Wer Berlin an Silvester miterlebt hat, fragt sich, ob er halluziniert hat, wenn er die Berichte über die friedlichen Feiern las. In der ganzen Stadt wurden Polizisten und Feuerwehrleute attackiert. Insgesamt gab es mindestens 1568 Polizeieinsätze. Das sollen 119 Einsätze weniger als im vergangenen Jahr gewesen sein. Das verkauften Politik und Medien als großen Erfolg, obwohl der von einem nie dagewesenen Aufgebot von 5000 Polizisten und 1500 Feuerwehrmännern erreicht wurde.
Wie man überhaupt von Erfolg sprechen kann bei mindestens 663 Bränden und mehr Rettungseinsätzen (861) als es im letzten Jahr gegeben hat? Es gab mehr als 400 Festnahmen, viele wegen Verstoßes gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. Im ganzen Stadtgebiet kam es zu „heftigen Explosionen“ von importierten Feuerwerkskörpern und illegalen Kugelbomben. Es wurden mehrere fast fertige Molotow-Cocktails entdeckt, bevor die zum Einsatz kommen konnten. Eine Kugelbombe beschädigte ein Polizeifahrzeug so stark, dass es aus dem Verkehr gezogen werden musste.
So sieht eine „relativ ruhige Nacht“ in der Frontstadt Berlin aus, die von der Feuerwehr als „normales“ Silvestergeschehen beschönigt wird. Schließlich wurden nur 30 Übergriffe auf Feuerwehrmänner verzeichnet. Es ist das neue Normal, das uns hier untergejubelt werden soll. Und ein Delegitimierer der Staatsmacht ist, wer sich erinnert, dass die Feierlichkeiten zur Jahrtausendwende ohne Gewalttätigkeiten auskamen. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner muss dennoch keine kritische Nachbetrachtung fürchten, denn zum Jahresbeginn wurden Gerüchte über das „süßeste Liebesgeheimnis“ Berlins gestreut. Wegner und welche der Senatorinnen wurde gerätselt, bis die Bildungssenatorin Günther Wünsch als die Neue an seiner Seite vorgestellt wurde. Das perfekte Ablenkungsmanöver.


