Die Internationale Raumstation ISS ist ein Gemeinschaftsprojekt von 16 Staaten und das größte von Menschenhand geschaffene Objekt im All. Ihr Bau und Betrieb verschlang bislang mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Seit dem 2. November 2000 befinden sich permanent Raumfahrer an Bord – und noch steht kein Ende des Betriebs bevor, obwohl dieses ursprünglich für das Jahr 2015 geplant war. Denn die beteiligten fünf Weltraumagenturen haben eine Verlängerung bis 2030 beschlossen. Danach muss die ISS allerdings „entsorgt“ werden.
Das liegt zum einen daran, dass die Raumstation nicht ewig mit vertretbarem Aufwand auf ihrer Umlaufbahn in rund 400 Kilometern Höhe gehalten werden kann. Zum anderen ist die Lebensdauer der einzelnen Module begrenzt. Allerdings verbietet es sich, die 450 Tonnen schwere ISS von der Größe eines Fußballfeldes einfach – so wie bei kleineren Satelliten üblich – unkontrolliert in den sogenannten „Raumschiff-Friedhof“ am Point Nemo zwischen Neuseeland und Chile stürzen zu lassen. Denn wenn sie vorher zerbricht und die Einzelteile deshalb woanders niedergehen, drohen Todesopfer und erhebliche Sachschäden am Boden.
Daher bleiben nur drei theoretische Optionen: So wäre es möglich, die stillgelegte ISS in einen „Ewigkeitsorbit“ in mehreren tausend Kilometern Höhe zu schießen. Das würde jedoch immense Kosten verursachen. Alternativ könnte im Prinzip auch eine stückweise Rückführung der einzelnen Module auf die Erde erfolgen. Seit der Außerdienststellung der Space Shuttles im Jahre 2011 scheidet diese Vorgehensweise aber ebenso aus.
Somit bleibt faktisch nur Variante Drei: Der straff kontrollierte Deorbit über den menschenleeren Weiten des Südpazifiks unter Einsatz eines steuerbaren Bremsmoduls. Aber auch in diesem Fall kommen erhebliche Probleme auf die Verantwortlichen zu.
Die Umlaufbahn der ISS führt vielfach über bewohntes Gebiet, deshalb darf beim Niedergehen überhaupt nichts schieflaufen. Ein großer Risikofaktor ist hier die unregelmäßige Geometrie der Station, welche es schwer macht, sie permanent in einer stabilen Lage zu halten. Dazu kommt die unterschiedliche atmosphärische Dichte, die den Bremseffekt mindert oder verstärkt. Außerdem steht noch gar kein einsatzbereites Bremsmodul zur Verfügung.
Einstmals war vorgesehen, die ISS mit drei russischen Raumfrachtern vom Typ „Progress“ aus ihrer Umlaufbahn zu drängen. Ob Moskau angesichts der weltpolitischen Lage willens sein wird, die Frachter bereitzustellen, ist jedoch völlig ungewiss. Deshalb prüft die NASA Alternativen, um die Station notfalls ohne die Russen zu „wassern“.
So wäre es beispielsweise möglich, das Europäische Servicemodul (ESM) der Orion-Kapsel zu nutzen, die 2024/25 Menschen zum Mond bringen soll. Gleichzeitig holt die NASA Angebote von Privatfirmen für speziell konstruierte Deorbiting-Fahrzeuge ein. Hier könnte abermals das Raumfahrtunternehmen Space Exploration Technologies Corporation (SpaceX) des visionären Milliardärs Elon Musk den Zuschlag erhalten. W.K.


