Von „Grün“ ist derzeit viel die Rede. Von Waldsterben, Borkenkäfer, Trockenheit, Klimaschutz und nicht zuletzt von der „grünen“ Regierungspartei. Da liegt es nahe, eine Ausstellung über „Grünzeug“ in der Kunst zu organisieren. Nun ist das ein sehr weites Feld, denn wir sind tagtäglich von Pflanzen umgeben, und sehr häufig tauchen diese somit auch in Gemälden, Zeichnungen, Drucken oder Fotografien auf. Dieses Feld müsste man also eingrenzen, um es für den Betrachter erfassbar zu machen. Leider gelingt das der Schau im Hessischen Landesmuseum Darmstadt nicht. Es reiht sich vielmehr ein wenig zusammenhängendes Sammelsurium an Kunstwerken und Ausstellungsstücken zum Thema „Grün“ aneinander. 125 Werke von über 50 derart unterschiedlichen Künstlern vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart sind offenbar in der gezeigten Bandbreite zu viel.
So begegnen einem zum Beispiel Kupferstiche des 15. Jahrhunderts, in denen die Gottesmutter Maria in einem idealisierten Renaissance-Garten sitzt. Der „Hortus conclusus“ wird als Zeichen der Jungfräulichkeit von einer breiten Mauer geschützt. Dann sieht man das Spiel mit der Blattornamentik bei den Majuskel-Buchstaben Israhel von Meckenems (1440–1503).
Ebenso kann man diverse Pflanzenstudien des 16. bis 18. Jahrhunderts betrachten. Auch ein Adam und Eva darstellender Kupferstich Albrecht Dürers ist zu sehen. Frans Masereel (1889–1972) nutzte wiederum die Früchte des Gartens ganz sparsam für seine Holzschnitt-Reihe über die menschlichen Sinne. Der Geschmackssinn wird durch eine nackte Frau, einen Apfel essend, dargestellt, der Geruchssinn durch deren Schnuppern an einer Irisblüte. Der aus dem schlesischen Liebau (in der Ausstellung nur geschichtsvergessen als „Lubawka“ betitelt) stammende Maler Otto Müller (1874–1930) schuf 1912 einen Holzschnitt eines in paradiesischer Unschuld hockenden „Mädchens zwischen Blattpflanzen“. Eine Bleistiftsammlung des 1873 in Danzig geborenen Johann Vincenz Cissarz zeigt „Vier bäuerliche Figuren bei der Obsternte“. Das Sammelsurium dieser Schau zeigt weiterhin Graphik des Jugendstils, dessen Spiel mit Pflanzenornamentik und paradiesischen Landschaftsszenen um 1900 Programm war, Kitschpostkarten des frühen 20. Jahrhunderts, eine Großfotografie von „Beatles“-Sänger John Lennon mit Frau Yoko Ono.
Nach zahlreichen Bildern und Fotografien von Markthändlern endet die Schau mit einigen Exponaten aus der Anfangszeit der Partei „Die Grünen“, darunter ein Wahlplakat von 1988 und ein Holzschnitt von Joseph Beuys, der sich damals erfolglos um ein Bundestagsmandat bewarb.
„Grünzeug“ bis zum 11. Februar im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, Friedensplatz 1, geöffnet täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr. www.hlmd.de


