01.05.2026

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Folge 02-24 vom 12. Januar 2024 / Transplantations-Industrie / Ein rasant gewachsener Wirtschaftszweig / Der chinesische Markt für Organverpflanzungen hat sein Volumen in wenigen Jahren vervielfacht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-24 vom 12. Januar 2024

Transplantations-Industrie
Ein rasant gewachsener Wirtschaftszweig
Der chinesische Markt für Organverpflanzungen hat sein Volumen in wenigen Jahren vervielfacht

In den 1990er Jahren wurde das Gesundheitssystem der Volksrepublik China weitgehend privatisiert. Angesichts dessen suchten sich die Krankenhäuser lukrative Einnahmequellen, wozu auch Organtransplantationen gehörten. Beispielsweise verpflanzte der Chirurg Tan Jianming vom Fuzhou General Hospital der Volksbefreiungsarmee in Nanjing innerhalb weniger Jahre 4200 Nieren. 

Auf die gleiche Zahl brachte es eine Klinik in Peking in nur zwölf Monaten. Daraus resultierten erhebliche Umsatzzuwächse. Das Transplantationszentrum der Zentralklinik des chinesischen Militärs in Peking verachtfachte seine Einnahmen durch Transplantationen zwischen 2006 und 2010. Und das Daping-Krankenhaus in Chongqing steigerte den Umsatz bei Organverpflanzungen innerhalb von zehn Jahren um den Faktor 25. 

Damit die Gelder noch reichlicher fließen konnten, stockten die Kliniken ihre Bettenzahl auf. So hat das Erste Zentralhospital in Tianjin ein ganzes Gebäude mit 500 Betten nur für Transplantationspatienten hochgezogen. Außerdem wurden landesweit Ärzte für die Eingriffe geschult. Allein die Tongji-Klinik in Wuhan bildete pro Jahr 27 Transplantationschirurgen aus.

Diese Experten erwirtschaften nun erhebliche Summen. Für eine Nierenverpflanzung berechnen die Krankenhäuser im Durchschnitt umgerechnet 70.000 US-Dollar, während sie für den „Austausch“ von Lungen, Lebern und Herzen bis zu 180.000 Dollar pro Operation verlangen. Damit bewegen sie sich preislich auf ähnlichem Niveau wie die Transplantationskliniken in der Bundesrepublik. Hierzulande zahlen die Krankenkassen im Durchschnitt 186.000 Euro für eine Organverpflanzung samt Nachsorge innerhalb der folgenden zwölf Monate.

Mit Blick auf die Verhältnisse in China sagte der damalige Stellvertretende Gesundheitsminister Huang Jiefu bereits 2005: „Dass Krankenhäuser an Transplantationen verdienen, liegt im Trend.“ Die Kliniken revanchieren sich dafür bei der Regierung mit Dankesbotschaften, aus denen hervorgeht, dass sie genau wissen, woher die Organe stammen. So schreibt die China Medical University in Shenyang auf ihrer Internetseite: „Angesichts der Möglichkeit, jedes Jahr eine große Anzahl von Transplantationen durchführen zu können, müssen wir der Regierung für ihre Unterstützung danken. Insbesondere haben der Oberste Volksgerichtshof, die Oberste Volksstaatsanwaltschaft, das Büro für öffentliche Sicherheit, das Justizsystem, das Gesundheitsministerium und das Ministerium für Zivile Angelegenheiten gemeinsam Gesetze erlassen, welche die Organbeschaffung unter staatlichen Schutz stellen.“ W.K.