01.05.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 02-24 vom 12. Januar 2024 / Der Wochenrückblick / Würstchen in der Nacht / Wie man Peinlichkeit durch Pöbeln übertönt, und warum die alle so viel Angst haben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-24 vom 12. Januar 2024

Der Wochenrückblick
Würstchen in der Nacht
Wie man Peinlichkeit durch Pöbeln übertönt, und warum die alle so viel Angst haben
Hans Heckel

Da tuckert sie von dannen, verschwindet ganz langsam in der Dunkelheit der Nacht über der Nordsee. Auf der Fähre kauert ein Minister, der aus blanker Furcht vor dem direkten Gespräch mit kritischen Bürgern Fersengeld gab. Ein jämmerliches Bild, und jeder, der es gesehen hat, denkt sich mit Blick auf diesen Minister: Was für ein Würstchen!

Kein Wunder, dass dieses erbarmungswürdige Schauspiel den Propagandisten in den Regierungsparteien und den ihnen gewogenen Redaktionsstuben kalten Schweiß auf die Stirn trieb. Um Himmels Willen! Wie stehen wir denn jetzt da, wo sich unser Lieblingsminister Habeck derart bis auf die Knochen blamiert hat? Nun half nur eines: Eine Lüge musste erfunden und so oft und so laut wiederholt werden, bis sie jedermann für die Wahrheit hielt. 

Die Bauern am Anleger hätten die Fähre blockiert, hätten gar versucht, sie zu stürmen. Wer die etlichen Videos gesehen hat, welche die Szenen von allen Seiten dokumentiert haben, konnte sehen, dass nichts davon stimmt. Sie wollten Habeck nicht auf der Fähre festnageln, ganz im Gegenteil wollten die Landwirte, dass er an Land geht und mit ihnen spricht. Niemand wollte das Schiff stürmen, sie drängten erst auf den Anleger, als die Fähre schon abgelegt hatte. Ach, das wissen Sie ja vermutlich alles schon.

Und so gibt ja sogar der Habeck selbst zu, dass es nicht die Bauern waren, die ihn nicht an Land lassen wollten. Seine eigenen Sicherheitsleute hätten ihm geraten, nicht von Bord zu gehen, wegen der „Gefahrenlage“. Na und? Sind das seine Befehlshaber? Ohne Probleme hätte der Grünen-Politiker ungeachtet des Ratschlags seiner Leibwächter gehen können. Er wollte nicht, er hatte die Hosen voll.

Was heißt überhaupt „Gefahrenlage“? Andere Politiker handhaben das ganz anders. Durch ganz Deutschland gingen die Bilder, als am 10. Mai 1991 Helmut Kohl in Halle an der Saale aus einer riesigen, völlig unübersehbaren Masse mit Eiern beworfen wurde. Der Kanzler pfiff auf die Bedenken seiner Leibwache, stürmte auf den Werfer zu und packte ihn beim Kragen. Damals war der Mord an Treuhandchef Detlef Karsten Rohwedder gerade erst sechseinhalb Wochen her. Der Beauftragte von Kohls Bundesregierung war am 1. April von Terroristen getötet worden. Aber das hielt den Kanzler nicht davon ab, sich ins Getümmel feindseliger, offenbar auch körperlicher Gewalt nicht abgeneigter Widersacher zu stürzen. Doch Habeck türmt vor einer Schar Bauern, die nur mit ihm reden wollen, die teilweise ihre kleinen Kinder auf dem Arm tragen und neben denen jede Menge Polizeikräfte präsent sind. Die Ampelmännchen sind halt aus weicherem Holz als ihre Vorgänger an der Regierungsspitze.

Und was soll man nun machen, wo jeder im Netz sehen kann, was an der Fähre wirklich passiert ist und die ganz große Mehrheit der Deutschen hinter den Bauern steht? Da helfen nur noch hemmungsloses Gepöbel – nach dem Motto: Da wird schon irgendwas hängenbleiben – und bodenlose Unterstellungen, je abseitiger, desto besser.

„Kartoffel-Mob an der Fähre“ und „Traktor-RAF“ lauten zwei Blüten der Pöbler. Die Unterstellungen sind noch unterirdischer, denn die drehen nur die älteste der alten Leiern weiter. Ja klar, die Bauern sind von „rechts“ unterwandert, wollen den „Umsturz“ und tragen ihre „leider populäre Staatsfeindlichkeit vor sich her“. Es macht so müde, dieses immer gleiche Geraune, das sofort ertönt, wenn grünlinkes Politikversagen und die desaströse Ideologie dahinter auf echten Widerspruch stoßen.

Am Ende fällt der König

Apropos: Dass Bürger, die sich in der Demokratie eine andere Regierung wünschen, als „Umstürzler“ beschimpft werden, die „staatsfeindlich“ seien, weil sie die derzeitige Regierung nicht mögen, sagt mehr über das Demokratieverständnis der politischen und medialen Dreckwerfer aus als über das der beworfenen Bürger. Dass sich manch kritische Geister hier an den Jargon der Mächtigen in der Endphase der DDR erinnert fühlen, mag übertrieben klingen, ist aber verständlich.

Was haben sie noch im Köcher? Ach ja: Wie schon üblich in Fällen von bürgerlichem Aufbegehren wiederholt man unentwegt die Forderung, dass sich die Bauern von „rechtsradikalen Unterwanderern“ in ihren Reihen abgrenzen sollen. Die Forderung ist nichts anderes als die erste Umdrehung im Schraubstock, in dem jede Opposition gegen Linksgrün zerquetscht werden soll. Denn natürlich können sich die Bauern „abgrenzen“, bis sie quietschen. Es wird ihnen nichts nützen. Es sei denn, sie nehmen alle ihre Forderungen zurück und geloben feierlich, künftig zu Hause zu bleiben, nur noch linksgrün zu wählen und ihre Kühe und Schweine im Stall zu gendern.

Allerdings: Von einem derart wunderbaren Ausgang der Geschichte träumen nicht einmal die Dreckwerfer und Schraubstockdreher. Sie haben etwas anderes vor: Das eigentliche Ziel besteht darin, dass sich die Bauern und ihre Unterstützer per Abgrenzungshysterie selber den Garaus machen, indem sie sich in kleine und kleinste Gruppen aufspalten, die sich gegenseitig „Rechtsradikalismus“ vorhalten. Damit hätte sich der Protest gleichsam eigenhändig zerfleischt: Spalte und herrsche! Mal sehen, ob die Protestbewegung darauf hereinfällt.

Die große Sympathie, welche den Landwirten im Volk entgegengebracht wird, macht den Ampelleuten und ihren medialen Herolden begreiflicherweise am meisten Angst. Also versuchen sie, die Deutschen gegen ihre Bauern aufzustacheln, indem sie auf den hohen „Subventionen“ herumreiten, zu denen ja auch die Steuerbefreiung beim Diesel zähle. „Welt“-Herausgeber Stefan Aust hat einmal herausgearbeitet, womit die Mineralölsteuer eigentlich einst begründet wurde: Mit dem Geld sollten öffentliche Straßen gebaut und erhalten werden.

Während der gewöhnliche Auto- oder Lasterfahrer aber fast die ganze Zeit auf solchen öffentlichen Wegen unterwegs sei, so Aust, fahre der Bauer ganz überwiegend auf eigener Scholle, etwa beim Pflügen und Ernten, und benutze nur auf dem Weg dorthin jene öffentlichen Wege. Also sei es keine Subvention, wenn er weniger Steuern für den Sprit zahle, sondern das berücksichtige lediglich die Realität. 

Man könnte Austs Gedanken noch weiterführen: Wenn Autofahrer über die Mineralölsteuer einen Extrabeitrag zum Erhalt des öffentlichen Wegenetzes leisten müssen, warum dann nicht auch Fußgänger und Fahrradfahrer, die – im Unterschied zu den Treckerfahrern – auch ganz überwiegend auf öffentlichen Wegen unterwegs sind? Fragen wir das lieber nicht zu laut. Sonst greifen die Ampelleute in ihrer uferlosen, selbst verschuldeten Geldnot diese Idee noch auf.

Zurzeit haben die vor allem Angst, weil sie sehen, wie der Bauernprotest längst alle möglichen anderen Berufsgruppen erfasst und mobilisiert hat. Wie hieß es auf einem Protestplakat mit Anspielung aufs Schachspielen: Den ersten Zug macht der Bauer, am Ende fällt der König.