Wenn es in den USA zu hochriskanten Situationen wie Geiselnahmen, bewaffneten Raubüberfällen, Amokläufen oder heftigen Schusswechseln kommt, mit denen die normalen Streifenpolizisten überfordert sind, dann werden Sondereinheiten alarmiert, welche ähnlich wie die deutschen Spezialeinsatzkommandos (SEK) vorgehen. Diese Teams agieren unter dem Kürzel Special Weapons And Tactics (SWAT) und treten nicht selten recht brachial auf – insbesondere dann, wenn von den Tätern eine hohe Gefahr für die Allgemeinheit oder die Beamten auszugehen scheint. Daraus resultieren manchmal auch vermeidbare Todesfälle.
Letzteren Umstand versuchen in den USA nun verstärkt Gegner von republikanischen Politikern oder konservativen Prominenten auszunutzen: Sie täuschen immer wieder Notsituationen vor, damit die Polizei ein SWAT-Team losschickt, und hoffen, dass dieses auf die „Zielperson“ schießt. Ende Dezember ereigneten sich gleich drei solcher Vorfälle.
Der republikanische Abgeordnete Brandon Williams, welcher den 22. Distrikt des Bundesstaates New York im US-Repräsentantenhaus vertritt und dort in drei Ausschüssen sitzt, wurde am Ersten Weihnachtsfeiertag das Opfer anonymer Täter, die gemeldet hatten, in seinem Haus finde eine Schießerei statt. Klugerweise informierte der örtliche Sheriff Williams vor dem Eintreffen der SWAT-Einheit, sodass es zwischen dem Politiker und den Beamten zu keinen gefährlichen Missverständnissen kam.
Williams machte für die Aktion Unterstützer der Demokraten verantwortlich. Wörtlich sagte er: „Wenn das um 3 Uhr morgens passiert wäre, hätte es ganz anders ausgehen können.“
Mittlerweile bereits zum achten Mal bekam die in linken Kreisen besonders verhasste Republikanerin Marjorie Taylor Greene, die wie Williams im Repräsentantenhaus sitzt und dort den Bundesstaat Georgia vertritt, kürzlich Besuch von SWAT-Leuten. Diesmal, weil ein Mann angab, er habe seine Freundin in Greenes Haus erschossen. Bei den Anrufen zuvor hieß es unter anderem, auf dem Grundstück der Abgeordneten lägen mehrere Leichen. Auch hier reagierten die örtlichen Sicherheitskräfte zum Glück ebenso vorausschauend wie vorsichtig.
Ein weiteres Opfer des sogenannten Swatting wurde der beliebte konservative Moderator und Kommentator Jack Posobiec. Unbekannte behaupteten gegenüber der Polizei, Posobiec habe seine Eltern erschossen und wolle nun auch Frau und Kind ermorden.
Wie viele falsche Notrufe derzeit in den USA abgesetzt werden, um Personen des politischen Lebens in Gefahr zu bringen, ist unbekannt, denn es gibt keine entsprechende Statistik. Allerdings offenbarten in letzter Zeit noch etliche weitere Konservative neben Williams, Greene und Posobiec, dass ihnen Ähnliches widerfahren sei. Angesichts der offensichtlichen Zunahme derartiger perfider Taten mehren sich nun die Forderungen nach schärferen Gesetzen zur Ahndung des Swatting. Und das ist auch durchaus nachvollziehbar, weil es hier im Grunde um nichts Geringeres als versuchten Mord geht.


