Deutschlands größter Hersteller von Ammoniak und Harnstoff, die SKW Stickstoffwerke Piesteritz, hat erneut mit einer Verlagerung der Produktion nach Österreich gedroht. Nach Firmenangaben kann bei den hohen Gaspreisen nicht mehr wettbewerbsfähig Ammoniak-Dünger hergestellt werden, wenn die Politik nicht gegensteuert.
Laut dem SKW-Sprecher Christopher Profitlich konnte das Unternehmen in Wittenberg-Piesteritz (Sachsen-Anhalt) bisher drastische Maßnahmen wie Kurzarbeit für die 860 Mitarbeiter umgehen. Die Aussichten für das Jahr 2024 schätzt der Sprecher jedoch als „wenig verheißungsvoll“ ein. Durch die hohen Gaspreise sei eine international wettbewerbsfähige Produktion von Ammoniak und Dünger schwer, so Profitlich. Österreich hat seine Gasimporte aus Russland zwar ebenfalls reduziert, verzichtet aber bislang nicht vollständig auf russisches Gas. Im Schnitt liegen die Gaspreise in Österreich rund 20 Prozent niedriger als in der Bundesrepublik. Auf die hohen Gaspreise hatten die Stickstoffwerke Piesteritz mit einer zeitweiligen Drosselung und sogar mit einem vorübergehenden Stopp der Produktion reagiert.
Die Leitung des Unternehmens hatte bereits im September 2023 erklärt, SKW müsse den Standort verlassen, „wenn die deutsche Gesellschaft nicht aus ihrem Dornröschenschlaf“ aufwache: „Viele Unternehmen verlassen Deutschland auf leisen Sohlen. Das wollen wir nicht. Wir wollen nicht raus“, so Profitlich im Herbst. In Medienberichten wurde als möglicher neuer Standort der SKW-Produktion Linz in Oberösterreich genannt.
Als Reaktion hatte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze den Bund aufgefordert, Lösungen zu finden. Der CDU-Politiker bezeichnete die Stickstoffwerke als ein „extrem wichtiges Unternehmen in Ostdeutschland“, dessen Geschäftsgrundlage nicht verloren gehen dürfe. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat sich bereits in einem Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gewandt und seine Sorge um den Wirtschaftsstandort Deutschland geäußert. Wie SKW-Sprecher Profitlich erklärte, ist eine Unterstützung durch die Bundespolitik allerdings bislang ausgeblieben.
Neben den hohen Energiekosten macht den hiesigen Düngemittelherstellern auch die Sanktionspolitik gegen Russland zu schaffen. Zunächst hatte Brüssel die Einfuhr russischer Düngemittel in die EU untersagt, eine Ausfuhr in sogenannte Drittstaaten war von den Sanktionen jedoch nicht betroffen. Als Folge machten russische Düngemittel, die zu sehr günstigen Energiepreisen produziert werden können, Düngern aus EU-Ländern auf dem Weltmarkt scharfe Konkurrenz.
Als Teil der ausgelaufenen Vereinbarung zur Ausfuhr von ukrainischem Getreide hob die EU schließlich auch das Importverbot für russischen Dünger auf. Seitdem klagen Hersteller in der EU darüber, dass sie mit hohen Energiepreisen zu kämpfen haben, während billiger russischer Dünger den europäischen Markt überschwemme. H.M.


