Ausblick auf das Jahr 2073
Es gehört zu den gängigen Klischees, dass Philosophen geistig weit über den Niederungen des Alltags schweben und anders „ticken“ als die übergroße Mehrheit der Menschen. Aber manchmal widerspiegeln Stereotype durchaus die Wirklichkeit. Ein treffendes Beispiel hierfür ist das Buch „Entscheide Dich!“ des Professors für Philosophie mit Schwerpunkt Kulturphilosophie, Andreas Urs Sommer.
Dieser benötigt über 100 Seiten, um darzulegen, warum auch Demokratien gelegentlich Krieg führen müssen. Dabei verwendet er Formulierungen wie Krieg biete „eine Chance zur demokratischen Selbstermächtigung, zu einer Neuformierung der Demokratie auf partizipatorischer und direkter Grundlage“.
In seinem Schlusskapitel, welches einen „Ausblick ins Jahr 2073“ bietet, schildert Sommer auch gleich, wie das im Konkreten aussehen könnte: Um der „Selbstdemokratisierungslust“ der Bundesbürger Raum zu geben, sei es am besten, eine allgemeine Dienstpflicht für alle Deutschen im Alter zwischen dem 18. und 75. (kein Schreibfehler!) Lebensjahr einzuführen. Auf diesem Wege lasse sich die „Ohnmachtserfahrung“ angesichts der Corona-Pandemie und des Ukrainekrieges wirksam kompensieren. Außerdem zeigt sich Sommer überzeugt, dass es 2073 statt realer nur noch virtuelle oder von Künstlicher Intelligenz ausgefochtene Kriege geben werde. W. Kaufmann
Andreas Urs Sommer: „Entscheide Dich! Der Krieg und die Demokratie“, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2023, broschiert, 127 Seiten, 16 Euro
Mord in der Altenresidenz
In der Seniorenresidenz Babbington Hall fällt die Heimleiterin Renata nachts aus dem Fenster. Die 87-jährige Florence hört den Schrei und sieht die junge Frau schwer verletzt am Boden liegen. Sie kann sich nicht erklären, dass alle später behaupten, Renata habe Selbstmord begehen wollen, denn am Abend vorher hatte sie Florence noch erzählt, dass sie verliebt sei und nach Paris reisen wolle.
Kann es sein, dass sich ein Mörder in der Residenz aufhält? Erst vor ein paar Tagen war ein Heiminsasse nach einem Sturz verstorben, und nun liegt Renata schwer verletzt auf der Intensivstation. Florence will der Sache auf den Grund gehen und erhält Unterstützung von dem Mitbewohner Stanhope Jones. Susan Flechter beschreibt in „Florence Butterfield und die Nachtschwalbe“ Florence’ langweiligen Alltag ausführlich, und man spürt die Langeweile förmlich, bevor etwas Interessantes im Altersheim passiert.
Angela Selke
Susan Fletcher: „Florence Butterfield und die Nachtschwalbe“, Kindler Verlag, Hamburg 2023, gebunden, 495 Seiten, 24 Euro


