zu überreichen. Das Material dieses Kleides war weißer Tüll, bestickt mit goldenen Sternen, und hatte einen breiten Rand von etwa 45 Zentimetern aus goldgestickten Zierblättern. Doch bevor das Geschenk beendet werden konnte, starb die Königin.
Das Kleid gelangte damals in den Besitz meines Ururgroßvaters, des Kaufmanns Heinrich Beerbohm, der es erwarb. Ich habe es geerbt.
Im Jahr 1913 wurde das Kleid anlässlich der Hundertjahrfeier des Befreiungskrieges in Königsberg an prominenter Stelle ausgestellt und erregte allgemeine Bewunderung, insbesondere bei Angehörigen des Hauses Hohenzollern.
Da das Kleid an einigen Stellen etwas beschädigt war, wurde es an die Großherzogliche Badesche Spitzenschule in Karlsruhe geschickt. Aufgrund seines großen historischen und künstlerischen Wertes wurde das Kleid kostenlos zur Verfügung gestellt.
Die Schule erklärte, dass das Kleid, das damals die Bewunderung der Großherzogin von Baden hervorrief, wahrscheinlich in Spanien von den dort ansässigen und in dieser Art von Arbeit besonders geschickten Juden angefertigt worden sei. Gleichzeitig wurde bekannt, dass außer diesem Kleid nur zwei weitere Stickereien bekannt waren, eines davon im Londoner Museum und eines im Berliner Museum.
Als ich nach Kriegsende 1945 meine Heimat Königsberg verlassen musste, konnte ich diesen wertvollen Familienbesitz mitnehmen.“PAZ


