Die Wanderbischöfe Korbinian und Pirmin stehen im Mittelpunkt großer Landesausstellungen; Bamberg huldigt dem vor 1000 Jahren gestorbenen Kaiser Heinrich II.; Schweinfurt beantwortet die Frage, wie Spitzweg es mit der Liebe hielt; und Weimar gibt Auskunft darüber, wie Walter Gropius und die Bauhäusler mit dem Nationalsozialismus umgingen. Das sind nur einige der Ausstellungshöhepunkte in diesem Jahr 2024.
Gefälschte Urkunden sind in Baden-Württemberg Anlass für die Landesausstellung Welterbe des Mittelalters. 1300 Jahre Klosterinsel Reichenau. Ihr Fälscher war im 12. Jahrhundert der Reichenauer Mönch Udalricus. Er schabte den Text zweier alter Urkunden ab, behielt deren Siegel bei und schrieb einen neuen Text aufs Pergament. So entstanden die „Stiftungsurkunde“ und die „Privilegienurkunde“, angeblich ausgestellt vom fränkischen Hausmeier Karl Martell am 25. April des Jahres 724. Die Wissenschaftler sind jedoch überzeugt, dass Udalricus durchaus richtige Angaben gemacht hat.
Es besteht also kein Zweifel daran, dass der später heiliggesprochene Pirmin um 724 auf der Bodenseeinsel Reichenau eine Mönchsgemeinschaft gründete. Die vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe erarbeitete Jubiläumsschau ist ab dem 20. April im Archäologischen Landesmuseum Konstanz zu sehen. Zu den 250 kostbaren Exponaten gehören Prachtbände aus der Reichenauer Malerwerkstatt. Die Universitätsbibliothek Heidelberg ist Leihgeber des um 980 angefertigten Petershausener Sakramentars. Dessen Miniatur der thronenden Ecclesia schmückt das Ausstellungsplakat. Zweiter Schauplatz der Ausstellung ist die Klosterinsel Reichenau selbst mit ihren drei mittelalterlichen Kirchen, der Münsterschatzkammer und dem Museum Reichenau. (www.ausstellung-reichenau.de)
Das Bistum Freising feierte 1724 sein 1000-jähriges Bestehen. Am Jahr 724 wird bis heute festgehalten, erweitert um den Zusatz „um“. Vor 1300 Jahren also wirkte Korbinian in Freising. Er gilt als der geistliche Vater des Bistums, das formell Bonifatius erst anno 739 gründete. Die vom Haus der Bayerischen Geschichte konzipierte Jubiläumsschau ist ab 7. Mai im Diözesanmuseum Freising zu erleben. Sie heißt Tassilo, Korbinian und der Bär – Bayern im frühen Mittelalter. Der Bär ist das Attribut des heiligen Korbinian.
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Tassilo III. war der letzte Herrscher aus dem bayerischen Herzogsgeschlecht der Agilolfinger. Karl der Große setzte ihn 788 ab. Zu den Glanzlichtern der Schau gehören das „Scheibenreliquiar des heiligen Bonifatius“ (2. Viertel 8. Jh. und Mitte 12. Jh.) aus dem Fritzlarer Domschatz und der kunstvoll illustrierte Codex Millenarius Maior (nach 800) aus dem von Tas-silo III. gegründeten Stift Kremsmünster. (www.hdbg.de)
Der Gründung des Bistums Bamberg verdankt Kaiser Heinrich II. seine Heiligsprechung. Er starb am 13. Juli 1024 und ist mit seiner ebenfalls heiliggesprochenen Gemahlin Kunigunde im Bamberger Dom bestattet. Die am Domberg angesiedelten Museen ehren den Gönner der Stadt mit Sonderausstellungen. Den Anfang macht das Diözesanmuseum. Ab dem 24. Februar läuft die Schau Kreuze. 1000 Jahre nach Heinrich II. – Begegnung von Edelstein und Kettensäge. Kreuze aus unseren Tagen gesellen sich dabei zum Heinrichskreuz aus dem Fritzlarer Domschatz. (www.dioezesanmuseum-bamberg.de)
Das mit Edelsteinen, Perlen und 17 antiken Gemmen geschmückte Prachtkreuz war ein Geschenk des Kaisers an das Fritzlarer St.-Petri-Stift. Die Staatsbibliothek präsentiert ab 16. September Handschriften, die Heinrich nach Bamberg stiftete. Die mit zahlreichen erlesenen Miniaturen ausgestattete „Bamberger Apokalypse“ (um 1020) hatte er im Kloster Reichenau bestellt. Ab 28. Oktober zeigt die Schau Vor 1000 Jahren im Historischen Museum, wie die Menschen am Hof des Kaiserpaares lebten. (www.bamberg.info)
Frans Hals (1582/83–1666) gilt als einer der größten Portraitmaler aller Zeiten. Er schuf ganzfigurige Gruppenbildnisse von Schützengesellschaften, malte wohlhabende Bürger und ihre Frauen in Halbfigur, und er gilt als erster Künstler Hollands, der soziale Außenseiter für portraitwürdig erklärte. Die Berliner Gemäldegalerie widmet ihm ab dem 12. Juli eine Sonderschau. Viele Gemälde verbreiten gute Laune. Etwa der aus Paris anreisende „Lautenspieler“ (um 1623/24). Der junge Musiker blickt schräg nach links oben und grinst. Berühmt ist Hals für seine skizzenhaft lockere Pinselführung, die etwa die Impressionisten Liebermann, Slevogt und Corinth bewunderten. Sie werden in der Schau mit einigen Gemälden vertreten sein. (www.smb.museum)
Ausgerechnet der notorische Junggeselle Carl Spitzweg (1808–1885) widmete der Liebe zahlreiche Gemälde. Sie haben tragikomische Titel wie „Der ewige Hochzeiter“. Wiederholt laufen Mönche Gefahr, in Liebesangelegenheiten verwickelt zu werden. Das zeigt das Gemälde „Sennerin und Mönch“ (1838). Eben noch war der in freier Natur sitzende Mönch in seine Lektüre vertieft. Nun blickt er über die Schulter erschrocken einer jungen Frau entgegen, die mit einem roten Schirm in der Hand beherzt zu ihm herübersteigt. Zu sehen ist das Gemälde ab dem 17. März im Schweinfurter Museum Georg Schäfer in der Schau Der rote Schirm – Liebe und Heirat bei Carl Spitzweg. (www.museumgeorgschaefer.de).
Dass nicht alle Bauhäusler im Umgang mit dem Nationalsozialismus eine weiße Weste behielten, ist ein offenes Geheimnis. Ab dem 9. Mai zeigt die Klassik Stiftung Weimar die Ausstellung Bauhaus und Nationalsozialismus. Sie veranschaulicht erstmals die vielfältigen Formen des Umgangs der Künstler mit dem totalitären System. Im Museum Neues Weimar stehen die künstlerischen und politischen Konflikte im Blickpunkt, die 1919 bis 1933 am Bauhaus ausgefochten wurden. Im Bauhaus Museum geht es um die Beschlagnahme „entarteter Kunst“ 1937 und die Weimarer Vorläuferaktion von 1930, bei der über 70 Werke von Bauhaus-Künstlern wie Feininger und Klee aus dem Schloss entfernt wurden. Das Schiller Museum dokumentiert Lebenswege von Bauhäuslern in der NS-Diktatur. (www.klassik-stiftung.de)


