Eine Rechnung über 29.000 Euro GEMA-Gebühren anstelle der bisherigen 1500 Euro? Wie der Nürnberger Christkindlesmarkt hatten zum Jahresende viele Weihnachtsmärkte Rechnungen in fünfstelliger Höhe von der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) erhalten und protestierten medienwirksam dagegen. Aus Protest wichen sie auf volkstümliche traditionelle Weihnachtslieder wie „Alle Jahre wieder“ aus sowie auf Titel, deren Urheberrechte nach 70 Jahren ausgelaufen sind. Für die fallen keine GEMA-Gebühren an.
Was für viele Musikliebhaber ein Ärgernis darstellt, ist für Künstler dagegen überlebenswichtig, da die GEMA ihre Interessen vertritt. Gegründet wurde der Verein 1915. Zu seinen Aufgaben gehört in Deutschland die Verwaltung der Nutzungsrechte aus dem Urheberrecht von etwa 90.000 Mitgliedern und zwei Millionen Rechteinhabern aus aller Welt, in der Regel Komponisten, Textdichter und Musikverleger. Der ostpreußische Komponist Walter Kollo gehörte zum Aufsichtsrat der Organisation.
Von den Einnahmen zahlt die GEMA laut eigenen Angaben 40 Prozent an Mitglieder und 60 Prozent an andere Berechtigte. Im Jahr 2020 erwirtschaftete sie rund 959 Millionen Euro und schüttete aus dieser Summe abzüglich der Verwaltungsgebühren knapp 807 Millionen an Mitglieder und weltweite Rechteinhaber aus, wobei die Ausschüttung nach einem komplexen Verteilerschlüssel erfolgt.
Was viele nicht wissen, ist, dass auch bei einem Straßenfest, einer Party, einer Hochzeit oder Firmenfeier GEMA-Gebühren anfallen. Es ist also ratsam, eine solche Veranstaltung bei der GEMA anzumelden, um Nachforderungen zu vermeiden. Da die Onlinenutzung über Musik-Streamingdienste in den letzten Jahren enorm gestiegen ist, hat die GEMA 2019 die Gebühren hierfür um 50 Prozent erhöht. Über Onlinedienste verdienen die Urheber relativ wenig. Von einer Millionen Klicks landen im Durchschnitt lediglich 3398 Euro beim Künstler. Am Verkauf der Titel verdienen die Plattenfirma, der Händler, die GEMA und der Vertrieb kräftig mit. 30 Prozent der Nettoeinnahmen verbleiben beim Streaming-Anbieter, 42,4 Prozent gehen an die Plattenfirma, 12,7 Prozent an Interpreten, 9,7 Prozent an den Urheber. Laut finanzen.net muss ein Lied bei YouTube 1612-Mal aufgerufen werden, um dem Künstler einen Euro einzubringen. Bei Spotify sind es 254 Klicks. Von daher erhält die Gebührenerhebung für die Benutzung der Lieder bei Veranstaltungen, im Fernsehen oder Radio für die Künstler wachsende Bedeutung.
Radiosender, Verbände oder Organisationen und Vereine schließen meist Pauschalverträge mit der GEMA. Auch Fitness-Studios verfügen in der Regel über solche Verträge, selbstständige Trainer müssen sich jedoch selbst um die Lizensierung ihrer Musiklisten kümmern. Für einen Kurs mit 15 Teilnehmern und 20 Kursstunden im Monat beispielsweise fallen rund 60 Euro Gebühren an.
Kritik gab es, weil selbst für Kitas GEMA-Gebühren anfallen, wenn sie Lieder von Rolf Zuckowski spielen wollen. Für sie lohnt sich ein Vertrag jedoch nicht, und die Einzelanmeldung ist oft zu aufwendig.


